Im Test vor 15 Jahren: Der Northwood-Celeron war auch mit 3,0 GHz eine Niete

Robert McHardy 92 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Der Northwood-Celeron war auch mit 3,0 GHz eine Niete

tl;dr: Auch vor 15 Jahren wurden teildefekte Chips zu beschnittenen Prozessoren verwertet. Der Celeron auf Basis des Northwood-Kerns unterschied sich vom Pentium 4 in der Theorie nur durch den auf ein Viertel geschrumpften L2-Cache. In der Praxis versagte der Celeron trotz Übertaktung auf 3,0 GHz aber durch die Bank weg.

Unterschiede gab es nur beim L2-Cache und dem Takt

Der Intel Celeron basierte seit jeher auf den Pentium-Modellen. Die Celerons wurden gegenüber den teureren Pentium-Äquivalenten technisch beschnitten – mit Ausnahme des Mendocino, der aufgrund des doppelt so hohen L2-Cache-Taktes sogar teilweise schneller als ein Pentium II war. Auch beim Pentium III war der Celeron durchaus noch ein Geheimtipp. Beim Celeron auf Basis der Netburst-Architektur, also Willamette-128 und Northwood-128, war im Vergleich zum Pentium 4 hingegen lediglich noch ein Viertel des L2-Caches aktiv, zudem wurde der Front Side Bus (FSB) nur mit 400 MHz getaktet, während spätere Pentium-4-Northwood-Modelle bis zu 800 MHz erreichten. Und auch die CPU-Frequenz war bei den Celerons geringer. Das ließ sich durch Übertakten allerdings umgehen.

Die Celerons im Überblick
Codename Fertigung L2-Cache Systemtakt Sockel
Technologisch vergleichbar mit: Pentium II
Covington 350/250 nm 66 MHz Slot 1
Mendocino 250 nm 128 KByte 66 MHz Slot 1 / Sockel 370
Technologisch vergleichbar mit: Pentium III
Coppermine-128 180 nm 128 KByte 66/100 MHz Sockel 370
Tualatin-256 130 nm 256 KByte 100 MHz Sockel 370
Technologisch vergleichbar mit: Pentium 4
Willamette-128 180 nm 128 KByte 400 MHz Sockel 478
Northwood-128 130 nm 128 KByte 400 MHz Sockel 478

Gemein war den Prozessoren, dass sie lediglich einen Prozessorkern und keine Fähigkeit für Simultaneous Multithreading – das wurde erst Mitte November 2002 in Form des Pentium 4 HT im Endkundenmarkt eingeführt – besaßen. Die Fertigung in 130 nm erlaubte gegenüber den Willamette(-128)-Kernen höheren Taktraten. Der getestete Celeron arbeitete mit einer Frequenz von 2,0 GHz, wurde im Test aber auf bis zu 3,0 GHz übertaktet, um den Einfluss des verkleinerten L2-Caches zu testen. Aus der unten stehenden Tabelle wurde klar, dass der Celeron Northwood-128 nahezu ein vollwertiger Pentium-4-Northwood war.

Die Prozessoren im Überblick
Merkmale Pentium 4 Celeron Celeron Athlon XP
Kern Northwood Tualatin-256 Willamette-128
Northwood-128
Palomino
Thoroughbred "A/B"
Front Side Bus 400 MHz QDR
533 MHz QDR
100 MHz 400 MHz QDR 266 MHz DDR
333 MHz DDR
Fertigung 130 nm 130 nm 180 nm
130 nm
180 nm
130 nm
Sockel Sockel 478 Sockel 370 Sockel 478 Sockel A
Taktrate (Stepping) 400 MHz QDR
1.600 MHz
1.800 MHz
2.000 MHz
2.200 MHz
2.400 MHz
2.500 MHz (nC1)
2.600 MHz (nC1)

533 MHz QDR
2.266 MHz
2.400 MHz
2.533 MHz
2.666 MHz (nC1)
2.800 MHz (nC1)
1.000 MHz
1.100 MHz
1.200 MHz
1.300 MHz
1.400 MHz
1.700 MHz
1.800 MHz
2.000 MHz
DDR266
1.333 MHz (1500+)
1.400 MHz (1600+)
1.466 MHz (1700+)
1.533 MHz (1800+)
1.600 MHz (1900+)
1.666 MHz (2000+)
1.733 MHz (2100+)
1.800 MHz (2200+)*
2.000 MHz (2400+)**
2.133 MHz (2600+)**

