FrankenDoM schrieb:
Wieso hältst Du jeden Manager direkt für gierig?
Wenn ich einen Laden führe und sogar Angestellte habe, dann muss ich ja auch möglichst gewinnmaximierend arbeiten um meine Leute vernünftig zu bezahlen. Zudem muss ich selbst noch leben können und vorher noch alle Rechnung jenseits der Mitarbeiter bezahlen, ggf. Ausfälle derer kompensieren. Vielleicht will ich dann sogar noch etwas mehr übrig haben als meine Leute. Wieso steht hier in diesem Absatz. Bin ich deswegen gierig?
Oder bezieht sich diese Gierigkeit "nur" auf die Manager der ganz großen Unternehmen?
Diese müssen das oben beschriebene aber halt auch für teils 10.000 und mehr Mitarbeiter hinkriegen.
Dem Management pauschal Gier zu unterstellen ist schon mal wieder eine ganz harte Nummer.
Ich sage nicht, dass es diese Manager nicht auch gibt, aber ob das die Regel ist.....
Nein, um deine Leute zu bezahlen, musst du theoretisch gar keinen Gewinn einfahren, da Lohnkosten bei der Preisgestaltung einkalkuliert werden müssen, also einer von mehreren Kostenfaktoren sind, die zum Verkaufspreis führen.
Gewinn hat eine ganz andere Funktion: Findet am Markt kein Gewinn statt, wird überhaupt nicht produziert! Und das ist auch der Kern des Problems. Der einzelne Manager oder Unternehmer, der halt nach diesen Regeln spielen muss, ist hier nicht als der Schuldige zu suchen. Höchstens insofern, dass dabei nichts hinterfragt wird. Aber das kennen wir ja auch aus anderen Bereichen...
Das Hauptproblem des Kapitalismus ist sein inhärenter Wachstumszwang (=Zwang zur Gier), der uns immer deutlicher um die Ohren fliegt, durch Entwertung menschlicher Arbeitskraft (dem eigentlichen Mehrwert) und einer ungezügelten Vergeudung jeglicher vorhandener Ressourcen. Stellt euch doch mal die Frage, warum trotz dieser ungeheuren Effizienzsteigerungen der letzten Jahrzehnte die Arbeit nicht weniger wird.
Im Kapitalismus wird nicht produziert, um Bedürfnisse zu befriedigen oder echten Wohlstand zu schaffen (disposable time), sondern um den Gewinn weniger Privatpersonen zu erwirtschaften. Anders ist nicht zu erklären, dass obszöner Reichtum und bittere Armut parallel existieren.
Und das ganze Ding geht jetzt in die nächste Runde: Abschaffung des Privatbesitzes für einen Großteil der Menschheit und eine Vertiefung der Abhängigkeit zur Lohnarbeit. Nur so kann weiteres Wachstum in ausreichendem Maß und in einer Welt endlicher Ressourcen erzeugt werden.