hal9000 schrieb:
eben.
ob die ostgebiete noch mit den westbebieten wollen?
Glaube kaum, die Kluft zwischen den einzelnen Landesteilen wird mit jedem Tag tiefer.
Ein Paar Hintergruninformationen:
Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2010, 2. Runde
Timoschenko vs Janukowitsch (die Zahlen sind %-Angaben der Stimmen für Janukowitsch)
Die fünf Gebiete im Westen:
- Die Menschen sprechen mehrheitlich auf Ukrainisch, die Spache wurde sehr stark von Polnisch beeinflusst (!!!)
- Sehr ländlich gepägt, meist kleine Bauernhöfe, Tourismus
- Kaum Industrie
- Lemberg, Ivano-Frankovsk und Ternopol (in gelb; im 18. Jhd Galizien) sehr nationalistisch eingestellt
- Die Mehrheit ist griechisch-katholisch (ukr. Unionskirche)
- Können die Menschen im Osten nicht leiden (historisch/religons-bedingt) /etwas verallgemeinert von mir/
- Sehr aktiv pro-westlich
Mitte (grün und türkis)
- Rund 70% sprechen Ukrainisch, 30% Russisch, zu Hause jedoch genau umgekehrt; die Sprache ist deutlich näher an Russisch und wird vom Westen spöttisch "Surschik" genannt, im Gegensatz zu Ukrainisch
- viele landwirtschaftliche Grossbetriebe
- Leiche Iindustrie
- viele Unis, Forschung
- Die Mehrheit ist russisch-orthodox, ein Teil der Kirchenführung will sich vom russischen Patriarch loslösen
- Die meisten sind zwar pro-westlich, es herrscht jedoch die Einstellung: "So lange es mich nicht direkt betrifft ists mir egal"
Osten und Süden (blau):
- >90% sprechen Russisch, einige können nicht einmal Surschik (in Donezk z.B. drehen sich die Menschen auf der Strasse um, wenn man auf ukrainisch redet ->wie Fremdsprache)
- Hat seit der Zarenzeit einen besonderen Status, die Krim untersteht direkt Moskau
- landwirtschaftliche Grossbetriebe im Süden, "Multi-kulti" Handelsstadt Odessa
- Sehr viel Schwerindustrie und Bergbau
- Seit 1991 ist die Wirtschaft im Osten um rund 2/3 geschrumpft, weit mehr als im Westen des Landes
- Trotzdem ist der Osten eine "Geber-"Region
- Technische Unis en masse
- Die Mehrheit sind Atheisten, Rest russisch-orthodox, einige ev./kath. (deutsche Auswanderer)
- Die Meinungen : "So lange es mich nicht direkt betrifft ists mir egal" und "Russland wird uns schon notfalls retten" sind _SEHR_ weit vertreten (bzw. waren bis zum 2. Mai)
- Viele Menschen sind pro-russisch, durch wirtschaftliche Beziehungen und Geschichte
- Die überwältigende Mehrheit ist Ukraine-kritisch, wegen der Wirtschaftslage
- Die EU ist fast allen hier egal (politisch gesehen), Wirtschaft siehe oben
Rusinen (Die Ecke im Westen mit 41,5%):
- Eigene Sprache (Russisch sehr ähnlich)
- Eigene Traditionen und Mentalität
- wollen einfach weg von der Ukraine; ein Teil zu Russland, ein Teil zu Ungarn
Hier sieht man die gleiche Aufteilung:
Umfrage: Russisch als 2. landessprache

Swoboda-Partei bei der Wahl 2012

Wenn man eine Karte macht mit Pro- und Anti- Maidan Demonstrationen macht, dann sieht sie GENAUSO aus wie die von der Präsidentschaftswahl aus, 1:1 .
Die wichtigsten Streitpunkte sind rot hinterlegt.
Anfangs war das "nur" ein Konflikt der wirtschaftlichen Interessen: Die Menschen ausm Westen wollen in der EU arbeiten/tagelöhnen (momentan tun sies in Russland) und und ihre Ernte zollfrei verkaufen. Der Osten will die Beziehungen zu Russland nicht abbrechen.
Nach dem Maidan kam die Frage der Sprache/Religion auf (wie so oft in Europa), danach gings nur noch bergab. Die Spannung, die sich dort seit Jahren aufstaute, ist auf einmal raus. *Boom*
Wenn die Junta das Sprachgesetz (egal wie schlecht es war) nicht gekillt hätte, wäre all das nicht passiert. Davon bin ich zu 100% überzeugt.
Allgemein habe ich den Eindruck dass Kiev einfach alles tut, damit die Lage sich verschlechtert. Soldaten und Nationalgarde ausm Westen im Osten, das kann einfach nicht gut gehen. Normalerweise bin ich kein Verschwörungstheoretiker, aber hier drängen sie sich förmlich auf.
buh, jetzt reichts
/edit
kaputten Link repariert
Alle Bilder sind schamlos aus wikipedia geklaut.