DDR333
2.133 MHz (2700+)**
2.200 MHz (2800+)**

*Thoroughbred "A"
**Thoroughbred "B"
Transistoren 55 Millionen 44 Millionen 42 Millionen
55 Millionen
37,5 Millionen
DIE-Größe 146 mm²
131 mm² (nC1)
80 mm² 217 mm²
131 mm²
128 mm²
80 mm² (T-Bred "A")
84 mm² (T-Bred "B")
L1-Execution-Cache 12.000 µ-Ops 16 KByte 12.000 µ-Ops 64 KByte
L1-Daten-Cache 8 KByte 16 KByte 8 KByte 64 KByte
L1-Takt CPU-Takt CPU-Takt CPU-Takt CPU-Takt
L2-Cache 512 KByte 256 KByte 128 KByte 256 KByte
L2-Anbindung 256 Bit 256 Bit 256 Bit 64 Bit
L2-Cache-Takt CPU-Takt CPU-Takt CPU-Takt CPU-Takt
HW Data Prefetching Ja Nein (Deaktiviert) Ja Ja
VCore 1,5 Volt
1,525 Volt (nC1)
1,475 Volt
1,5 Volt
1,565
1,560
1,525 Volt
1,75 Volt
1,65 Volt
Befehlssätze MMX
SSE / SSE2
MMX
SSE
MMX
SSE / SSE2
MMX / 3DNow!
3DNow!+ / SSE
Temperatur Diode Ja Ja Ja Ja
Multiprozessor-fähig Nein Nein Nein Nein
CPU-Architektur 20-stufige Pipeline 10-stufige (FPU)
10-stufige (ALU)
Pipeline
20-stufige Pipeline 15-stufige (FPU)
10-stufige (ALU)
Pipeline

Für mehr als Office taugte der Celeron nicht

Für die Tests hatte ComputerBase den Celeron in verschiedenen Taktstufen betrieben. Wie bei den meisten aktuellen Prozessoren war der Multiplikator des Celerons – in diesem Fall auf 20 – fixiert. Somit blieb nur die Erhöhung des Front Side Bus; das verwendete Mainboard Asus P4PE erlaubte, die PCI- und AGP-Frequenz zu fixieren, sodass hierdurch keine Instabilitäten entstanden. Mit einem FSB von 100 MHz wurde die Standardfrequenz von 2,0 GHz erreicht, für 2,66 GHz wurde der FSB auf 133 MHz erhöht und für 3,0 GHz wurde der FSB auf 150 MHz angehoben. Gleichzeitig musste für die höchste Taktstufe auch der Arbeitsspeicher mit 400 MHz (DDR) betrieben werden.

In Unreal Tournament 2003 konnte der Celeron im integrierten Flyby-Benchmark (GPU-Limit) zwar durchgehend sehr gut spielbare Bildwiederholraten erreichen, im Vergleich zu den anderen Prozessoren ließ die Leistung aber sehr zu wünschen übrig. Mit 2,0 GHz wurde der Celeron um satte 19 Prozent von dem nahezu baugleichen Pentium 4 mit 1,8 GHz und dem Athlon XP 1600+ mit lediglich 1,4 GHz geschlagen. Mit 2,66 GHz konnte er dann mit diesen beiden CPUs mithalten, aber selbst bei 3,0 GHz Frequenz lag der Pentium 4 mit 2,8 GHz weiterhin acht Prozent vorn.

Sobald der Prozessor durch die KI des Spiels zusätzlich belastet wurde, brach die Leistung des Celeron massiv ein. Mit 3,0 GHz verfehlte er den 1,4-GHz-Athlon-XP und Pentium 4 mit 1,8 GHz um drei Prozent. Der Pentium 4 mit 2,8 GHz erreichte gar 51 Prozent mehr Bilder pro Sekunde.

Einen noch herberen Verlust musste der Celeron in Comanche 4 einstecken. Zwar konnte er durch die 50-prozentige Übertaktung 40 Prozent mehr FPS generieren, war aber trotzdem abgeschlagen am Ende des Testfeldes. Trotz 3,0 GHz lag er 19 Prozent hinter dem 1,4 GHz schnellen Athlon XP, der schnellste Pentium lag gar 97 Prozent vor dem Celeron.

Auch in Anwendungen eine Niete

In Cinema4D zeichnete sich das gleiche Bild ab, das sich bereits in den Spielen gezeigt hatte. Der Celeron lag aufgrund des beschnittenen L2-Caches selbst mit 3,0 GHz – und obwohl er nahezu jedes MHz linear in mehr Leistung umsetzte – hinter allen anderen Prozessoren. In WinACE, einem vor 15 Jahren beliebten Archivierungsprogramm, wurde der Celeron zwar mit Standardtakt abermals auf den letzten Platz verwiesen, konnte sich aber 2,66 und 3,0 GHz in der Mitte des Testfeldes platzieren.

