Micron: Die 250-TB-SSD-Klasse ist mit der 6600 ION angekommen

Michael Günsch
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Micron: Die 250-TB-SSD-Klasse ist mit der 6600 ION angekommen
Bild: Micron

Microns bisher „größte“ SSD erreicht den Markt. Die Enterprise-SSD der Serie 6600 ION speichert 245,76 TB und damit die doppelte Datenmenge des vorherigen Spitzenmodells der Serie. Dank PCIe 5.0 sind hohe Transferraten möglich. Leistung und Energieeffizienz lassen HDDs alt aussehen.

Micron will bei 250 TB erster sein

Micron könnte mit der 6600 ION der erste Hersteller sein, der die 250-TB-Kapazitätsklasse in Serie anbietet. Kioxia hat seine LC9-Serie mit 245 TB zwar schon bemustern lassen, doch ist unklar, ob diese schon den nächsten Schritt zum Marktstart genommen hat. Auch die Sandisk DC SN670 ist mit ebenfalls rund 250 TB zumindest schon für dieses Jahr eingeplant.

Allen gemein ist der Einsatz von QLC-NAND-Flash mit 2 Tbit (256 GB) Speicherkapazität pro Die. Davon sind rund 1.000 Stück in zahlreichen Packages untergebracht. Von insgesamt 256 TB bleiben 245,76 TB als nutzbarer Speicherplatz übrig, der Rest dient als Reserve, um etwaige Ausfälle zu kompensieren sowie Leistung und Haltbarkeit zu steigern.

Das E3.L-Format musste her

Während die 6600-ION-Serie bisher in den Formfaktoren U.2 (15 mm Höhe) und E3.S 1T (7,5 mm Höhe) mit 30,72 TB, 61,44 TB und 122,88 TB angeboten wurde, gibt es für das 245-TB-Modell ein neues Format. Statt des kurzen E3.S kommt das längere E3.L zum Einsatz (siehe Tabelle weiter unten). Eine U.2-Version gibt es alternativ, denkbar ist, das darin zwei Platinen gestapelt sind, um die Menge der Chips unterzubringen.

E1.L (long) E1.S (short) E3.L (long) E3.S (short)
Länge 318,75 mm 111,49 mm 142,2 mm 104,9 mm
Breite 38,4 mm 31,5 mm 76 mm
Dicke 9,5 mm (bis 25 W)
18 mm (bis 40 W)
max. 5,9 mm 7,5 mm 16,8 mm 7,5 mm 16,8 mm
Anschluss x4/x8 x4 x4/x8/x16
Leistungsaufnahme (max.) 25/40 W 12 W 35 W 70 W 20 W 40 W

Hoher Durchsatz dank PCIe 5.0

Selbst wenn die Verwaltung der doppelten Menge an Speicherchips einen Tick an Leistung im Vergleich zu den kleineren Modellen der Serie kostet, ist die 6600 ION mit 245 TB immer noch schnell unterwegs. Micron gibt im Datenblatt (PDF) an, dass sequenziell mit bis zu 13.700 MB/s gelesen und mit bis zu 3.000 MB/s geschrieben wird. In der Spitze werden 1,78 Millionen IOPS beim zufälligen Lesen erreicht, die Schreibleistung ist mit 42.000 IOPS deutlich geringer.

Spezifikationen der Micron 6600 ION
Spezifikationen der Micron 6600 ION (Bild: Micron)

Unverändert bleiben die „typischen“ Latenzen mit 100 µs beim Lesen und 20 µs beim Schreiben. Auch die Haltbarkeitsgarantie bleibt bei 1 DWPD für sequenzielle Workloads. Dass jede HDD bei Durchsatz, Latenz und IOPS um ein Vielfaches geschlagen wird, benötigt heute kaum noch eine Erwähnung.

Höchste Speicherdichte

245 TB sind fast sechs Mal so viel wie die bisher größte HDD mit 44 TB zu bieten hat. Dabei sind die SSDs deutlich kompakter als ein 3,5"-Gehäuse mechanischer Festplatten. In puncto Speicherdichte sind entsprechende SSDs demnach der absolute Benchmark der Branche. Micron rechnet vor, dass sich in einem Server-Rack rund 177 Petabyte mit der E3.L-Version und 106 PB mit der U.2-Version realisieren lassen. Mit den 44-TB-HDDs seien es hingegen nur knapp 32 PB.

Mit bis zu 30 Watt fällt die Leistungsaufnahme etwas höher als in der 122-TB-Klasse aus, dennoch ist diese in Relation zum Speichervolumen äußerst gering. Umgerechnet werden nur etwa 0,12 Watt pro TB benötigt, während eine 44-TB-HDD bei rund 0,23 Watt pro TB liege. Für dieses Beispiel vergleicht Micron die SSD mit einer 44-TB-HDD, für die dieselbe Leistungsaufnahme von 10 Watt wie für eine 36-TB-HDD angenommen wird.

Und der Preis?

Auch wenn sich bei Platzbedarf und Leistungsaufnahme sowie der Leistung pro Watt große Vorteile der SSD-Technik gegenüber HDDs im Rechenzentrum ergeben, wird ein Vergleich von den SSD-Herstellern stets gescheut: nämlich der Preisvergleich. Wie im Serversegment üblich, werden die Preise nicht öffentlich kommuniziert. Der Preis pro Terabyte dürfte bei der SSD aber erheblich über jenem einer HDD liegen.

Teils finden solche Produkte aber ihren Weg in den Endkundenmarkt. Dort wird Microns ION 6550 (eine andere Serie mit TLC-NAND) mit 61 TB ab 28.516 Euro angeboten. Dass die 245-TB in diesem Markt erheblich mehr als 100.000 Euro kosten dürfte, liegt somit auf der Hand. Geschäftskunden genießen zwar andere Konditionen, dürften pro TB aber dennoch ein Vielfaches im Vergleich zu einer HDD-Bestückung zahlen müssen.