AMD Vega: Radeon Vega kommt Ende Juni, aber nicht für Spieler

Wolfgang Andermahr 552 Kommentare
AMD Vega: Radeon Vega kommt Ende Juni, aber nicht für Spieler

Raja Koduri, Chef der Radeon Technologies Group, hat auf dem FAD über die zukünftige Vega-GPU gesprochen. Und auch für Ende Juni ein erstes Produkt angekündigt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine High-End-Grafikkarte für Spieler – diese wird vermutlich erst im dritten Quartal folgen.

Die „Radeon Vega Frontier Edition“ – die mit der Bezeichnung kaum zufällig an Nvidias Founders Edition erinnert – richtet sich an professionelle Märkte und duelliert sich dort unter anderem mit Nvidias Tesla P100. So will AMD mit der Radeon Vega Frontier Edition schneller Deep-Learning-Anwendungen ausführen können als mit Nvidias P100. Im „DeepBench“-Benchmark soll die Vega-GPU alle anstehenden Rechenaufgaben in 88 Millisekunden erledigen, die Tesla P100 soll dafür 133 Millisekunden benötigen. Der Benchmark nutzt durchweg FP32 als Genauigkeit (Danke an den Leser Skamander für den Hinweis!)

13 TFLOPs und 16 GB HBM2 sind für die Frontier Edition bestätigt

AMD gibt die FP32-Leistung der Radeon Vega Frontier Edition mit ungefähr 13 Teraflops an. Das entspricht bei 4.096 ALUs einem Takt von 1.600 MHz. Genau diese Spezifikationen zeigte vor einigen Tagen ein Benchmark-Durchlauf des ComputeBench. Dies entspricht einem Plus von ziemlich genau 50 Prozent gegenüber der Radeon R9 Fury X. Die Performance mit halbierter Genauigkeit, FP16, gibt AMD wenig verwunderlich mit 25 Teraflops an. Warum es nicht genau der doppelte Wert ist, liegt vermutlich an einer Abrundung der genauen Zahl.

Ebenso bestätigt AMD einen 16 Gigabyte großen Speicher des Typs HBM2. Da die Vega-10-GPU über zwei Stacks verfügt, müssen entsprechend achtfach gestapelte Stacks verbaut sein. Als Bandbreite gibt AMD 480 Gigabyte in der Sekunde an, sodass der Speicher mit etwa 930 MHz laufen muss. Die 1.000 MHz, die HBM2 eigentlich schaffen soll, schafft damit auch die professionelle Vega-Karte nicht.

Raja Koduri hat die Radeon Vega Frontier Edition zudem einmal vor die Kamera gehalten. Zu sehen war ein Dual-Slot-Kühler mit einem Radiallüfter. Sowie ein Acht-Pin- und ein Sechs-Pin-Stromanschluss. Interessanterweise zeigt ein gerendertes Bild der AMD-Präsentation zwei Acht-Pin-Stromanschlüsse.

Auch wenn mit der Einführung Ende Juni das Versprechen gehalten hat, dass Vega im Laufe des zweiten Quartals erscheinen wird, warten viele Kunden von AMD auf die Spieler-Version der Radeon-RX-Serie – vermutlich Radeon RX Vega genannt. Auch wenn es auf dem FAD keine expliziten Informationen zu einer solchen Grafikkarte gegeben hat, hat AMD die Wichtigkeit des Enthusiasten-Marktes für AMD betont. Und auch das Ziel aufgerufen, dass Vega in der Ultra-HD-Auflösung die 60-FPS-Marke halten können soll.

Vega soll in Spielen 60 FPS in 3.840 × 2.160 anvisieren

Dies hat AMD anhand von Sniper Elite gezeigt, das in der Testszene unter der DirectX-12-API mit 60 bis 70 FPS in 3.840 × 2.160 gelaufen ist. Dabei ist aber zu bedenken, dass der extrem kleine Ausschnitt des Spiels kaum eine Aussagekraft hat. In vor Monaten von ComputerBase erstellten Benchmarks würde die Grafikkarte in etwa auf dem Niveau einer GeForce GTX 1080 Ti liegen. Dies kann sich aber je nach Testszene (in beide Richtungen) ändern.

Zudem hat AMD den Nutzen des in die GPU integrierten High-Bandwidth-Cache-Controllers gezeigt. Rise of the Tomb Raider zeigte mit dem Feature vor allem deutlich bessere Minimum-FPS-Werte als ohne; 13,7 FPS zu 46,5 FPS lautet das Ergebnis. Für den Test hat AMD den zur Verfügung stehenden Speicher auf der Vega-Grafikkarte auf 2.048 MB beschränkt. Es wird also ein Szenario gezeigt, wo der Grafik-Speicher nicht mehr ausreichend ist. Laut AMD sollen die Minimum-FPS in Spielen dann um den Faktor zwei bis drei besser als ohne den HBCC ausfallen können.

Ein weiteres interessantes Detail hat AMD noch verraten: So will man auch der Vega-Grafikkarte für Spieler eine hohe FP16-Leistung zur Verfügung stellen. Anders als Nvidia will AMD die FP16-Performance also vermutlich nicht einbremsen. Dies soll sich in zukünftigen Spielen positiv auf die Geschwindigkeit auswirken können.

Wann Vega für den Spieler-PC erscheinen wird, bleibt ein Geheimnis

Die große Frage, wann die Radeon RX Vega für den Desktop-Spiele-PC erscheinen wird und wie diese aussehen wird, bleibt weiterhin ein Geheimnis. Mit der exklusiven Ankündigung der Radeon Vega Frontier Edition ist jedoch nicht mehr damit zu rechnen, dass dies noch im Juni geschehen wird. Vermutlich wird es die Grafikkarten erst im dritten Quartal zu kaufen geben.

Genauere Informationen zur Vega-Architektur und deren wichtigsten Änderungen hat ComputerBase in einem separaten Artikel zusammen gefasst.

Update 19.05.2017 07:24 Uhr

In einem AMA auf Reddit hat der Chef der AMD-Grafiksparte Koduri einige Fragen beantwortet. Die wichtigste für Gamer direkt vorab: Zur Computex 2017 wird die Karte gezeigt, aber nicht vorgestellt. Spieler sollten doch auf die „lower-priced, gaming-optimized Radeon RX Vega graphics card“ noch „just a little while longer“ warten.

Zudem soll die Radeon RX Vega am Ende leicht schneller sein als die Frontier Edition. Diese hat zudem nun doch zwei Acht-Pin-Stromstecker, die Vorserienkarten hatten laut Kudori zu wenig Luft nach oben mit einem Sechs- und einem Acht-Pin-Anschluss, sodass dieses in der Serienfertigung korrigiert wird. Da die Gamer-Karte in bestimmten „flavors“ noch ein wenig schneller werden soll, ist auch dort nun eher von zwei Acht-Pin-Stromsteckern auszugehen. Gleichzeitig macht diese Beschreibung aber auch den Weg für weitere Varianten frei. Acht Gigabyte Speicher sind sicher, Karten mit 16 GByte für Gamer beantwortet Koduri mit einem diplomatischen „We will definitely look at that...

In weiteren Anmerkungen war zudem zu erkennen, dass es wirklich am HBM2-Speicher liegen könnte, der für die Verzögerung sorgt. AMD bestätigte die Verwendung von 2-Stack-HBM2 für die professionelle Vega-Karte, die daraus resultierenden 480 GByte pro Sekunde Speicherbandbreite sollen ausreichen.