Anno 2205 Benchmarks : 900.000 Einwohner halbieren die Framerate

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Anno 2205 Benchmarks: 900.000 Einwohner halbieren die Framerate

Wer kennt das nicht: Das neue Aufbaustrategiespiel läuft auf dem heimischen PC zunächst super – zumindest die ersten paar Stunden. Dann fängt es plötzlich an immer zäher zu werden und irgendwann stockt das Spiel plötzlich. Der Grund: Mit fortschreitender Spielzeit wird bei solchen Titeln die Spielwelt immer größer, die Bevölkerung nimmt zu und damit steigen auch die Anforderungen an die Hardware des PCs immens an.

Ein potenzielles Spiel mit diesem Problem ist Anno 2205. Sämtliche im Internet veröffentlichen Benchmarks – so auch die von ComputerBase – sind aus Zeitgründen mit kleinen Städten und wenigen Einwohnern entstanden, die man jedoch bereits nach wenigen Spielstunden bei Weitem übertrifft. Der Anno-Fan ist deshalb wieder im Ungewissen und fragt sich, ob der eigene Rechner auch dafür ausreichen wird.

Diese Ungewissheit möchte ComputerBase ausräumen, weshalb aufgrund des sehr großen Interesses am Benchmark-Artikel zu Anno 2205 nun ein Test folgt, der sich genau mit dieser Problematik beschäftigt: Wie läuft Anno 2205 nach zahlreichen Stunden Spielzeit mit großen Städten und vielen Einwohnern? Mit der Hilfe der Community wird die Frage in diesem Artikel geklärt.

Die Testreihen

Computerbase hat für diesen Artikel mehrere Spielstände mit einer unterschiedlich hohen Bevölkerungszahl aus der Community erhalten. Ein Dank dafür gebührt den Lesern Andreas, Johannes, Hisn und Der Vengeance. Natürlich unterscheiden sich die Testszenen deshalb deutlich voneinander, sie erlauben trotz der bedingten Vergleichbarkeit aber dennoch einen Rückschluss darauf, ob die Einwohnerzahl die Leistung reduziert und stehen stellvertretend für die entsprechende Bevölkerungszahl und Spieldauer. Für die Benchmarks wurde jeweils auf die anspruchsvollste Stelle im Savegame zurückgegriffen.

Während die ursprüngliche ComputerBase-Testszene in Anno 2205 gerade einmal 2.500 Einwohner zählt, sind es bei der nächstgrößeren Testszene in diesem Test bereits 43.000. Die anderen Spielstände zeigen sogar Welten mit 76.500, 295.000 und zu guter Letzt 900.000 Einwohnern. Bei dem letzten Spielstand sind mit der gemäßigten Zone, der Arktis und dem Mond alle drei Welten aktiv und bewohnt.

Alle Tests sind auf dem Grafikkarten-Testsystem durchgeführt worden. Der verlinkte Artikel enthält die anliegenden Taktraten der Grafikkarten. Als Betriebssystem ist Windows 10 installiert. Die genutzten Treiber sind der Catalyst 15.10 sowie der GeForce 358.50. Für die Benchmarks sind die maximalen Grafikdetails ausgewählt, wobei jedoch die Kantenglättung auf 2×MSAA und die Option Shader-Qualität auf „Sehr Hoch“ reduziert ist. Denn beides bringt einen sehr hohen Geschwindigkeitsschub, ohne die Grafikqualität allzu sehr zu reduzieren.

Grafikkarten-Benchmarks

Die Benchmarks in 1.920 × 1.080 verdeutlichen zwei Dinge: Mit steigernder Einwohnerzahl und damit längerer Spielzeit läuft auch Anno 2205 wie viele andere Aufbauspiele teils deutlich langsamer als zu Beginn. Während andere Titel nach einiger Zeit aber fast ausschließlich CPU-limitiert werden, ist dies bei Anno 2205 nicht der Fall. Auch nach etlichen Stunden Spielzeit spielt immer noch die Grafikkarte die Hauptrolle. So beträgt der Abstand von der schnellsten Grafikkarte, der GeForce GTX 980 Ti, zum zweitschnellsten Modell, der Radeon R9 Fury X, auch bei 900.000 Einwohner immer noch sehr hohe 40 Prozent – und damit nur sechs Prozent weniger als bei dem ursprünglichen ComputerBase-Testszenario mit lediglich 2.500 Einwohnern.

Für eine bessere Übersicht können durch Klicken auf die Bezeichnungen einzelne Grafikkarten ausgeblendet werden.

Auf allen Grafikkarten reduziert sich die Performance mit einer steigenden Einwohnerzahl deutlich. Bei der GeForce GTX 980 Ti reduziert sich die Framerate beispielsweise von 102 Bildern pro Sekunde bei 2.500 Einwohnern auf fast die Hälfte, nämlich 55 FPS, bei 900.000 Einwohnern. Beim langsamsten sich im Test vertretenen 3D-Beschleuniger sieht es gar noch schlimmer aus: Die GeForce GTX 770 kommt bei sehr vielen Einwohnern nur noch auf 17 anstatt 39,1 FPS. Und auch im Lager von AMD zeigt sich dieses Bild. Die beliebte Radeon R9 390 kommt im kleinsten Speicherstand noch auf zügige 51,1 Bilder pro Sekunde, von denen später aber nur noch 26 FPS übrig bleiben – erneut reduziert sich die Framerate um rund die Hälfte.

