LG V30 im Test: Top-Eckdaten und alte Software für 900 Euro

Mahir Kulalic 125 Kommentare
LG V30 im Test: Top-Eckdaten und alte Software für 900 Euro

tl;dr: Das LG V30 ist ein Top-Smartphone, das auf dem Papier fast alles bietet, was derzeit in einem Mobiltelefon stecken kann. Doch trotz zeitgemäßem Design und hoher Leistung kann es die Erwartung an den Preis nicht erfüllen. Wie im Pixel 2 XL enttäuscht das POLED-Display, darüber hinaus ist das Patch-Level stark veraltet.

Das eigentliche Topmodell

Das V30 ist LGs zweites Topmodell für das Jahr 2017, kurz vor Jahresende hat es das Modell auch in den deutschen Handel geschafft. Nachdem das V20 im letzten Jahr nicht in Deutschland erschien, ist das V30 hierzulande der Quasi-Nachfolger für das V10 von 2015. Das erste Flaggschiff für LG war in diesem Jahr das G6 (Test), das mit seinem länglichen 18:9-Display und einem wasserdichten, robusten Gehäuse zu überzeugen wusste, mangels Verfügbarkeit aber noch mit Vorjahreshardware ausgestattet war – und so am Ende gegen das Galaxy S8+ unterging.

Das V30 ist spät dran in Deutschland, bereits im nächsten Monat steht die Consumer Electronics Show in Las Vegas an, im Februar ist auch der Mobile World Congress 2018 in Barcelona, der aller Voraussicht nach auch erste Flaggschiffe mit Qualcomm Snapdragon 845 und weiteren Neuerungen liefern wird.

Später Start mit Top-Eckdaten zum hohen Preis

Auch wenn die Eckdaten auf dem Papier aufhorchen lassen, hat LGs neues Topmodell der V-Serie ebenfalls einen schweren Stand. Das liegt auch an der hohen UVP von 899 Euro. Dafür erhält der Käufer ein POLED-Display im 18:9-Format, drahtloses Laden, einen verbesserten DAC sowie eine Dual-Kamera mit optionalem Weitwinkel und einer Offenblende von f/1.6. Darüber hinaus sind (noch) aktuelle High-End-Hardware wie der Snapdragon 835 sowie ein wasserdichtes Gehäuse Teil des Datenblatts.

V30 im Vergleich zur Konkurrenz

Technisch ist das V30 mit allem ausgestattet, was das Smartphone-Jahr 2017 zu bieten hatte. Dazu zählen ein in die Länge gezogenes Display im 18:9-Format mit hoher Auflösung, das kaum Ränder aufweist, abgerundete Ecken im Display, die der Linienführung des Gehäuses folgen, eine Dual-Kamera sowie der Qualcomm Snapdragon 835. Weitere Merkmale sind mit USB Typ C und 64 GByte Speicher Standard bei Topmodellen, der weiterhin vorhandene Klinkenanschluss hingegen nicht mehr.

Veraltete Software trotz späten Marktstarts

Wie fast die gesammelte Android-Konkurrenz, die nicht aus dem Hause Google stammt, kommt auch das V30 noch mit Android 7.1 Nougat und nicht mit dem aktuellen 8.0 Oreo (Test). Ein Update steht bisher auch für keines der konkurrierenden Modelle mit Ausnahme des Sony Xperia XZ Premium (Test) zur Verfügung, das Huawei Mate 10 Pro kommt ab Werk mit Oreo. Die Hauptkamera des V30 ist zusammen mit dem Huawei Mate 10 Pro (Test) mit einer Blende von f/1.6 auf dem Papier die lichtstärkste. Die zweite Kamera des V30 ist mit f/1.9 ebenfalls auf hohem Niveau, fällt aber nominell hinter die ebenfalls mit f/1.6 ausgestattete zweite Kamera des Mate 10 Pro zurück.

LG V30
LG V30

Das Testmodell des V30 kommt mit 4 Gigabyte RAM und 64 GByte Nutzerspeicher, der per microSD erweitert werden kann. Damit ist das Smartphone auf dem Niveau des Galaxy S8+ oder des Xperia XZ Premium, das Galaxy Note 8 (Test) oder das OnePlus 5 kommen aber mit mehr Arbeitsspeicher – im Alltag ist dies bisher aber nicht ausschlaggebend. Mit 3.330 mAh ist der Akku ungefähr auf dem Niveau der Konkurrenz, nur das Mate 10 Pro legt mit 4.000 mAh eine deutlich darüber. Neben IP68 zum Schutz gegen Staub und Wasser ist das V30 auch nach MIL-STD-810G zertifiziert und soll somit auch bei Stößen oder Stürzen widerstandsfähiger sein.

