Wolfenstein 2 im Benchmark: Das Vulkan-API-Spiel mit Vega-Feature 3/3

Wolfgang Andermahr 325 Kommentare

Die Radeon RX Vega 64 mit HBCC

Die neue Vega-Architektur bietet mit dem High Bandwith Cache Controller (HBCC) die Möglichkeit, den Speicher der Grafikkarte zu erweitern, indem der Arbeitsspeicher mitgenutzt wird. Die Verwaltung übernimmt die GPU, die CPU ist außen vor.

Dadurch soll die GPU unter anderem auch dann noch flüssige Frames liefern können, wenn der auf der Grafikkarte verbaute Speicher nicht mehr ausreicht. Auch die Übernahme des Speicher-Managements vom Spiel kann laut AMD für einen Performanceschub sorgen. Bei den folgenden Werten ist das Testsystem wie in allen anderen Testreihen mit einem 32 Gigabyte großen Systemspeicher bestückt.

In Wolfenstein 2: The New Colossus ist der Einfluss des HBCC geringer als in anderen Spielen, aber dennoch vorhanden. Überraschender Weise bringt es mehr, den Speicher nur um vier Gigabyte auf zwölf Gigabyte zu erweitern als gleich auf 16 Gigabyte – obwohl mehr zugewiesener Speicher in den meisten anderen Titeln bessere Resultate erzielt.

Durch den HBCC lässt sich die Performance der Radeon RX Vega 64 in 1.920 × 1.080 um zwei Prozent steigern. In 2.560 × 1.440 sind es immerhin vier Prozent und in 3.840 × 2.160 noch drei Prozent.

6 GB fassen die besten Texturen problemlos

Die Texturqualität in Wolfenstein 2: The New Colossus ist stark schwankend. Manche Texturen sehen sehr gut aus, andere wiederum sehen aus wie aus einem zehn Jahre alten Spiel – zum Glück bilden sie die Ausnahme. Für die maximalen Texturdetails sollte es eine Grafikkarte mit sechs Gigabyte großem Speicher sein. Dann sind auch Auflösungen wie 3.840 × 2.160 kein Problem.

Wessen Grafikkarte nur vier Gigabyte besitzt, der sollte in höheren Auflösungen in Betracht ziehen, die Texturdetails um eine Stufe zu verringern. Die vollen Texturdetails laufen in Full HD auf einer 4-GB-Grafikkarte zwar noch ordentlich, darüber hakt es aber ab und zu immer mal wieder.

Im Optionsmenü lässt sich zudem das Streaming auch bei höchstem Preset um eine Stufe weiter nach oben regeln. Dann schreibt das Spiel den gesamten Grafikkartenspeicher sofort voll. Bei einem ausreichend großen Grafikspeicher kann dies auftretende Nachladeruckler minimieren – sie fallen aber auch bei der zweithöchsten Stufe schon nicht mehr auf.

Benchmarks mit dem Beta-Patch und Async Compute

Bethesda hat den ersten Beta-Patch zum neuen Wolfenstein 2: The New Colossus zum Download bereit gestellt. Die Patch Notes beinhaltet einen interessanten Hinweis: Demnach war das Low-Level-Feature Async Compute für Radeon-Grafikkarten bis jetzt abgeschaltet. Und der Beta-Patch soll dies ändern.

Die einzige Voraussetzung dafür soll die Installation des neusten Treibers Crimson 17.10.3 sein. Zudem muss in Steam der Public-Beta-Branch ausgewählt werden. Das funktioniert in der Tat einwandfrei. Denn mit der derzeitigen finalen Fassung verschwindet die Async-Compute-Option aus dem Menü, wenn eine Radeon-Grafikkarte eingebaut ist.

Mit dem Beta-Patch ist dieser dann plötzlich da. Async Compute darf nur nicht manuell abgeschaltet werden, da die Option dann wieder verschwindet. Für diesen Fall hilft nur ein händisches Löschen der Konfigurationsdatei, die die Grafikeinstellungen beinhaltet. ComputerBase ist bis jetzt davon ausgegangen, dass Async Compute auf Radeon-Grafikkarten durchweg angeschaltet ist und die Option zum Abschalten nur fehlt, da es sinnlos ist, dass Feature auf einem AMD-Beschleuniger abzuschalten. Dem war offensichtlich nicht so.