Die Speicherstände zeigen schnell auf, dass Grafikkarten, die bei wenigen Einwohnern in Anno 2205 noch ein flüssiges Spielen ermöglichen, dies zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise nicht mehr schaffen. Die Radeon R9 280X kommt zu Beginn zum Beispiel auf 43,5 FPS, erreicht später aber nur noch ruckelige 23,5 FPS. Bei Nvidia gilt dies hingegen zum Beispiel für die GeForce GTX 960: Aus 49 FPS werden 26 FPS. Der stärkste Einbruch der Leistung erfolgt unabhängig vom Hersteller beim Schritt von 76.000 auf 295.000 Einwohner. Während der Spielstand mit 76.000 Einwohnern die GeForce GTX 960 nur um acht Bilder auf immer noch flüssige 41 FPS verlangsamt, reduziert sich beim nächsten Spielstand mit 295.000 Einwohnern die Geschwindigkeit um weitere zwölf FPS auf nicht mehr optimale 29 Bilder pro Sekunde.

Auch wenn Anno 2205 als Aufbaustrategiespiel keine hohen Frameraten benötigt und 30 FPS somit anders als bei anderen Spielen zwar nicht mehr optimal, aber immer noch spielbar sind, verlieren zahlreiche Grafikkarten das Prädikat „spielbar“ mit steigender Spielzeit. Während alle acht 3D-Beschleuniger zu Beginn noch ein flüssiges Spiel auf den Bildschirm zaubern, ermöglichen dies zu einem (viel) späteren Zeitpunkt bereits in Full HD nur noch die GeForce GTX 980 Ti, die Radeon R9 Fury X und die GeForce GTX 970. Die Radeon R9 390 und die GeForce GTX 960 erzeugen gerade noch spielbare Werte, doch alle anderen 3D-Beschleuniger liefern nur noch ein ruckeliges Bild. Beim Spielstand mit 76.000 Einwohnern liegen dagegen alle Grafikkarten noch im grünen Bereich.

Anno 2205
Anno 2205

In den höheren Auflösungen bleiben zwar die Abstände zwischen den einzelnen Grafikkarten annähernd identisch, die Frameraten fallen aber noch einmal deutlich niedriger aus. In 2.560 × 1.440 knackt bei 900.000 Einwohner dann nur noch die GeForce GTX 980 Ti die 40-FPS-Marke. Nur die AMD Radeon R9 Fury X kommt darüber hinaus mit Ach und Krach noch über 30 FPS, alle anderen Karten liegen darunter. Die Radeon R9 390, die bei einem früheren Spielstand mit weniger Einwohnern in dieser Auflösung noch spielbare Werte erreicht, erzeugt nur noch ein unspielbares Erlebnis. In 3.840 × 2.160 kommt dann selbst die GeForce GTX 980 Ti mit 23 FPS nicht mehr auf spielbare Ergebnisse. Im Late Game sollten in Ultra HD deshalb unabhängig von der Grafikkarte die Grafikdetails reduziert werden.

Prozessor-Benchmarks

Während Aufbaustrategiespiele normalerweise den Ruf haben, nach längerer Spielzeit immer CPU-limitierter zu werden, zeigt Anno 2205, dass es auch gänzlich anders geht. Denn je größer die Spielwelt in dem Blue-Byte-Titel wird, desto höher werden die Anforderungen an die Grafikkarte, während der Prozessor noch unwichtiger als ohnehin schon wird.

Liegt die Differenz zwischen der langsamsten und der schnellsten Prozessorkonfiguration auf der GeForce GTX 980 Ti bei 2.500 Einwohnern in 1.920 × 1.080 noch bei 17 Prozent, beträgt sie bei 900.00 Einwohnern nur noch marginale drei Prozent. Es muss allerdings angemerkt werden, dass die CPU bei nur noch zwei aktiven Kernen ohne Hyper Threading zwar die genannte Framerate erreicht, das Bild beim Scrollen jedoch anfängt zu ruckeln – was bei allen anderen CPU-Szenarien nicht passiert.

Auf der Radeon R9 Fury X und damit auch auf sämtlichen anderen AMD-Beschleunigern ist es völlig gleichgültig, welcher Prozessor eingesetzt wird. Auch dort ruckelt die Zwei-Kern-Variante beim Scrollen, alle anderen Prozessoren liefern jedoch exakt dieselbe Performance. In Anno 2205 ist es also auch im Late Game nicht wichtig, welcher Prozessor verbaut ist.

Fazit

Anno 2205 benötigt bei hoher Grafikqualität einen sehr schnellen PC, sieht dabei aber auch sehr gut aus. Im Late Game steigen die Anforderungen noch einmal massiv an, wie die Benchmarks in diesem Test gezeigt haben. Die erzielte Performance weicht deutlich von den Frameraten in der Startphase ab. Es wird durchschnittlich nur noch rund die Hälfte der ursprünglichen Geschwindigkeit erreicht.

Überraschend ist dabei, dass Anno 2205 auch bei fast einer Million Einwohner keinen Wert auf den Prozessor legt, sondern die Grafikkarte dann nur um so mehr belastet – selbst in niedrigen Auflösungen wie Full HD. Das geht so weit, dass man im Late Game selbst in Full HD eine sehr schnelle Grafikkarte benötigt, während die CPU weiter Däumchen dreht.

Schlussendlich werden viele Anno-2205-Spieler entweder die Grafikdetails bereits von Beginn an spürbar reduzieren oder alternativ im Laufe des Spielgeschehens an der Optionsschraube drehen müssen. Besitzer einer langsameren oder einer älteren Grafikkarte werden, selbst wenn das Spiel zu Beginn flüssig läuft, ansonsten im weiteren Verlauf deutliche Leistungseinbußen feststellen und gegebenenfalls mit nicht mehr flüssigen Frameraten konfrontiert.

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