Unsichere Reaktoren in Deutschland

Exar_Kun schrieb:
Was passiert denn hierzulande, wenn die Kühlsysteme komplett ausfallen?


Wenn jegliche Kühlung dauerhaft ausfällt, dann würde es natürlich auch in Deutschland zu einer Kernschmelze kommen.

Allerdings ist der Weg dahin - und da lehne ich mich mal aus dem Fenster - ein anderer. Zuerst mal ist die Wahrscheinlichkeit für derart schwere Erdbeben und derart riesige Tsunamis geringer, auch, weil die meisten deutschen AKW fernab der Küste liegen.

Gleichzeitig sind die Vorschriften und Regeln in Deutschland strenger - auch wenn die Meinung über die Energiekonzerne oft nicht die beste ist, so wäre es doch vermessen, diese mit TEPCO zu vergleichen.
Ein fehlendes Kabel um mobile Aggregate anzuschließen, kann man natürlich in Mitteleuropa besser besorgen, als in Japan - welches nicht nur kein Landgrenze zu anderen Staaten hat, sondern weit und breit das einzige Land mit diesen Reaktoren ist.


Jedoch - und das habe ich nicht grundlos gesagt - bin ich auch dafür, die alten deutschen Meiler abzuschalten und durch deutlich modernere zu ersetzen.
Sicherheit nachrüsten ist eben immer schlechter, als diese von vornherein umzusetzen. (Wobei das am Stand der Technologie lag und nicht daran, dass man an dieser Stelle sparen wollte)



Robo32 schrieb:
würde man dennoch nichts mehr dagegen tun können was bereits ausgetretten ist.

Und? Es ist in Bezug auf Radioaktivität weiterhin gefährlicher Berufspilot zu sein, als Anwohner von Fukushima I.

Nach deiner Definition war auch Tschernobyl beherschbar - man konnte die Explosion ja verhindern.

Tschnerobyl war so lange beherrschbar, bis gemeint wurde, man müsste den Reaktor gezielt an seine Grenzen bringen - und das dann auch noch vermasselt hat.

Einem Super-GAU und zwei größeren Zwischenfällen stehen aber weiterhin >60 Jahre keine weiteren größeren Probleme in >400 Atomreaktoren gegenüber. Für eine solche Hochtechnologie ein ziemlich guter Schnitt.
 
Es gibt eine Reihe von verschiedenen Kernkraftwerke. Alle basieren auf dem Wärmeprinzip: Heißes Wasser wird verdampft und dann durch eine Turbine geleitet, die dann Strom erzeugt (Mal mit Wärmetauscher [dann ist der Turbinenraum nicht Teil des Kontrollbereichs], mal ohne [dann ist auch der Turbinenraum Kontrollbereich, da der Dampf radioaktiv ist (in Fukushima der Fall)].

Das kann man aber auf verschiedene Weise bewerkstelligen:

Siedewasserreaktor (Wassermoderiert, Deutschland und Japan)
Druckwasserreator (Wassermoderiert, Deutschland und Japan)
Graphitmoderierter Siedewasserreaktor, mit Druckröhren (Chernobyl Reaktor)
Schwerwasserreaktor (Schweres Wasser als Moderator, hauptsächlich Kanada)
Thorium Hochtemperatorreaktor (gab es mal als Versuchsreaktor in Deutschland)

Dann gibt es noch die sog. Generation IV Reaktoren, die noch in der Entwicklung oder im Endstadium der Entwicklung sind. (Deutsche KKWs sind allesamt Generation 2).

Gasgekuehlte Reaktoren
Kugelhaufen-Modul-Reaktor" (Pebble-Bed Modular Reactor ((PBMR) (gab es auch mal als Versuchsreaktor)
Schnelle Reaktor
Natriumgekuehlte Reaktoren

Die sollen alle das Problem des Kühlmittelverlustes beheben und natürlich sicherer und effizienter sein.

http://www.gen-4.org/

Siehe u.a.. http://www.kernfragen.de/kernfragen/technik/04-Reaktortypen/4-01-Worum-geht-es.php

Tja und jeder der großen Hersteller (Westinghouse, ABB/Siemens/Kraftwerkeunion (KWU)/ (heute) Areva, Hitachi und ein russischer Konzern baut seine Kraftwerke alle etwas anders.
 
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CyberdyneSystem schrieb:
Und alle AKW´s unterscheiden sich zu 100%? Mal abgesehen, das sie vielleicht ein Keller, Büro etc mehr/weniger haben?

Die Unterschiede sind doch schon deutlich. Man muss sich nur mal eines der ältesten deutschen AKW angucken und dann ein neueres oder gleich ein EPR. Haben ja alle Besucherzentren, ist also für jeden auch tatsächlich mal umzusetzen.



wunschiwunsch schrieb:
Wenn die Theorie also stimmt, dann weiß keiner mehr Bescheid, denn die anderen sind ja alle keinen Experten.