Der Nutzen von Async Compute scheint sich in Wolfenstein 2: The New Colossus derzeit in Grenzen zu halten. Einzig die Radeon RX Vega 64 kann von dem Feature beziehungsweise vom Beta-Patch profitieren. Je nach Auflösung und Testszene steigt die Performance um bis zu fünf Prozent an. Das ist aber eher die Ausnahme. Meistens beträgt der Zuwachs ein bis zwei Prozent und ist damit selbst kaum messbar.

Bei den anderen AMD-Grafikkarte passiert meist gar nichts. Die Radeon RX 580 sowie die Radeon R9 390 sind mit der finalen Build und dem Beta-Build fast immer gleich schnell. Im anspruchsvollen Savegame läuft die Radeon R9 390 in 2.560 × 1.440 um zwei Prozent schneller. Mehr gibt es aber zu keiner Zeit.

Die GTX 1080 Ti wird mit der Beta minimal schneller – auch ohne AC

Auf der GeForce GTX 1080 Ti ist Async Compute tatsächlich aus dem Menü verschwunden. Das tut der Performance aber keinen Abbruch, im Gegenteil sogar. Nvidias Flaggschiff ist mit dem Beta-Patch meistens ein bis drei Prozent schneller als mit der finalen Version.

Neue Treiber von AMD und Nvidia kündigen sich an

Nvidia hat für diese Woche einen neuen Treiber in Aussicht gestellt. Mit diesem soll es Verbesserungen für Wolfenstein 2 geben. Und auch AMD arbeitet an Verbesserungen in der Software. Wann diese genau erscheinen werden, ist noch unbekannt.

Fazit

Wolfenstein 2: The New Colossus hat eine gute Grafik. Getrübt wird sie durch einige – für id-Tech quasi übliche – Ausrutscher zum Beispiel bei den Texturen. Dafür gibt es als Ausgleich optische Highlights im Schussgetümmel. Auch bei der Leistung weiß die PC-Version an sich zu gefallen, eine High-End-Grafikkarte braucht man für eine hohe Grafikqualität nicht. Und das Optionsmenü bietet dem Tüftler viele Möglichkeiten und einige exotische Optionen an. Zu erwähnenswerten Problemen kam es im Test ebenfalls nicht, zumindest aus Sicht der Redaktion hat sich der exklusive Schritt zur Low-Level-API Vulkan also gelohnt.

GPUs von AMD stehen überwiegend gut da

Aber ist Wolfenstein 2 jetzt auch der Vorzeigetitel für AMD Radeon RX Vega? Nach anfänglich eher desolaten Ergebnissen aller GPUs von AMD und den erst später in einer anderen Sequenz erzielten überdurchschnittlich guten FPS und Frametimes lautet die Antwort: Das kommt darauf an. In der Tendenz liegen allerdings sowohl Vega als auch Polaris und Hawaii stärker gegenüber der Konkurrenz in den Benchmarks, die Radeon RX Vega 64 kratzt zumindest in Full HD an der Leistung der GeForce GTX 1080 Ti – die Ausnahme im beschriebenen Worst-Case-Szenario bestätigt diese Regel. Ein Einzelfall ist diese Szene dabei nicht, aber sie bleiben auch in Summe in der Minderheit. AMD geht nach Hinweisen von ComputerBase bereits der Frage nach, ob es am Treiber liegt.

Dem Spieler kann der rekordverdächtige Führungswechsel der beiden Kontrahenten zum Glück so oder so ziemlich gleichgültig sein, weil die Leistung generell auf einem hohen Niveau liegt. Und damit kann die PC-Version von Wolfenstein 2: The New Colossus ohne Bedenken gekauft werden. Es handelt sich wie damals Doom um ein einwandfrei laufendes Spiel.

Und was bringt Rapid Packed Math?

Hoch interessant an Wolfenstein 2 ist die Integration von Rapid Packed Math, einem exklusiven Feature von Vega. Was die Funktion an Leistung bringt, kann auf Basis der wechselhaften Ergebnisse und ohne An-Aus-Schalter hingegen nicht nachvollzogen werden. Gravierend können die Vorteile zumindest in Wolfenstein 2 aber nicht sein. Eventuell werden weitere Spiele zeigen können, was RPM bringt. Far Cry 5 sollte der nächste anstehende Titel sein.

Wolfenstein 2: The New Colossus im Benchmark

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