AMD Ryzen 7 1800X, 1700X, 1700 im Test: König in Anwendungen, Prinz in Spielen 8/8

Volker Rißka et al. 4.632 Kommentare

Fazit

Die drei ersten Ryzen 7 von AMD hinterlassen einen positiven Gesamteindruck, dennoch ist ein eindeutiges und allumfassendes Fazit zu ziehen und eine Empfehlung auszusprechen auch selten so schwer gewesen wie heute. In Anwendungen können die drei neuen Prozessoren dank der erstmaligen Nutzung von SMT im Hause AMD und somit insgesamt 16 Threads den Platzhirschen Intel mächtig unter Druck setzen und bieten für gleiches Geld (deutlich) mehr Leistung. Doch bei Spielen gelingt das nicht, dort bleibt oft nur das Duell gegen die günstigeren Kaby-Lake-Prozessoren und oft geht es nicht zu Gunsten von AMD aus. Ein allgemeines Fazit ist damit unmöglich, die CPUs müssen differenziert nach Einsatzzweck betrachtet werden.

Ryzen 7 im Test: Drei CPUs, Mainboards und schneller DDR4-Speicher
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Ryzen 7 ist in Anwendungen ein König

16 Threads, die machen Dampf! So schaffen es die drei Neulinge in vielen Tests ganz oben mitzumischen. Wenn alles sehr gut läuft, fängt der Ryzen 7 1800X sogar Intels Zehn-Kern-Prozessor Core i7-6950X ab. Unterm Strich ist es die Paradedisziplin der Ryzen-7-Prozessoren, was sich neben dem Einsatz in Windows auch direkt in Linux zeigt, wenngleich es seltene Fälle gibt, in denen die sehr hohe Leistung etwas einbricht und auf das Mainstream-Niveau von Intels Core i7 und Core i5 (Kaby Lake) zurückfällt. Für den von AMD aufgerufenen Preis ist Ryzen in Anwendungen aber ganz klar die erwartete Kampfansage und der Server-Ableger Naples mit 32 Kernen dürfte Intel in Kürze noch auf ganz anderen Gebieten ordentlich Konkurrenz machen.

In Spielen aber nur ein Prinz

In den Spiele-Benchmarks mit Full HD zeigt sich Ryzen im Vergleich zum Core i7-6900K im Durchschnitt auf den ersten Blick vergleichbar souverän, die Detailansicht offenbart aber ein durchwachsenes Bild. Ryzen kann deutlich seltener einen Vorteil gegenüber dem Core i7-7700K erzielen als Broadwell-E und während Intels 8-Kern-CPU nie schlechter dasteht, ist das bei Ryzen immer mal wieder eindeutig der Fall. Im Ergebnis liegt der Core i7-7700K in Spielen vor AMDs neuem Topmodell.

Der Wechsel auf die noch weniger die Grafikkarte fordernde Auflösung HD lässt den Rückstand anwachsen: Der Intel Core i7-6900K liegt mit durchschnittlich 20 Prozent Vorsprung doppelt so stark wie in Anwendungen in Führung. Und in der Spitze sind es bis zu 40 Prozentpunkte Unterschied. Eine klare Linie ist dabei nicht zu erkennen. Mal profitiert auch Ryzen, wenn Broadwell-E gegenüber Kaby Lake zulegt, mal ist genau das Gegenteil der Fall. Am Quad-Channel-Interface, das hat ComputerBase dieses Mal separat überprüft, liegt das nicht. Und vom Abschalten der virtuellen Kerne profitiert Broadwell-E mindestens genauso gut. Die Vermutung liegt nahe, dass der L3-Cache eine Rolle spielt, bestätigt ist das aber nicht.

