Kommentar : DirectX 12 hakt an allen Ecken und Kanten

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Wolfgang Andermahr

Ich war euphorisch, als Microsoft vor mittlerweile zweieinhalb Jahren mit DirectX 12 eine Low-Level-API für Windows ankündigte. Zumal sowohl AMD als auch Nvidia von Anfang an ihre Unterstützung bekannt gaben. Mit so einer API sollte sich vieles für PC-Spieler zum Positiven wenden. AMDs eigene Lösung Mantle hatte vorgemacht, wie das geht.

Heute, zweieinhalb Jahre später, gibt es rund zehn verfügbare DirectX-12-Spiele, mehr sind angekündigt. Zu wenig? Beim Blick auf das, was bisher geliefert wurde, lautet die klare Antwort: nein.

DirectX 12 ist bisher ein Trauerspiel

Denn was die bisher veröffentlichten Spiele im Durchschnitt abliefern, das enttäuscht. In vielen Fällen bleibt DirectX 11 die schnellere, in den meisten Fällen die deutlich problemlosere API. Nur bei wenigen, teils exotischen CPU/GPU-Konfigurationen ist die neue API die bessere. Auf den meisten Rechnern ist sie hingegen die schlechtere Wahl.

Erschreckende Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit: Im neuen Deus Ex: Mankind Divided gibt es nach dem ersten Patch offensichtlich sogar für niemanden einen Grund zum Wechsel; „ein Fehler“, soll dafür verantwortlich sein. Und die Entwickler von Quantum Break haben im Vorfeld der Veröffentlichung der DirectX-11-Version jüngst betont, dass sie mit DirectX 11 mehr Erfahrung als mit DirectX 12 hätten. Für mich heißt das, das Downgrade wird besser laufen.

Was ist das Problem?

In Gesprächen mit Herstellern und Entwicklern höre ich zwei Geschichten. Zum einen, dass DirectX 12 zu früh veröffentlicht wurde, ohne fertig zu sein. Zum anderen, dass die richtige Programmierung „am Treiber vorbei“ verdammt schwierig sei. Es fehlt an Erfahrung, auch die hätte mehr Zeit gebraucht.

Dazu passt, dass beim bisherigen DirectX-12-Vorzeigetitel Ashes of the Singularity mit Dan Baker einer an der Technikspitze steht, der früher selbst für Microsoft an DirectX gearbeitet hat. Und id Software sich für Doom mit der Konkurrenz-API Vulkan gutes Technik-Personal von Crytek geholt hat. Das lässt auch auf Battlefield 1 hoffen, denn mit Dice und Johan Andersson sitzen auch dort Programmierer, die aktuell zur Speerspitze gehören. Zumal Andersson mit AMD die Mantle-API und damit die Geburtsstunde der Low-Level-APIs für den PC eingeläutet hat.

Mehr Schaden als Nutzen

Um Erfahrungen mit der API zu machen, sollen sich die Entwickler ruhig austoben. Aber die Versuche sollten sich auf interne Versionen beschränken und nicht öffentlich mit theoretischen Vorteilen beworben werden. So lässt DirectX 12 aktuell nur enttäuschte Gesichter zurück, während die Hoffnung auf den Siegeszug auch dieser Low-Level-API von wenigen Ausnahmen und Vulkans Vorstellung in Doom getrieben wird.

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