Star Wars: Battlefront 2: Mikrotransaktionen sind „Pay to Win“

Max Doll 304 Kommentare
Star Wars: Battlefront 2: Mikrotransaktionen sind „Pay to Win“
Bild: EA

Noch bis Mittwoch, den 11. Oktober kann Star Wars: Battlefront 2 während eines offenen Beta-Tests ausprobiert werden. Dabei kommen Spieler erstmals ausgiebig in Kontakt mit den Beuteboxen und dem Mikrotransaktionssystem, die schon vor Monaten kontrovers diskutiert wurden. Das Urteil fällt vernichtend aus.

Der zweite Teil des Serienreboots erhält keinen Season Pass mehr, sondern ausschließlich Mikrotransaktionen; verkauft werden „Star Crates“, also Beuteboxen. Problematisch ist, dass diese Beuteboxen zugleich der einzige Weg sind, neue Ausrüstungsgegenstände und Fertigkeiten für die Spielerklassen zu erhalten beziehungsweise diese in der Stärke zu steigern. Die Inhalte der Boxen beeinflussen dabei massiv, wie sich Klassen und Fahrzeuge spielen. Zielgerichteter Fortschritt wird damit unmöglich oder, wenn das Crafting-System genutzt wird, stark verlangsamt. Dies soll zum Kauf von zusätzlichen Kisten motivieren.

Star Wars: Battlefront 2
Star Wars: Battlefront 2 (Bild: EA)

Wenig Einkommen, viele Anreize

Es brauchte schon vor Monaten wenig Phantasie, um sich die Auswirkungen dieses Systems vorzustellen. Die Beta bestätigt entsprechende Befürchtungen: Laut Nutzerberichten im NeoGAF-Forum werden rund 6,5 bis 8 Matches benötigt, um sich eine Beutebox zu verdienen. Eine nützliche oder gewünschte Fertigkeit respektive Waffe zu erhalten, ist aufgrund des Zufallsgenerators extrem unwahrscheinlich.

Zusätzlich füllt EA die Kisten mit kosmetischen Gegenständen auf. Sich selbst Karten zu bauen, erlaubt das Spiel durch „Schrott“, macht diese Währung aber rar. Das Einkommen durch die Verschrottung unnützer Fähigkeitskarten und zufälliger Beträge aus Kisten bleibt gering, die Kosten fallen demgegenüber hoch aus – eine Variante, die dadurch als unzuverlässig für vernünftigen Spielfortschritt empfunden wird. Daran können auch eine tägliche kostenlose Kiste und Herausforderungen wenig ändern. Nach groben Überschlagsrechnungen sind allein zum Freischalten aller Waffen rund 720 Kisten nötig, wenngleich ohne zusätzliche Einkommensquellen einzubeziehen.

Dazu kommt, dass Karten durch Upgrades gegenwärtig deutlich stärker werden, was die Verbesserungen unbedingt nötig macht. Spieler, die mehr Kisten öffnen, haben also deutlich bessere Klassen und unbestreitbare Vorteile. Das setzt klare Anreize zum Kauf dieser Belohnungen. Dies gilt insbesondere zum Verkaufsstart, wo zusätzliche Käufe zu massiven Vorteils-Gefällen führen, als auch im weiteren Verlauf, wo Späteinsteiger gegenüber dem durchschnittlichen Karten-Level massiv im Rückstand sind – ein unfeiner Mechanismus, um diejenigen Spieler zu bestrafen, die den Titel zu reduziertem Preis kaufen.

Free to Play wird vollpreis-pflichtig

Boba Fett kann etwa die Schadensreduktion während seines Raketenangriffs durch Upgrades der Fähigkeitskarte von 50 auf 100 Prozent steigern. Diese Unverwundbarkeit erlaube es, das gesamte Match als Held zu verbringen, erklärt YouTuber Joe Vargas („Angry Joe“) und nennt das ganze Schema gleich beim Namen: Battlefront 2 sei nichts anderes als „Pay to Win“, eine Änderung des Systems aufgrund der modernen, an Demos angelegten Betas und der generell zu positiven Rezeption des Spiels nicht zu erwarten. Zum gleichen Urteil kommen John Bain („Total Biscuit“) und Eurogamer in weiteren Analysen.

Laut unbestätigten Gerüchten soll es in der Vollversion des Spiels möglich sein, klassenspezifische Kisten zu kaufen und zielgerichteter um neue Karten zu würfeln. Fraglich ist, warum EA in der Demo-Beta aber ein später nicht verwendetes System nutzen soll, das einen falschen Eindruck des Spiels vermittelt. Die grundsätzliche Problematik wird davon jedoch bestenfalls abgeschwächt. In anderen Worten: Battlefront 2 wird das erste Free-to-Play-Spiel, das 60 Euro kostet, um es überhaupt spielen zu können.