waipu.tv: Aufnahme von ProSiebenSat.1 kehrt in Raten zurück

Jan-Frederik Timm 27 Kommentare
waipu.tv: Aufnahme von ProSiebenSat.1 kehrt in Raten zurück
Bild: Exaring AG

Der IPTV-Anbieter waipu.tv hat zur IFA 2017 die Rückkehr der Aufnahmefunktion bei Sendern der Gruppe ProSiebenSat.1 angekündigt. Aktuell können bereits rund 50 Prozent der Sendungen wieder aufgezeichnet werden. Der Anteil soll in Zukunft kontinuierlich größer werden. Mehr Cloud-Speicher für Aufnahmen gibt es auch.

Elf Monate war die Aufnahme untersagt

waipu.tv war Ende September 2016 als erster IPTV-Anbieter, der zur Bedienung ausschließlich auf Apps für Smartphones und Tablets setzt, gestartet. Aufnahmen von Kunden wurden in einem Rechenzentrum in Karlsruhe abgelegt, abgerufen wurden sie wie das Live-Programm über das Glasfasernetz der hinter waipu.tv stehenden Exaring AG. Kurz nach dem Start entzog die ProSiebenSat.1-Gruppe dem Anbieter aber die Erlaubnis zur Aufnahme wieder. Und das, obwohl die Sendergruppe das Angebot sogar noch vor dessen Start explizit beworben hatte.

Zu den genauen Hintergründen des Widerrufs hat sich Exaring nie geäußert. Es liegt allerdings nahe, dass die Ursache im Cloud-Charakter des Angebotes lag: Für jeden Anwender ist im Rechenzentrum eine eigene Kopie abgelegt, um sich auf das Recht an der Privatkopie berufen zu können. Offensichtlich gab es hier noch Klärungsbedarf.

Ein knappes Jahr nach dem Verbot ist die Aufnahme jetzt wieder freigeschaltet - allerdings nur bei rund 50 Prozent der ausgestrahlten Sendungen. Welche Sendung aufgenommen werden darf, das entscheidet die Sendergruppe.

Mehr Speicherplatz für direkt sichtbare Aufnahmen

Kunden, die Videos Aufzeichnen, haben für ihre Aufnahmen ab sofort mehr Platz zur Verfügung: Im Tarif Comfort für 4,99 Euro im Monat (nur SD) erhöht sich die Aufnahmedauer von 10 auf 25 Stunden, im Tarif Perfect für 14,99 Euro im Monat (öffentlich rechtliche in HD, Fire-TV-App) sind es nun 100 statt 50 Stunden. Bei waipu.tv bezieht sich das allerdings nur auf die Menge an Aufnahmen, die direkt abgerufen werden können, Kunden können letztendlich noch viel mehr aufnehmen. Um Aufnahmen anzusehen, die nicht mehr im Kontingent enthalten sind, müssen neuere Aufnahmen allerdings zuerst gelöscht werden.

YouTuber kommen ins Fernsehen

Ebenfalls ausgebaut wurde zur IFA 2017 die Kooperation mit dem YouTube-Vermarkter Mediakraft, der eine Auswahl an Beiträgen der unter Vertrag stehenden YouTuber in Zukunft auch über waipu.tv ausstrahlen wird. Ein Wechsel aus der App zu YouTube ist damit nicht mehr notwendig. Seit dem Frühjahr gab es bereits einen 24-Stunden-Kanal von Rocket Beans TV über die Plattform zu sehen. Die YouTuber versprechen sich von der Kooperation neue Zielgruppen sowie den Zugriff auf Finanzmittel für Fernsehwerbung.

Ein eigenes Glasfasernetz und personalisierte Werbung

Im Gegensatz zu anderen, nicht an einen Provider gebundenen IPTV-Anbietern nutzt waipu.tv für die Auslieferung der Streams ein dediziertes, 12.000 km umfassendes Glasfasernetz. Auf diesem Weg sollen die großen Knotenpunkte und deren hohe Auslastung in den Stoßzeiten umgangen und problemlos mehrere parallele HD-Streams möglich werden. Aktuell bietet waipu.tv selbst in den kostenpflichtigen Tarifen aber nur die öffentlich rechtlichen Sender in HD-Qualität an.

Vom Smartphone oder Tablet können bis zu vier Streams parallel an Fernseher mit Chromecast oder Fire TV Stick ausgeliefert werden, für Amazon Fire TV gibt es darüber hinaus eine App.

waipu.tv soll nicht nur Anwendern neue Möglichkeiten bieten. Teilnehmende Fernsehsender profitieren von der Infrastruktur perspektivisch über die Auslieferung personalisierter Fernsehwerbung. Bisher sind die so genannten Streuverluste in diesem Bereich vergleichsweise groß und auch der neue Dienst startet mit den auf allen Geräten gleich ausgestalteten Werbepausen. Später wird es Werbetreibenden aber möglich sein, Zuschauer auf Basis ihrer Interessen direkt anzusprechen. Entsprechend höhere Preise können die Sender für die Werbeminute verlangen.