Zeitlupe: Sony Xperia XZ Premium und 960-FPS-Kamera ausprobiert

Nicolas La Rocco 53 Kommentare
Zeitlupe: Sony Xperia XZ Premium und 960-FPS-Kamera ausprobiert

Die neue 960-FPS-Kamera des Xperia XZ Premium und Xperia XZs ist das diesjährige Highlight der Sony-Pressekonferenz zum MWC 2017. ComputerBase konnte das Xperia XZ Premium nach der Präsentation ausprobieren und weitere Informationen zu dem Smartphone einholen. Das 4K-Display nutzt diesen Modus wieder nicht durchgängig.

Neuer Sensor mit DRAM ist vorerst exklusiv für Sony

Sony verbaut seinen neuen High-End-Sensor im Xperia XZ Premium und Xperia XZs. Diesen exklusiven Status will Sony auch für eine gewisse Zeit beibehalten, der Sensor soll nicht sofort auch anderen Smartphone-Herstellern angeboten werden, dieser Schritt sei erst für die Zukunft geplant, sagte Sony im Gespräch mit ComputerBase.

DRAM im Sensor speichert Super-Zeitlupe

Die neue 960-FPS-Zeitlupe ist kein Kamera-Modus, der dauerhaft für unbegrenzte Zeit verwendet werden kann. Er ist eine Option über die normale Zeitlupe hinaus, die beim Schießen von Videos kurzzeitig zugeschaltet werden kann. Diese Einschränkung besteht deshalb, weil die 960-FPS-Zeitlupe im 125 Megabyte großen DRAM-Zwischenspeicher direkt im Sensor gebuffert und anschließend im Speicher des Smartphones abgespeichert wird. Ist dieser Sensor-interne Speicher voll, stoppt die Aufnahme mit 960 FPS und das Smartphone setzt mit der parallel durchgeführten, am DRAM vorbei geleiteten normalen Videoaufnahme fort. Sobald der Buffer im Sensor geleert wurde, kann der Anwender wieder eine neue 960-FPS starten.

Das Ergebnis ist ein Video, das an den jeweils aktivierten Stellen verlangsamt und die 960-FPS-Zeitlupe mit 30 FPS wiedergibt. Der Übergang zwischen normalem Video und eingefügten Sequenzen ist nicht durch einen Schnitt erkennbar, jedoch in puncto Bildqualität sichtbar. Denn Sonys Superzeitlupe wird nicht einfach nur im 4K- oder Full-HD-Modus der Videokamera zugeschaltet, sondern ist ein eigenständiger Modus, der auf den in Barcelona ausgestellten Geräten nur mit 720p arbeitet, obwohl Sonys Halbleiter-Sparte den Sensor mit 960 FPS bei 1.080p spezifiziert.

Wenig Licht pro Frame

Da bei 960 FPS für jeden Frame nur sehr wenig Licht auf den Sensor trifft, erhöht Sony den ISO-Wert, was zu sichtbarem Rauschen führt, das bei normalen Videoaufnahmen nicht sichtbar ist. Sony empfiehlt, die Zeitlupe bei sehr guter Ausleuchtung oder bei Sonnenschein unter freiem Himmel zu verwenden. Das Endergebnis einer 960-FPS-Aufnahme ist aber trotz kleinerer Einschränkungen bei der Bildqualität beeindruckend.

Android-Oberfläche wird nicht in 4K gerendert

Die zweite große Neuerung des Xperia XZ Premium ist das 4K-Display mit HDR-Unterstützung. Die Android-Oberfläche selbst wird wie auf dem Xperia Z5 Premium nicht in 4K gerendert, sondern von Full HD mit dem Faktor vier auf das Display skaliert. Erst wenn sich der Anwender in der Video-App ein 4K-Video oder in der Galerie ein Foto anschaut, wird zur nativen Darstellung ohne Upscaling gewechselt. Sony begründet dies mit einem reduzierten Energieverbrauch während der täglichen Nutzung. Auch HDR ist immer nur dann eingeschaltet, wenn es bei einem Video auch genutzt wird. Das kann entweder bei HDR-Inhalten von Amazon sowie über YouTube abgerufenen Videos der Fall sein oder aber auch bei selbst mit dem Xperia geschossenen 4K-HDR-Filmen.

Der Marktstart des Xperia XZ Premium ist laut Pressemitteilung für Juni geplant, vor Ort auf der Messe wurde aber auch Ende Mai in Aussicht gestellt. Dennoch sind es noch mindestens drei Monate bis zur Markteinführung des Smartphones, und im September könnte zur IFA potenziell schon wieder das nächste Flaggschiff anstehen.

Snapdragon 835 könnte für späten Marktstart verantwortlich sein

Da die neue Kamera auch im für April geplanten Xperia XZs verbaut wird, und beim Display zwar HDR neu ist, aber ein 4K-Panel auf 5,5 Zoll für Sony per se nicht neu ist, kommt als Verzögerungsgrund eigentlich nur der Snapdragon 835 infrage. Dass Qualcomms neuestes SoC auch nicht im LG G6 steckt, ist ein weiteres Indiz dafür, dass sich tatsächlich Samsung die erste Charge des Prozessors gesichert hat. Für LG wäre das SoC zu spät verfügbar gewesen, und Sony will den neuen Chip wohl unbedingt für das Xperia XZ Premium haben und muss deshalb warten, bis er in größeren Stückzahlen verfügbar ist. Denn in den Ausstellern steckt der Snapdragon 835 bereits.

Sony trumpft mit technisch interessanten Lösungen auf

Der technische Ersteindruck zum Xperia XZ Premium fällt trotz des ein oder anderen Problems, die dem Entwicklungsstand der der Presse gezeigten Prototypen zuzuordnen ist, sehr gut aus. Hinsichtlich der Verarbeitung ist den Geräten der Prototypenstatus nicht anzumerken, ab und zu stürzen die unfertigen Smartphones aber noch mitten im Betrieb ab. Ein echter Hingucker ist wieder die Farbe Chrom, aber auch Schwarz sieht gut aus. Der unverbindliche Preis fällt mit 749 Euro gemessen an den Features fair aus.

Sony Xperia XZ Premium Sony Xperia XZs
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1
Display: 5,50 Zoll
2.160 × 3.840, 801 ppi
TFT, HDR, Gorilla Glass 5
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
TFT, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 820
2 × Kryo, 2,15 GHz
2 × Kryo, 1,59 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540 Adreno 530
624 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 GB (+microSD) 32 GB (+microSD)
Kamera: 19,0 MP, 2160p
LED, AF
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 13,0 MP, 1080p
AF
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
Bluetooth: 4.2
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 3.230 mAh
fest verbaut
2.900 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 77,0 × 156,0 × 7,90 mm 72,8 × 146,0 × 8,10 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 195 g 161 g
Preis: 749 € 649 €