SPEC CPU 2026: Moderner CPU-Benchmark bleibt der Kommandozeile treu
SPEC war mal Referenz-Benchmark, verlor aber zunehmend an Relevanz. Mit CPU 2026 will man diese ein wenig wiedererlangen, mit alten Tugenden. Neue Tests decken dabei ein breites Feld ab. Da der Fokus aber primär auf das Server-Segment gerichtet bleibt, ist es die Bedienbarkeit auch: Noch immer geht alles nur via Kommandozeile.
Ein wenig „back to the roots“ nennt SPEC deshalb die Neuausgabe des CPU-Tests. SPEC steht für Standard Performance Evaluation Corporation und wurde bereits 1988 gegründet. Heute gibt es über 35 verschiedene Benchmarks, die viele Bereiche abdecken, unterstützt von der Industrie und Partnern. SPEC CPU 2026 ist das neue Aushängeschild und bleibt trotz der Neuheiten etwas für echte Nerds, wie allein das Technical Paper in der Schrift von Star Trek: The Next Generation klar verdeutlicht.
Vom Raspberry Pi bis Supercomputer
Auch wenn SPEC nun sogar einen Raspberry Pi unterstützt und damit einige der Tests absolviert werden können, ist die Zielgruppe ganz klar weiterhin das Serverumfeld. Dafür sprechen einige der Anforderungen, SPECspeed braucht beispielsweise mindestens 64 GByte RAM. Viele andere Tasks wurden für Systeme ausgelegt, die 32 oder 48 Threads bieten können – die Baseline ist entsprechend hoch. Unterboten werden kann sie jedoch, wie erste Testdurchläufe mit einem Raspberry Pi, DGX Spark und Mini-PC mit AMD Ryzen AI und auch Apple MacBooks mit M5 Pro zeigen.
Genau diese Rechner machen aber schnell klar: Für kleine Systeme ist der Benchmark eigentlich nichts, denn heraus kommt hier, dass ein DGX Spark schneller ist als ein AMD Ryzen AI 9 HX 370 – zumindest wenn Base Copies auf 1 gesetzt wird. Erst wenn dieser Wert mit der Anzahl der Kernen und Threads im System skaliert, wird ein Schuh draus und große Serversysteme zeigen ihr wahres Können.
Viele Tests und bis zu 30+ Stunden Laufzeit
Bis das Endergebnis angezeigt wird, bedarf es jedoch einiger Arbeit. Diese beginnt bereits bei der Installation nach alter Schule: Eine grafische Setup-Routine gibt es nicht, stattdessen wird eine ISO-Datei angeboten, von der das Programm entpackt und dann in der Kommandozeile ausgeführt wird. Dabei muss ständig jedoch auch ein Editor genutzt werden, um Config-Dateien entsprechend zu bearbeiten und am Ende genau das zu messen, was man messen will. Die Einarbeitung dauert entsprechend einige Zeit.
Denn die Auswahl an Tests ist gewachsen, 38 Anwendungen führen zu 52 Benchmarks und Ergebnissen, ein kompletter Durchlauf der Suite kann – je nach Hardware – gern auch über 30 Stunden dauern. Die grundlegende Unterteilung erfolgt erneut in Tests für Integer und Floating Point, also Fließkommaberechnungen. Das klappt für jede moderne Hardware und berücksichtigt auf Wunsch auch den Energieverbrauch.
Die Zielgruppe dürfte den Benchmark wie gewohnt annehmen, legt er doch Wert auf hohe Transparenz und Dokumentation, soll also wirklich sauber vergleichbar sein. Wie stark die Relevanz der Ergebnisse am Ende aber ist, bleibt vorerst abzuwarten. CPU-Hersteller verkaufen aktuell jeden Chip, selbst die, die quasi abgeschrieben waren. Auf Benchmark-Ergebnisse gibt aktuell kaum jemand wirklich viel, Hauptsache es gibt überhaupt eine CPU mit einer gewissen Leistung.
Der SPEC CPU 2026 Benchmark ist ab sofort verfügbar und kostet 3.000 US-Dollar, bisherige Nutzer bekommen einen Rabatt und zahlen 2.000 US-Dollar. Non-Profit-Organisationen zahlen noch 750 US-Dollar, Lehrinstitute erhalten kostenlose Lizenzen nach Akkreditierung. Die entsprechende Seite bei SPEC wird in den kommenden Wochen stetig weiter gefüllt, ab November dieses Jahres wird der Vorgänger SPEC CPU 2017 dann abgelöst sein, schon ab August müssen Nutzer von SPEC CPU 2017 auch ein Ergebnis von SPEC CPU 2026 auf demselben System einreichen, um berücksichtigt zu werden.
ComputerBase hat die neue Version von SPEC CPU 2026 sowie weitere Informationen vorab unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.