Geteiltes Leid – Viele Fachhändler klagen über ähnliche Probleme
Doch Spielegrotte ist nicht allein. AreaGames hat sich mit mehreren deutschen Händlern zu diesem Thema unterhalten. Das Feedback ist eindeutig: Microsoft lässt die kleinen Händler bewusst austrocknen. Besonders kritisiert wird die mangelnde Kommunikation. Obwohl Microsoft immer wieder durch Pressemitteilungen den Verkauf der Xbox One ankurbelte und von erhöhten Liefermengen sprach, dürfte nur wenige Händler damit gerechnet haben, am Ende nur mit 1-2 Geräten beliefert zu werden. Hinzu kam, dass die MS-Distributoren wie NBG, Ingram, oder Koch zwar fleißig Vorbestellungen der Händler annahmen, aber nun gar keine Konsolen ausliefern. Wenn überhaupt bekommen Händler ihre homöopathischen Mengen über Großhändler wie Playcom oder Flashpoint. Hätte Microsoft mit offenen Karten gespielt und die Fachhändler von Anfang über die geringen Auslieferungsmengen gewarnt, wäre tausenden Kunden viel Ärger erspart geblieben.
Allerdings beurteilen viele Händler, mit denen wir gesprochen haben die Liefersituation von Sony als ähnlich bescheiden. Im Gegensatz zu den Erfahrungen von Spielegrotte beklagen viele Händler, das sie von Sony auch nur mit sehr wenigen Geräten beliefert werden (In der Regel 5-10% der vorbestellten Menge) und diese auch nur dann zu bekommen, wenn zu den Konsolen Mindestmengen an Spielen und Zubehör abgenommen wird. So zeigen sich viele Händler schon jetzt besorgt, wo sie mit den ganzen Joypads und „Knack“-Spielen hinsollen, die sie als Zwangsbeigabe mitbestellen müssen.
Die Frage nach dem Warum?
Microsoft benachteiligt mit seiner Lieferpolitik eindeutig die unabhängigen, kleineren Fachhändler zugunsten der großen Märkte wie Media/Saturn oder weltweit agierender Ketten wie Amazon oder spezifisch GameStop. Daher keimen im Internet schnell Spekulationen auf. Ist dies die Rache von Microsoft für das oftmalige Brechen von Verkaufsembargos bei Videospielen? Immerhin sind Händler wie Spielegrotte bekannt dafür, Spiele teilweise 1-3 Tage vor offiziellen Release zu versenden. Oder aber ist es eher die grundsätzliche Firmenpolitik von Microsoft, die kleinen Händler mit aller Kraft aus dem Markt zu drängen? Schließlich galt schon der missglückte Versuch mit der Always-On DRM als ein deutliches Zeichen dafür, dass Microsoft den Händlern den halbwegs lukrativen Gebrauchtmarkt zerstören wollte.
Was auch wirklich die Beweggründe Microsofts waren, es bleibt wie immer ein Geschmäckle: Der sich immer mehr verhärtende Eindruck, das sich der Redmonder Konzern im Zweifel immer erst zugunsten der befreundeten Großkonzerne orientiert und das Kundeninteressen eher zweitranging empfindet. Der Videospielkultur kann diese Einstellung allerdings kaum dienlich sein.