Nochmal. Der zuständige Mitarbeiter für Atomfragen bei Umweltbund XY ist für mich kein Experte. Ein entsprechender z.B. Siemens-Fachmann schon. Diese Leute sind für das Fernsehen/Zeitungen aber aus nachvollziehbaren Gründen nicht zu haben.
 
Ihr tut gerade so, als würde es nur einen einzigen Experten auf der Welt geben, der sein wissen kurz vorm Tod, einen weiteren Nachfolger vermittelt....

Wir haben auch nur einen einzigen IT Experten auf der Welt....;)

Edit: @Luzertof

Es gibt DWR, SWR und EPR. Und du wirst lachen, aber ich behaupte, das jeder Experte, der sich mit der Materie AKW auskennt, genau weiß, wie man die einzelnen verfahren unterscheidet, und welche Risiken dies beherbergen. Und ich bin mir auch sicher, das jeder Experte weiß, um welches verfahren es sich in Japan handelt ;)
 
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Der zuständige Mitarbeiter für Atomfragen bei Umweltbund XY ist für mich kein Experte.
Auch wenn er die selbe Ausbildung, etwa ein Physikstudium mit Schwerpunkt Atomphysik hat? Sorry, aber das ist lächerlich.
 
olle-wolle schrieb:
Und mal ehrlich Leute, AKWs in Deutschland abschalten um dann in Frankreich oder sonstwo in Europa Strom aus AKWs kaufen, kann nicht euer Ernst sein.

Doch, den Deutschen ist es damit sehr ernst.

Ist wie mit dem Windrädern. Tolle Sache, aber nicht vor meiner Haustüre.

Luzertof schrieb:
Nochmal. Der zuständige Mitarbeiter für Atomfragen bei Umweltbund XY ist für mich kein Experte. Ein entsprechender z.B. Siemens-Fachmann schon.

Naja, ist doch genauso wie hier auf Forumbase.
Hier gibts auch keine Experten, trotzdem diskuttiert jeder und postet seine Lösungen für den Atomausstieg und Deutschlands Energieversorgung.

Mit wem soll man denn sonst im Fernsehen diskuttieren, wenn nicht mit solchen Leuten?
Die richtigen Experten habe wahrscheinlich was besseres zu tun bzw versteh deren Infos sowieso keiner.
 
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ando99 schrieb:
Eine Atom-Explosion ist mit 2% U235 oder Pu239 Anreicherung AUSGESCHLOSSEN!
Insbesonder nachdem der Moderator (Graphit) weggebrannt ist.

Du meist eine nukleare Explosion - gefährlich sind aber auch die Elemente die in die Luft abgegeben wurden...

Luzertof schrieb:
Und? Es ist in Bezug auf Radioaktivität weiterhin gefährlicher Berufspilot zu sein, als Anwohner von Fukushima I.

Ich habe einen guten Tipp für dich - die Grundstückspreise in der nähe von beiden Kraftwerken sind sicher recht günstig...
Du redest davon, wie gefährlich es ist neben einem funktionierendem AKW zu wohnen ( keine brauchbaren Statistiken vorhanden da nicht gewollt ) und ich meinte nach der Katastrophe die nun mal mehrmals eingetretten ist.
 
Haudrauff schrieb:
Tolle Sache, aber nicht vor meiner Haustüre.

Das ist in der Tat n riesen Problem, bei Phoenix meinte das grad auch ein Risikoforscher.
Um erneuerbare Energiene in Deutschland wirklich in brauchbaren Mengen zugänglich zu machen, braucht es zwingend große Umbauten und Neubauten in den Hochspannungsnetzen.
Der Bau würde dabei (pro Leitung) nur n gutes Jahr dauern, kein Problem also.
Die Planung aber mindestens zehn Jahre, weil die Leute das alles nicht vor ihrer Tür haben wollen und man sich in jedem Pissdorf mit Bürgerinitiativen, Verwaltungsklagen und was weiß ich noch rumschlagen muss.
Erneuerbare Energien gerne aber bitte nicht in meiner Nachbarschaft.
 
Es ist wie schon in den letzten Wochen in Deutschland ein Phänomen der Leugnung zu beobachten die einzig und alle darauf begründet wird, dass man sagt, es müsste ja Leute geben, die ... Jetzt sind es Leute die Ahnung haben ohne, dass man sagen kann wer es ist wo die sind oder dass man eine Wissenschaftliche Arbeit von denen benennen könne, weil man ja auch keinen Namen kennt. Die Wochen davor war es das Massenphänomen, dass Leute die auch ihre Doktorarbeit abgeschrieben haben sollen, aber da kannte man auch keine weiteren Namen ...
 
