Sharkoon PureWriter TKL im Test: Schokotaster machen Mechanik flach 2/2

Max Doll 55 Kommentare

Alltagserfahrungen: Schokolade macht Spaß

Angeboten wird die Tastatur mit Chocolate-Tastern der Typen Red und Blue; Brown soll folgen. Besonderheit der Technik ist der konsequente Flachbau, der sie von Standardtastern unterscheidet – die Modelle des Typs PG1350 sparen bei Tastergehäuse und Tastenkappen gut 50 Prozent dieser „Normhöhe“. Der Flachbau bedingt zwar andere Aufnahmen der Kappen, bringt zugleich aber einen stabileren Sitz ein. Auf der PureWriter haben die Tasterdeckel deshalb weniger Spiel, sie sitzen strammer.

Durch den Flachbau verringert sich parallel zur Höhe der Hub der Taster. Maximal können PG1350 drei Millimeter eingedrückt werden, ein Signal wird nach halber Wegstrecke ausgelöst. Hier kommt die Farbgebung ins Spiel: Rote Taster geben am Signalpunkt keine, braune eine spürbare Rückmeldung. Blaue Taster markieren den Signalpunkt noch einmal prägnanter und informieren zusätzlich mit Hilfe eines Klickgeräusches. Diese unterschiedliche Charakteristik lässt sich an den Kraftdiagrammen von Kailh gut ablesen.

Flach wie Scherentaster, Tippen wie Mechanik

Durch diese Merkmale und die geringe Höhe ähnelt Chocolate-Technik in gewissen Aspekten den nur noch wenig flacheren Scissor-Tastern auf Rubberdome-Basis. Dort liegt der Hubweg bei etwa 2,5 Millimetern, der Taster muss allerdings ganz heruntergedrückt werden, um ein Signal zuverlässig auszulösen. In diesem Punkt und damit an Feedback an den Fingern unterscheiden sich beide Konzepte erheblich; PG1350 fühlen sich weiterhin an wie mechanische Taster.

Kailhs Schokoladentaster sind keine völlig neue Entwicklung, sondern basieren in Grundzügen auf Cherrys ML-Serie. Um einen reinen Nachbau handelt es sich bei diesen Tastern jedoch nicht. PG1350 werden in mehr Abstimmungen angeboten, lassen sich mit einer Metallplatte stabilisieren und weisen eine höhere Lebensdauer aus. Die wichtigste Verbesserung ist aber an anderer Stelle zu finden: Die Kailh-Taster verkanten sich nicht, wenn sie am Rand der Tastenkappe heruntergedrückt werden, der Widerstand beim Eindrücken bleibt so unabhängig vom Ort der Betätigung konstant. Diese Eigenheit ließ sich sowohl für rote als auch für blaue PG1350 bestätigen.

Kailh Chocolate Red (Sharkoon Spec)
Kailh Chocolate Blue (Sharkoon Spec)
Kailh Chocolate Brown (Sharkoon Spec)
Charakteristik: linear taktil („clicky“) taktil
Hubweg: 3,0 mm
Position des Signalpunktes: 1,5 mm
Widerstand am Signalpunkt: 45 g 55 g ?
Lebensdauer (Anschläge): 50 Mio.
Sharkoon PureWriter (Kailh Red)
Sharkoon PureWriter (Kailh Blue)

Flach heißt leise

Interessant sind die Taster nicht nur aufgrund ihrer geringen Bauhöhe. Durch das verringerte Volumen von Gehäuse und Tastenkappen reduziert sich Lautstärke trotz offener Kulisse erheblich. Selbst blaue Taster sind zwar hörbar, aber erheblich leiser als ihre Gegenstücke in voller Größe. Rote Varianten bleiben wiederum ohne jegliche Modifikationen leise, erreichen dank des Verzichts auf einen Klickpunkt ohne Probleme etwa das Niveau normaler Rubberdome-Tastaturen. Nur ein leichtes Nachhallen der Feder können sich die Schokoladentaster nicht ganz verkneifen. Dieses Störgeräusch fällt im Alltag aber nicht ins Gewicht; es will provoziert werden, indem der Taster mit Kraft zum Anschlag gehämmert wird, ohne dass der Finger während des Ausfederns auf der Kappe verbleibt.

Aufgrund der flachen Ausführung schreibt s sich auf der PureWriter auch ohne Handballenauflage angenehm. Die geringe Bauhöhe erweist sich so als prinzipiell vorteilhaft – was an sich schwerlich eine neue Erkenntnis darstellt. Für mechanische Taster kann das Konzept aber ebenfalls ein Gewinn sein, weil es gleich zwei „Kritikpunkte“, die Höhe und das Betriebsgeräusch, angeht und aktuell eine Lücke im Markt besetzt.

