GeForce GTX 1080 im Test: Ein Paukenschlag in 16 nm mit 1,8 GHz und GDDR5X

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Wolfgang Andermahr
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GPU-Boost 3.0 und neue SLI-Brücken

Pascal kommt mit der Turbo-Funktion GPU Boost 3.0 daher. Neu daran ist, dass sich Taktraten für spezifische GPU-Spannungen festlegen lassen. Bisher ging das nicht: Wer zum Beispiel eine Maxwell-GPU übertakten wollte, musste über sämtliche Spannungsstufen einen Takt-Offset verschieben. Taktet die GPU bei einer Spannung von 1,2 Volt zum Beispiel mit 1.000 MHz und der Offset ist auf +100 MHz gestellt, arbeitet die GPU dann mit 1.100 MHz. Und das zieht sich bei allen Spannungsstufen durch. Das hat zur Folge, dass vor allem bei geringeren Spannungen viel Taktpotenzial verloren geht.

GPU-Boost 3.0 richtet sich an die Enthusiasten beim Übertakten

GPU Boost 3.0 ändert das und führt zu diesem Zweck „Per Voltage Point Frequency Offset“ ein. Darüber lässt sich für jede Spannungsstufe das Takt-Offset einzeln festlegen. Dadurch soll die anliegende Taktrate bei jeder Spannungsstufe immer möglichst nahe am maximal möglichen Takt liegen. Angepasste Tools – wie in Kürze EVGA Precision X – werden drei verschiedene Einstellungen aufweisen, um eine Pascal-Grafikkarte zu übertakten.

Es wird einerseits weiterhin das klassische Übertakten mit Hilfe eines einzelnen Offset-Wertes für alle Spannungsstufen geben. Neu ist ein linearer Modus, bei dem Anwender einen Offset für hohe und einen für niedrige Spannungen angeben und dann automatisch eine lineare Kurve erstellt wird. Im neuen manuellen Modus hat der Anwender hingegen vollständig freie Hand.

Zumindest Precision X wird darüber hinaus auch einen automatischen Modus bieten, der für die eigene Grafikkarte den maximalen Takt für jede Spannungsstufe automatisch heraus findet. Dessen Entwicklung soll allerdings noch etwas Zeit benötigen. GPU Boost 3.0 soll auch noch weitere Änderungen am Turbo-Verhalten vornehmen. Welche genau, will Nvidia aber nicht verraten.

Neue SLI-Brücken für mehr Leistung

Mit der GeForce GTX 1080 halten auch neue SLI-Brücken Einzug. Die Grafikkarte wird zwar auch noch die alten Derivate unterstützen, soll aber nur mit den neuen Brücken die maximale Leistung erzielen können. Die neuen nutzen auch schon im SLI-Betrieb mit zwei Grafikkarte beide SLI-Anschlüsse des 3D-Beschleunigers und können damit auf eine erhöhte Bandbreite zurück greifen.

Laut Nvidia sei dies vor allem für höhere Auflösungen ab 3.840 × 2.160 und höher von Vorteil und sich vor allem in konstanteren Frametimes bemerkbar machen.

Die neuen Brücken arbeiten in jedem Fall mit 650 MHz, die alten dagegen in der Regel nur mit 400 MHz. Ältere Brücken, die ebenfalls mit der höheren Taktrate zurecht kommen, sollen für die höhere Frequenz von Pascal freigeschaltet werden. Die neuen Modelle tragen die Bezeichnung „SLI HB“ (High Bandwith) und werden etwa 40 US-Dollar kosten.

Mehr als zwei Grafikkarten werden unterstützt, aber nicht empfohlen

In einem Atemzug wendet sich Nvidia damit von 3-Way- und 4-Way-SLI ab – die neuen Brücken erlauben eine solche Konfiguration nicht mehr und weil der Treiber die Option nicht mehr bieten wird, helfen auch alte Brücken ohne Eingriff nicht mehr weiter. Der Hersteller zollt der schlechten Unterstützung dieser Funktion in Spielen Tribut.

Wenn dennoch 3-Way- oder 4-Way-SLI nutzen möchte, muss sich bei Nvidia einen spezielles Registry-Key erstellen lassen und diesen nach der Treiberinstallation ausführen.

Neuste Anschlussstandards und viel HDR

Auch bei den Video-Engines hat Nvidia Änderungen vorgenommen. Der GP104 zündet die nächste Ausbaustufe nach dem GM206. So kann der GP104 4K-Videos mit 60 FPS im HEVC-Codec (H.265) decodieren, die mit einer Farbtiefe von zehn sowie zwölf Bit (für HDR) vorliegen. Die GPU kann zudem 4K-Videos mit 60 FPS im HEVC-Codec mit zehn Bit encodieren (für HDR-Aufnahmen und HDR-Streaming).

GeForce GTX 980
(GM204)
GeForce GTX 950
(GM206)
GeForce GTX 1080
(GP104)
H.264 Encode Ja Ja Ja
HEVC Encode Ja Ja Ja
10-Bit HEVC Encode Nein Ja Ja
H.264 Decode Ja Ja Ja
HEVC Decode Nein Ja Ja
VP9 Decode Nein Ja Ja
MPEG2 Decode Ja Ja Ja
10-Bit HEVC Decode Nein Ja Ja
12-Bit HEVC Decode Nein Nein Ja

Mit DisplayPort 1.4 und HDMI 2.0b unterstützt Pascal modernste Anschlüsse

Als Standard für Monitorausgänge werden HDMI 2.0b sowie DisplayPort 1.4 (bis DP 1.2 zertifiziert, DP 1.3 und DP 1.4 „ready“) unterstützt. Über DisplayPort 1.4 können HDR-Metadaten übertragen werden, um neben aktuellen HDR-Standards wie BT.2020 auch mit zukünftigen Standards umgehen zu können. Die Display-Engine unterstützt zudem „PlayReady 3.0“, was zur Wiedergabe von 4K-Streaming-Inhalten wie zum Beispiel über Netflix notwendig ist.

Über den DisplayPort-Ausgang können Monitore mit bis zu 7.680 × 4.320 Pixeln mit HDR bei 60 Hz angesteuert werden. 120 Hz sind bei 3.840 × 2.160-Displays mit HDR noch möglich. Der HDMI-2.0b-Anschluss unterstützt HDCP in der Version 2.2.