In Spielen bleibt Kaby Lake vorne

Das Fazit für Spieler fällt damit ganz anders aus als für Anwender, die viel CPU-Leistung in Anwendungen suchen. Denn der günstigere Core i7-7700K ist im Durchschnitt zurzeit nicht nur geringfügig schneller, in einigen Benchmarks fällt Ryzen auch deutlich zurück. In einem Spiele-Rechner stellt in der Regel zwar eher die Grafikkarte und nicht der Prozessor den Flaschenhals dar, bezogen auf die reine CPU-Leistung fehlt es AMDs 8-Kern-Prozessoren in Spielen aber derzeit an einem schlagkräftigen Argument, das den Aufpreis gegenüber Kaby Lake rechtfertigt: Wer eine CPU für aktuelle Spiele sucht und nicht das letzte Bisschen Leistung in Anwendungen will, greift zu Kaby Lake. Und das ist für die Redaktion die Überraschung nach einer Woche Testarbeit.

Darauf, dass neue BIOS-Versionen nochmals deutlich mehr Leistung in (den „betroffenen“) Spielen freischalten können werden, sollten sich Spieler ebenso wenig verlassen wie auf zukünftig noch größere Vorteile von Mehr-Kern- (oder Mehr-Cache-)CPUs in Spielen. Nach aktuellem Kenntnisstand profitiert davon eher Broadwell-E, nicht aber Ryzen. Was die genaue Ursache ist, gilt es über die nächsten Tage und Wochen aber noch zu klären. Die internationale Presse hatte im Vorfeld der Veröffentlichung keine plausible Antwort parat.

Welchen AMD Ryzen R7 kaufen?

Der Ryzen R7 1800X ist zwar der schnellste, aber auch der teuerste neue Prozessor. Wie üblich muss das letzte Fünkchen Leistung mit einem deutlichen Aufpreis und gestiegener Leistungsaufnahme bezahlt werden, auch ist der Overclocking-Spielraum ein deutlich geringerer. Der Blick zum Ryzen 7 1700X macht das mehr als deutlich: Nur 4 bis 5 Prozent weniger Leistung, dafür ein um 120 Euro geringerer Preis, eine geringere Leistungsaufnahme und beim Overclocking die gleichen Möglichkeiten wie mit dem 1800X. Der 1800X erinnert an die AMD Radeon RX480: Sehr scharf auf Kante genäht, die RX470 ist das insgesamt deutlich rundere Modell – wie hier und heute der 1700X.

AMD Ryzen 7 1800X, 1700X und 1700 im Test
AMD Ryzen 7 1800X, 1700X und 1700 im Test

Die Empfehlung ist der (übertaktete) Ryzen 7 1700

Noch eine Stufe in der Rangordnung dahinter steht der Ryzen 7 1700. Er besticht durch einen sehr guten Preis auf Niveau des Intel Core i7-7700K, allerdings wurde dafür der Takt deutlicher nach unten angepasst. Die 16 Threads helfen auch da in Anwendungen sehr und schieben ihn vor Intels CPU, doch in nicht so gut parallelisierten Anwendungen und auch bei Spielen wird der Rückstand ein wenig größer. Nur 3,2 GHz sind mitunter doch zu wenig, um überall gegen Kaby Lake bei 4,4 GHz zu bestehen. Und so steht das Modell am Ende auch ein wenig zwischen den Stühlen – ist aber insbesondere für die interessant, die in jedem Fall übertakten wollen. Denn die Leistung des 1700X ist in wohl fast allen Fällen spielend möglich, von dort ist es nur noch ein nahezu vernachlässigbarer Sprung bis zum 1800X. Für Anwender, die Übertakten in Betracht ziehen, ist der Ryzen 7 1700 das Modell der Wahl.

AMD ist zurück

Auch wenn Ryzen in Spielen nicht so stark wie in Anwendungen ist, steht am Ende dieses Tests fest: Auf den schwarzen Mittwoch bei Bulldozer folgt kein schwarzer Donnerstag. AMD ist zurück im Rennen, die neue AM4-Plattform ist – so denn die Probleme per BIOS beseitigt werden – auf der Höhe der Zeit. Spannend bleibt am Ende dieses Artikels der Ausblick auf Ryzen 5 und Ryzen 3: Mit vergleichbaren oder gar niedrigeren Taktraten aber weniger Kernen dürften es diese im 2. Quartal respektive 2. Halbjahr schwer gegen Intels Angebot haben.

Zum morgigen Freitag wird der ComputerBase-CPU-Benchmark-Artikel um die neuen AMD-Prozessoren ergänzt.

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