Die Taster selbst scheinen kugelsicher. Ihnen sind Klappern, Haken und andere Begleiterscheinungen mancher Taster des unteren Preisbereiches asiatischer Produktion fremd. Sharkoon setzt allerdings eine andere Variante der Taster ein, die hinsichtlich des Widerstands etwas anders abgestimmt sind. Die Spezifikation der PureWriter orientiert sich dabei an Cherrys MX-Tastern. Die Lebensdauer sinkt gegenüber den den offiziellen Spezifikationen von 70 auf 50 Millionen Anschläge.

Medientasten schmerzlich vermisst

Die überzeugende Momentaufnahme kann das zunächst nicht trüben. Wie bei allen neuen Tastern gilt es lediglich zu bedenken, dass echte Langzeiterfahrungen fehlen und sie sich nicht unbedingt aus dem positiven Eindruck des Moments extrapolieren lassen.

Im negativen Sinne fällt die Tastatur nur in einem, dafür aber wesentlichen Punkt auf: Das Fehlen von Medienfunktionen weiß permanent zu stören. Dass Sharkoon vom inoffiziellen Standard der Preisklasse abweicht, will nicht eingängig sein, wenn der Gegenwert betrachtet wird. Ein paar LED-Spielereien wären weniger schmerzlich vermisst worden als ein nützliches Basis-Feature mit Alltagsnutzen. Diese falsche Abwägung sabotiert ein ansonsten sehr gelungenes Produkt.

Von diesem Mangel ist die Fullsize-Version der PureWriter dank vier Zusatztasten oberhalb des Nummernblocks, von denen drei zur Lautstärke- und Mediensteuerung genutzt werden, weniger stark betroffen. Dort fehlen allerdings Mute- sowie die Skip-Track-Funktionen.

Fazit

Sharkoon bietet die bislang beste flachste mechanische Tastatur am Markt an. Gehäuse und Bauform stellen überzeugende Grundzutaten, hauptsächlich aber sind die Taster der Star des Eingabegeräts. Sie sind die Zauberzutat, die für die geringe Bauhöhe sorgt, die das leise Betriebsgeräusch sicherstellt und das Vorbild von Cherry in wesentlichen Bereichen sinnvoll verbessert. Dass sich die Taster künftig mit mehr Tastaturen am Markt deutlicher platzieren werden, ist zu erwarten.

Chocolate-Taster ermöglichen schließlich den Bau mechanischer Tastaturen, die kaum höher als flache Rubberdome-Gegenstücke sind, und vereinen das Beste beider Welten. Auf der PureWriter überzeugt das Konzept deshalb mit denselben Punkten, die für andere flache Tastaturen gelten, ergänzt um die Präzision mechanischer Tastentechnik. Dass die Tenkeyless-Version des Eingabegeräts dazu leicht und ergonomisch kompakt bleibt, ist ein zusätzlicher Bonus.

Sharkoon PureWriter TKL im Test

Eine ausgesprochene ComputerBase-Empfehlung bleibt der PureWriter TKL jedoch versagt, weil Sharkoon die Tastatur lieber blinken lässt, als den praktischen Nutzen durch Medienfunktionen zu erhöhen. Das kann und darf keine Rezeptur für ein empfehlenswertes Eingabegerät sein, das eben nicht in erster Linie nur als ein Objekt der Dekoration dient, sondern vielmehr benutzt werden muss. Die PureWriter mit Nummernblock reduziert diese Problematik mit drei ihrer vier Zusatztasten etwas, bietet aber ebenfalls kein vollständiges Featureset.

Nicht perfekt und trotzdem spitze

Trotzdem bleibt die Tastatur in ihrer Kurz- und Langversion das derzeit beste flachste mechanische Eingabegerät, das mit einem Preis von rund 70 Euro nicht einmal besonders teuer und, sofern ein Modell ohne Nummernblock gesucht wird, ohne ernsthafte Alternative ist. Die etwas höhere Tesoro Gram Spectrum (Test) erscheint aufgrund ihrer fiependen Beleuchtung weniger empfehlenswert, die Cherry MX Board 3.0 (Test) nutzt wiederum normal hohe Taster und lediglich flache Tastenkappen, wenngleich mit beachtlichem Effekt. Geld sparen lässt sich allerdings nach wie vor mit flachen Rubberdome-Tastaturen und Scissor-Technik wie der Cougar 200K (Test).

Eine vollständige Übersicht zu Tastaturen aller Bauarten und ihrer Technik liefert die große Kaufberatung zu (mechanischen) Tastaturen auf ComputerBase.

Sharkoon PureWriter TKL (Kailh Red)
Produktgruppe Tastaturen, 09.10.2017
  • Gehäuse
    +
  • Tasten & Beschriftung
    +
  • Layout
    +
  • Ausstattung & Extras
    O
  • Software
    n/a
  • Selbst mit blauen Tastern vergleichsweise leise
  • kompakt & leicht
  • flache, nicht-hakende Taster
  • leichtes Federpingen
  • USB-Kabel nicht beliebig tauschbar
  • fehlende Medien-Hotkeys

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