China: Junge DRAM- und Flash-Fertigung kämpft mit Klagen

Volker Rißka 29 Kommentare
China: Junge DRAM- und Flash-Fertigung kämpft mit Klagen
Bild: Tsinghua Unigroup

Die Speichersparte rund um DRAM und Flash soll in Zukunft einen der größten Entwicklungsschritte in Chinas aufstrebenden Bemühungen im IT-Markt machen. Damit adressiert das Land gleiche Felder wie in anderen Wirtschaftsbereichen: mehr eigene Produkte, weniger Importe. Doch was fehlt, ist das Know-How.

In der IT-Industrie, speziell im Bereich Halbleiter, ist China nach wie vor ein kleines Licht. Es gibt dort zwar Fabriken und große Industrie-Standorte, doch das Know-How dahinter ist kein Eigentum chinesischer Unternehmen, sondern westlicher Konzerne. Mit Hilfe riesiger Investitionssummen, gestützt vom Staat, wurden seit dem vergangenen Jahr viele Projekte angestoßen, um diesen Zustand zu ändern: China will unabhängiger von Importen werden.

Neue Firmen in China für DRAM und Flash
Neue Firmen in China für DRAM und Flash (Bild: TrendForce)

Fehlendes Know-How und erste Patentklagen

Doch so einfach ist das nicht, vor allem, weil es an dem notwendigen Know-How fehlt und dieses auch nicht so einfach zu bekommen ist, wie sich China das gedacht hat. JHICC als einer der aufstrebenden DRAM-Hersteller in China hatte ursprünglich eine „technische Kooperation“ mit UMC aus Taiwan über DRAM-Technologien vereinbart. Doch Anfang Dezember kam die Klage durch Micron: Es geht um DRAM-Patente und geistiges Eigentum, welches JHICC verletzt haben soll.

Und das dürfte nicht die letzte Klage gewesen sein. Micron hatte allein im letzten Jahr über 100 ehemalige Mitarbeiter wegen des Verdachts auf Geheimnisverrats an chinesische Firmen verklagt, die Staatsanwaltschaft durchsuchte Büros von UMC in Taiwan. Doch das Ziel ist eigentlich die Fujian Jinhua Integrated Circuit Co., Ltd., kurz JHICC: Diese habe von der chinesischen Regierung knapp 5,7 Milliarden US-Dollar für ihr erstes 300-mm-Wafer-Werk erhalten, welches bereits 2018 die Serienproduktion aufnehmen soll.

Dass die Ambitionen in dem Markt gebremst werden könnten, ist den beteiligten Unternehmen aber bereits seit längerer Zeit klar. 2015 versuchte die chinesische Tsinghua Unigroup Micron für rund 23 Milliarden US-Dollar zu kaufen, jetzt steht das besagte Unternehmen hinter den aufstrebenden Mitbewerbern und investierte zuletzt bis zu 70 Milliarden US-Dollar in neue Fabriken vornehmlich für Flash-Speicher. Dort ist auch der Neuling Yangtze River Storage Technology (YMTC) angesiedelt, dessen 32-Layer-3D-NAND im ersten Halbjahr 2018 vom Band laufen soll. Ein direkter Konkurrent für Micron und die anderen angestammten Unternehmen.

China wird auch in diesem Markt mitmischen

Wie die Marktforscher von TrendForce zur Wochenmitte erklären, ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, bis die Probleme gelöst sind. Auch werden die Produkte höchstwahrscheinlich zu Beginn kaum konkurrenzfähig sein, allerdings adressieren sie dann einen anderen Markt: Low-End, eventuell Produkte komplett aus chinesischer Hand nur für den regionalen Markt mit hunderten Millionen potentiellen Kunden. In drei bis fünf Jahren könnten einige der Entwicklungen aber zur Spitze aufgeschlossen haben, sofern die Probleme des geistigen Eigentums und der Patente, aber auch der Forschung und Entwicklung sowie letztlich Produktion mit entsprechenden Kapazitäten gelöst werden. Die Tsinghua Unigroup will in dieser Zeit laut eigenen Angaben zu den drei größten Halbleiterherstellern der Welt aufsteigen.

Die chinesischen Hersteller wollen ganz nach oben
Die chinesischen Hersteller wollen ganz nach oben (Bild: Tsinghua Unigroup)