Grok und xAI am Scheideweg: Auf Musks Supercomputer läuft künftig Anthropic Claude

Andreas Frischholz
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Grok und xAI am Scheideweg: Auf Musks Supercomputer läuft künftig Anthropic Claude
Bild: xAI

Elon Musks KI-Firma xAI hat enorme Summen in die KI-Infrastruktur investiert, um leistungsfähige Modelle zu entwickeln. Mit der Grok-Entwicklung läuft es aber nicht wie geplant. Eine Konsequenz ist nun, dass ab jetzt Anthropic sämtliche Kapazitäten im Colossus-1-Rechenzentrum für den Betrieb der Cloud-Modelle nutzen kann.

Anthropic erhält damit Zugang zu mehr als 300 Megawatt an Rechenleistung. In Colossus 1 sind über 220.000 Nvidia-GPUs verbaut, dazu zählen H100-, H200 und GB200-Chips. Diese Kapazitäten will man noch im Verlauf dieses Monats nutzen können, heißt es in der Mitteilung, in der Anthropic die Kooperation mit SpaceX verkündet. Musks Raketenfirma hatte im Februar seine KI-Firma xAI übernommen.

Höhere Nutzungslimits für Claude-Code-Nutzer

Claude-Code-Nutzer sollen von dem Abkommen direkt profitieren. So verdoppelt Anthropic die 5-Stunden-Nutzungslimits für die Abo-Pläne Pro, Max, Team und die Enterprise-Versionen. Ende März hatte Anthropic die für Claude-Nutzer verfügbaren Kapazitäten noch spürbar eingedampft. Anthropic kann so an einem der zentralen Kritikpunkte der letzten Wochen ansetzen.

Mit den neuen Kapazitäten entfernt man zudem die Nutzungsbeschränkungen für Claude Code, die in den Stoßzeiten für die Abo-Varianten Pro und Max galten. Deutlich erhöht werden zudem die API-Nutzungslimits für die Claude-Opus-Modelle.

Erstaunliche Partnerschaft

Das Abkommen kam überraschend. Elon Musk beleidigte und verunglimpfte Anthropic in der Vergangenheit immer wieder. Er erklärte etwa, das Unternehmen „hasse die westliche Zivilisation“. Nun begrüßt er den Deal. In der letzten Woche habe er viel Zeit mit Führungskräften von Anthropic verbracht und gibt sich beeindruckt.

Während Anthropic Colossus 1 nutzen kann, um die Claude-Modelle zu betreiben (Inference), nutzt SpaceXAI – so der neue Name von Musks KI-Firma – nun Colossus 2, um neue Grok-Modelle zu trainieren. Der Prozess soll bereits abgeschlossen sein.

Finanzielle Details zu dem Abkommen teilen beide Unternehmen nicht mit.

Probleme bei xAI und der Grok-Entwicklung

xAI soll derweil als eigenes Unternehmen aufgelöst werden. Das bestätigte Musk, als er die Partnerschaft mit Anthropic verkündete. Nach der Übernahme wird es nun eine Abteilung von SpaceX. X ist damit ebenfalls direkter Teil des Raketen-Konzerns.

Mit Grok 4.3 hatte xAI zuletzt noch ein neues Spitzenmodell präsentiert. Ihnen gelingt es aber nicht mehr, zu den Spitzenmodellen von OpenAI, Anthropic und Google aufzuschließen. In den derzeit besonders relevanten Bereichen wie Agenten oder Coding spielt xAI keine nennenswerte Rolle.

Als Gründe für die Probleme gelten Personalrochaden und internes Chaos. Viele Gründer sind nicht mehr an Bord, Musk kündigte im März einen Neustart an. Mitarbeiter und ehemalige Angestellte kritisieren allerdings permanente Umwälzungen und Druck. Wenn man nur versuche, auf OpenAI aufzuholen, entwickele man nichts Neues, sagte eine namentlich nicht genannte Quelle im Februar zu The Verge.

Um den Rückstand aufzuholen, hat xAI beim Grok-Training auch OpenAI-Modelle verwendet. Destillation heißt das Verfahren, bei dem Entwickler den Output leistungsfähigere Modelle nutzen, um kleinere Modelle zu trainieren. OpenAI untersagt Konkurrenten dieses Verfahren. Musk bestätigte das Vorgehen aber, als er in dem von ihm vorangetriebenen Gerichtsverfahren im Prozess gegen OpenAI aussagen musste.

Ein weiterer Grund für den personellen Aderlass sind die Sicherheitsprobleme. xAI habe praktisch keine Sicherheitskultur, sagte die von The Verge zitierte Quelle. Das führte dann zu Entwicklungen, die etwa eine massenhafte Verbreitung sexualisierter Deepfakes von Frauen und sogar Minderjährigen ermöglichte.

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