@I-HaTeD2 und @Darkwonder
Im Jahr 2004 habe ich mich intensiv mit dem Themenkomplex Gewalt gegenüber Frauen sowie den sexuellen Missbrauch von Frauen und Kindern beschäftigt. Dabei habe ich sehr viel Fachliteratur gelesen, sowohl Grundsätzliches als auch vom Aspekt der Psychologie. Schwere Kost, aber doch sehr aufschlussreich. Darunter war auch eine sehr bewegende Erzählung, welche die Erlebnisse einer Lehrerin mit einem schizophrenen Mädchen beschrieb. Nach und nach wurde die Ursache dieser Persönlichkeitsspaltung ans Tageslicht gefördert. Und die Ursache ist grausam. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.
Auf jeden Fall hatte ich damals meinen ersten PC und meine ersten Gehversuche mit dem Internet. Ich war darin also noch nicht sehr bewandert, nutzte das neue Medium jedoch für meine Recherchen. Dabei stieß ich auf fragwürdige Seiten und Bilder. Damals hatte ich noch keinen Virenscanner - echt nicht, ich gestehe!

- und ich erhielt eine Meldung, von wegen das FBI sei mir nun auf den Fersen. Okay, da ergriff mich leichte Panik. Heute weiß ich's natürlich besser. Also keine blöden Sprüche, Jungs.

Was mache ich? Ich sichere das Material und stiefele zur zuständigen Kripo bei uns. Hab alles brav erklärt und das Material übergeben bzw. Kopien davon. Das Löschen auf meinem Rechner hat die Kripo mir überlassen. Und Löschen hieß damals für mich: Ab in den Papierkorb. "Jungs, bitte keine dummen Sprüche!" die Zweite.
Am 25.07.2007 standen drei Kripobeamte vor meiner Haustür mit einem Durchsuchungsbeschluss. Glaubt mir, als "normalen" Bürger ohne jegliche kriminelle Energie ist das ein Schock fürs Leben. Ich zucke noch heute bei bestimmten Situationen zusammen und bekomme Herzrasen, wenn ich Kripobeamte sehe. - Jedenfalls beschlagnahmten sie meinen niegelnagelneuen 3.000 Euro teuren High-End-Rechner; der erste PC, den ich mir selbst zusammengebaut habe, der gerade seit ein oder zwei Wochen fertiggestellt war und für den ich über ein Jahr lang gespart hatte. Nutzen wollte ich ihn als Arbeitsrechner, um mich mit CAD, 3D und Bildbearbeitung auseinanderzusetzen. Aus die Maus.
Jetzt ohne Scheiß: An diesem Tag wusste ich weder ein noch aus und bin abends auf dem Damm spazieren gegangen. An diesem Abend gab es einen herrlichen Sonnenuntergang, wenn man so möchte. Nie zuvor habe ich die Sonne bei uns so groß und so tiefrot gesehen wie an diesem Abend. Seltsam, aber es war tatsächlich so. Die Farbe war kein glühendes Orange oder so, sondern leuchtendes Blutrot, dazu Abenddämmerung, wolkenfreier Himmel und Stille. Schon fast gespenstisch.
Der Tatvorwurf: Ich hätte im Jahre 2004 ein kinderpornografisches Bild per E-Mail verschickt. Es handelte sich dabei lediglich um ein normales Pornobild, wobei nur der Unterleib der Frau zu sehen war. An der fehlenden Schambehaarung sei jedoch klar erkennbar, dass es sich um ein Kind von unter 14 Jahren handele. Jawoll, willkommen in unserem Rechtssystem. Wegen dieses einen Bildes haben sie mir die Bude eingerannt.
Auf meinem Rechner bzw. den sichergestellten DVDs wurden die Spiele und Software gefunden, nebst einigen Filmen. Daraus erwuchs der Tatvorwurf des Verstoßes gegen das Urheberrecht. Nach deutschem Recht können auch andere Straftaten bei der laufenden Ermittlung eines gänzlich anderes Falles verfolgt werden.
Meinen Rechner habe ich bis heute nicht wiedergesehen, was auch auf meine gesamten persönlichen Daten zutrifft. Darunter auch zahllose Gedichte, Kurzgeschichten und Arbeiten an verschiedenen Romanen. Alles unersetzbare Dinge. Ob ich jemals wieder an diese Daten kommen werde, ist ungewiss. Es handelt sich um eine offene Wunde, die bis heute schmerzt. Der PC war mein Baby - ich denke, viele von euch werden das nachvollziehen können. Der Verlust meines gesamten Lebenswerkes, ist nicht weniger schmerzhaft. Dazu kommt der erhebliche finanzielle Schaden, der sich inklusive aller direkter und indirekter Kosten auf etwa 10.000 Euro beläuft.
Damals ist echt eine Welt für mich zusammengebrochen, weil ich einfach nicht verstehen konnte (und es bis heute nicht begreife), mit welchen Mitteln der Staat gegen seine Bürger vorgeht. Ich bin bis heute fassungslos. Unser Staat ist definitiv kein Rechtsstaat.
In der Folge habe ich natürlich die Berichte der verschiedenen Operationen gegen Kinderpornografie verfolgt, dadurch natürlich auch die Diskussion um die Websperren etc. pp. Ich weiß nicht, wie man sich morgens noch im Spiegel sehen und ruhig schlafen kann, wenn man das Leben unzähliger Bürger zerstört hat. Denn die angeblichen Erfolge gegen Kinderpornografie (Operation Mikado usw.) traf zum überwiegenden Teil auch nur Unschuldige. Wie die Folgen für die Betroffenen aussehen, könnt ihr euch vorstellen. Denn es handelt sich bei diesem Tatvorwurf beileibe nicht um ein Kavaliersdelikt. Ich kann hier offen darüber schreiben, weil ich weiß, dass ich unschuldig bin. Aber natürlich kränkt mich dieser Vorwurf aufs Schärfste! Ich möchte einfach Gerechtigkeit. Und ich würde es mir wünschen, dass der Staat die enormen Mittel, die er für die Verfolgung von Unschuldigen verschwendet, dafür einsetzt, um die wirklichen Täter dingfest zu machen. Es gibt in dieser Sache zwei Verlierer/Opfer und einen lachenden Dritten: Die misshandelten Kinder, die zu Sündenböcken gemachten Opfer staatlicher Willkühr und die wahren Täter, die munter ihrem abgrundtief perversen Treiben nachgehen (dürfen).
In diesem Sinne. Eine "Geschichte", die nur das Leben schreiben kann.
Euer Sunny