Für Spieler war der Celeron nichts

Nachdem die Redaktion abseits der theoretischen Tests feststellte, dass der Celeron in älteren Spielen zwar spielbare Bildwiederholraten erreichte, aber selbst mit enorm hoher Frequenz nicht an deutlich niedrig getaktere Prozessoren herankam, konnte nur ausdrücklich von dem Celeron für Spieler abgeraten werden. Und für das Homeoffice war der Celeron auch nur insofern geeignet, wenn die Arbeit keine anspruchsvolleren Anwendungen als simple Textverarbeitung umfasste.

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Celeron und Core trennen heute auch Kerne

Den Celeron gibt es heute immer noch, immer noch ist er unterhalb des Pentium platziert. Der wiederum ist seit Einführung der Marke Core selbst nur noch am unteren Ende des Portfolios zu finden. Und in Zeiten von Mehr-Kern-CPUs sind die Unterschiede insbesondere auch in diesem Bereich zu finden. Selbst wenn es möglich wäre, einem Core i5/i7 kann selbst ein übertakteter Celeron so schon aufgrund der Architektur nicht mehr nahe kommen.

Celeron und Pentium unterscheiden sich wiederum weiterhin vorrangig bei Takt und Cache. Einen Turbo bietet keiner von beiden.

Kaby Lake-S und Skylake-S für Einsteiger-Desktops im Vergleich
Modell Kerne /
Threads
Takt /
Turbo
L3-Cache Grafik GPU-Takt max. Speicher TDP Preis
Pentium
Pentium G4620 2 / 4 3,7 / – GHz 3 MB HD 630 1.100 MHz DDR4-2400 51 W $86
Pentium G4600 2 / 4 3,6 / – GHz 3 MB HD 630 1.100 MHz DDR4-2400 51 W $75
Pentium G4600T 2 / 4 3,0 / – GHz 3 MB HD 630 1.050 MHz DDR4-2400 35 W $75
Pentium G4560 2 / 4 3,5 / – GHz 3 MB HD 610 1.050 MHz DDR4-2400 54 W $64
Pentium G4560T 2 / 4 2,9 / – GHz 3 MB HD 610 1.050 MHz DDR4-2400 35 W $64
Pentium G4520 2 / 2 3,6 / – GHz 3 MB HD 530 1.050 MHz DDR4-2133 51 W $86
Pentium G4500 2 / 2 3,5 / – GHz 3 MB HD 530 1.050 MHz DDR4-2133 51 W $75
Pentium G4500T 2 / 2 3,0 / – GHz 3 MB HD 530 950 MHz DDR4-2133 35 W $75
Pentium G4400 2 / 2 3,3 / – GHz 3 MB HD 510 1.000 MHz DDR4-2133 51 W $64
Pentium G4400T 2 / 2 2,9 / – GHz 3 MB HD 510 1.000 MHz DDR4-2133 35 W $64
Celeron
Celeron G3950 2 / 2 3,0 / – GHz 2 MB HD 610 1050 MHz DDR4-2400 51 W $52
Celeron G3930 2 / 2 2,9 / – GHz 2 MB HD 610 1050 MHz DDR4-2400 51 W $42
Celeron G3930T 2 / 2 2,7 / – GHz 2 MB HD 610 1000 MHz DDR4-2400 35 W $42
Celeron G3920 2 / 2 2,9 / – GHz 2 MB HD 510 950 MHz DDR4-2133 51 W $52
Celeron G3900 2 / 2 2,8 / – GHz 2 MB HD 510 950 MHz DDR4-2133 51 W $42
Celeron G3900T 2 / 2 2,6 / – GHz 2 MB HD 510 950 MHz DDR4-2133 35 W $42
fett = Kaby Lake

Auswertung der letzten Umfrage

Letzte Woche hat die Redaktion nach der Auflösung gefragt, in der die Leser spielen. Mit 47 Prozent gaben fast die Hälfte der Teilnehmer an, dass sie in 1.920 × 1.080 Pixeln spielen. Immerhin noch 26 Prozent gaben an, die WQHD-Auflösung von 2.560 × 1.440 Bildpunkten zu nutzen. Lediglich 13 Prozent der Teilnehmer spielen in Ultra HD, das mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten viermal so viele Pixel umfasst wie Full HD und dementsprechend in Spielen fordernd ist. 14 Prozent der Leser verteilen sich auf weitere Auflösungen und damit auch abseits des 16:9-Seitenverhältnisses, das die drei genannten Auflösungen nutzen.

In welcher Auflösung spielst du aktuell?
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    14 %

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