Um erneuerbare Energiene in Deutschland wirklich in brauchbaren Mengen zugänglich zu machen, braucht es zwingend große Umbauten und Neubauten in den Hochspannungsnetzen.
Völlig richtig. Deshalb bräuchte man hier eine gesetzliche Grundlage. Aber diese wird ja von den Dagegenparteien verhindert.
 
Wunschiwunsch,
deine Ansicht zu diesem Thema will dir ja niemand abstreiten, aber ganz so einfach ist es nicht. Ich kenne auch keinen Biologen, der das Genom xy isoliert und reproduziert hat, das gibts aber...
Namentlich schlägt sowas nunmal keine großen Wellen.
Es gibt definitiv theoretische Physiker die dieses Gebiet aufs genauste verstehen. Aber die sind nunmal einfach nicht Mediengeil. Warum auch, dafür gibts ja Politiker und A bis Z Promis.

Auf jedenfall ist der Prozess sehr weit erörtert und heutige Anlagen stellen ein wesentlich kleineres Risiko da. Absolute Sicherheit gibt es nicht.
 
Robo32 schrieb:
Du meist eine nukleare Explosion - gefährlich sind aber auch die Elemente die in die Luft abgegeben wurden...

Ich hab mich ja auch nur auf die Explosionen bezogen
 
Völlig richtig. Deshalb bräuchte man hier eine gesetzliche Grundlage. Aber diese wird ja von den Dagegenparteien verhinder
Damit meine ich natürlich CDU/CSU, die das Infrastrukturbeschleunigungsgesetz der Rot-Grünen-Bundesregierung verhindert haben.
 
CyberdyneSystem schrieb:
Es gibt DWR, SWR und EPR. Und du wirst lachen, aber ich behaupte, das jeder Experte, der sich mit der Materie AKW auskennt, genau weiß, wie man die einzelnen verfahren unterscheidet, und welche Risiken dies beherbergen. Und ich bin mir auch sicher, das jeder Experte weiß, um welches verfahren es sich in Japan handelt ;)

Das ist doch völlig irrelevant. Ein deutscher Druckwasserreaktor (z.B. Konvoi) unterscheidet sich von einem japanischen oder US amerikanischen, obwohl alle drei rein von der Sache her auf den US Reaktoren beruhen (bzw. davon ausgehend die Entwicklung gestartet wurde).

Ich habe Kontakte in diesen Bereich und daher weiß ich z.B., dass es schon innerhalb Deutschlands nicht einfach möglich ist, Leute, die erst z.B. einen Vor-Konvoi gefahren haben, einfach so auf einem Konvoi-Reaktor einzusetzen.

Darum geht es aber letztlich auch gar nicht, sondern darum, dass viele "Experten" wie die sprichwörtlichen Blinden sind, die von Farben reden.


badday schrieb:
Auch wenn er die selbe Ausbildung, etwa ein Physikstudium mit Schwerpunkt Atomphysik hat? Sorry, aber das ist lächerlich.

Bin ich ein Rennfahrer, nur weil ich einen Führerschein habe?

Kennen diese Experten die technischen Details der entsprechenden Reaktoren von GE, Hitachi und Toshiba?
Letztlich reden wir hier auch nicht über Atomphysiker, sondern eher über Ingenieure. Die wissenschaftlichen Grundlagen existieren ja schon, es geht um Umsetzbarkeit.
 
Robo32 schrieb:
Du redest davon, wie gefährlich es ist neben einem funktionierendem AKW zu wohnen ( keine brauchbaren Statistiken vorhanden da nicht gewollt ) und ich meinte nach der Katastrophe die nun mal mehrmals eingetretten ist.

So lange die Familien der AKW-Angestellten in der Nähe wohnen, wird die Gefahr wohl nicht ganz so extrem sein, wie sie gerne dargestellt wird.
 
Merle schrieb:
Es gibt definitiv theoretische Physiker die dieses Gebiet aufs genauste verstehen. Aber die sind nunmal einfach nicht Mediengeil. Warum auch, dafür gibts ja Politiker und A bis Z Promis.

Dann hoff ich mal dass man Dieter B. bei den RTL Nachrichten sieht!
 
Kennen diese Experten die technischen Details der entsprechenden Reaktoren von GE, Hitachi und Toshiba?
Die grundsätzliche Funktionsweise wohl schon. Was aber in den Berech Betriebsgeheimnis geht, können sie nicht kennen. Nur ist das alles andere als ein Argument Pro-AKW.
 
Es geht auch nicht um ein Pro-Kernkraft Argument, sondern um die Behauptung, "keiner weiß, was in dem Kraftwerk" vor sich geht.

Als wäre es ein Schiff ohne Kapitän, das auf einen Einsberg zurast. Ganz schön dramatisch, nich?
 
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