Kommentar: Ich glaube an „Windows RT 2.0“

Jan-Frederik Timm 96 Kommentare
Kommentar: Ich glaube an „Windows RT 2.0“
Bild: Microsoft
Jan-Frederik Timm

Windows 10 für ARM aus Basis der Snapdragon 835 Mobile PC Platform nimmt Form an. Doch noch bevor sich Software und Hardware beweisen konnten, wird der Ansatz auch von ComputerBase-Lesern als Totgeburt verschrien. Ich hingegen glaube an „Windows RT 2.0“.

Windows RT 2.0 Windows 10 für ARM

Das fängt mit dieser von vielen genutzten vermeintlich zutreffenden Bezeichnung an. Denn sie ist falsch. Mit der Möglichkeit, jede Win32-App auf Windows 10 für ARM zu emulieren, hat Microsoft der zweiten Generation die größte Einschränkung genommen. Mit dem Snapdragon 835 und nachfolgenden SoC steht darüber hinaus deutlich mehr Leistung zur Verfügung, als das vor fünf Jahren zu Zeiten des ersten Surface RT oder des Asus Vivo Tab RT mit Tegra-3-SoC der Fall gewesen ist. Die Anforderungen der gängigen Alltagsanwendungen und des Betriebssystems selbst sind hingegen nicht gestiegen. Auch das hakige Continuum auf dem Lumia 950 (XL) von Ende 2015 mit Windows 10 Mobile ist für mich kein Anlass zur Sorge, denn auch dessen SoC war langsamer und der Arbeitsspeicher mit 3 GB knapper bemessen.

Der neue Ansatz hat in meinen Augen also eine signifikant bessere Ausgangsposition, um die Vorteile der energieeffizienten ARM-Architektur wie Kompaktheit, Laufzeit und Kühlung mit den Möglichkeiten des vollständigen Desktop-Betriebssystems zu kombinieren. Und das LTE-Modem ist jetzt auch immer inklusive.

Natürlich wird ARM auch in Verbindung mit Windows 10 keine Workstation und auch kein Gaming-PC. Für die vielen Anwender, die ihren Alltag mit Notebook oder Tablet und hauptsächlich im Browser bestreiten, sehe ich aber eine interessante und potentiell kostengünstigere Alternative in ganz neuen Formfaktoren am Horizont.

Ein besseres Image muss her

Mit dem Aspekt kostengünstig könnte sich die Plattform allerdings vorerst selbst im Weg stehen, denn günstigere Alternativen zu niedrigeren Preispunkten mit weniger Marge klingen für Hersteller nur dann verlockend, wenn die Stückzahl stimmt. Und in Anbetracht der auch durch Windows RT 1.0 selbstverschuldeten Vorbehalte werden erste PCs mit Windows 10 und ARM keine Selbstläufer sein. Mit dem ominösen Surface Phone als „ultimatives mobiles Gerät“ dürfte Microsoft dieses Imageproblem aber versuchen anzugehen. Ich glaube, die Basis passt.

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