LG V30
LG G6
Samsung Galaxy S8+
Samsung Galaxy Note 8
Apple iPhone X
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1 Android 7.0 Android 7.1 iOS 11
Display: 6,00 Zoll
1.440 × 2.880, 537 ppi
POLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,70 Zoll
1.440 × 2.880, 565 ppi
IPS, HDR, Gorilla Glass 3
6,20 Zoll
1.440 × 2.960, 531 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,30 Zoll
1.440 × 2.960, 522 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,80 Zoll
1.125 × 2.436, 463 ppi
OLED, HDR
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Status-LED Touch, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED Touch, 3D Touch, Gesichtsscanner
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,45 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Qualcomm Snapdragon 821
2 × Kryo, 2,34 GHz
2 × Kryo, 2,19 GHz
14 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 8895
4 × Exynos M2, 2,31 GHz
4 × Cortex-A53, 1,69 GHz
10 nm, 64-Bit
Apple A11 Bionic
2 × Monsoon, 2,39 GHz
4 × Mistral
10 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540
710 MHz
Adreno 530
653 MHz
Mali-G71 MP20
546 MHz
Apple Tri-Core
RAM: 4.096 MB
LPDDR4
6.144 MB
LPDDR4
3.072 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 GB (+microSD) 32 GB (+microSD) 64 GB (+microSD) 64 / 256 GB
Kamera: 16,0 MP, 2160p
LED, f/1,6, AF, OIS
13,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/1,8, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 13,0 MP, f/1,9, AF 13,0 MP, f/2,4, AF Nein 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 5,0 MP, 1080p
f/2,2
8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 LE 4.2 LE 5.0 LE 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Weitere Standards: USB 2.0 Typ C, NFC USB 3.0 Typ C, NFC USB 3.1 Typ C, NFC Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM
Akku: 3.300 mAh (12,50 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.300 mAh (12,50 Wh)
fest verbaut
3.500 mAh (13,48 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.300 mAh (12,71 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
2.716 mAh (10,35 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 75,4 × 151,7 × 7,30 mm 71,9 × 148,9 × 7,90 mm 73,4 × 159,5 × 8,10 mm 74,8 × 162,5 × 8,60 mm 70,9 × 143,6 × 7,70 mm
Schutzart: IP68 + MIL-STD-810G IP68 IP67
Gewicht: 158 g 163 g 173 g 195 g 174 g
Preis: 899 € / – ab 299 € ab 469 € / ab 699 € ab 630 € / ab 636 € ab 939 € / ab 1.109 €

Robustes Glas-Smartphone

Auf den ersten Blick erinnert das LG V30 an eine Mischung aus G6 und Galaxy S8 (+). Die Ränder rund um das Display sind noch kleiner geworden als beim Modell aus dem Frühjahr, der Bildschirm ist minimal am Rand gebogen, allerdings deutlich subtiler als beim Design von Samsung. Wie beim G6 oder beim erwähnten Konkurrenten setzt LG auf beiden Seiten auf Glas, zusammengehalten wird das Ganze von einem Rahmen aus Aluminium, der trotz Glaseinsatz auch die Antennenstreifen beherbergt. Wie die Front ist die Rückseite leicht zum Rand gewölbt, sodass das V30 sehr gut in der Hand liegt. Mit der Glasrückseite ist es aber etwas rutschig und ein Magnet für Fingerabdrücke.

Tadellose Verarbeitung, robuster Eindruck

Wie von LG gewohnt sitzt der Einschalter, der auch den Fingerabdrucksensor beinhaltet, auf der Rückseite, zwei einzelne Tasten für die Lautstärkeregelung finden sich hingegen am linken Rand. Gegenüber sitzt der Schacht für SIM- und microSD-Karte, ansonsten ist der Rahmen frei von Knöpfen oder Einschüben. Die Dual-Kamera des V30 steht minimal aus dem Gehäuse hervor, grundsätzlich ist der Überstand aber so gering, dass das Gerät auch ohne Hülle auf flachem Untergrund nicht kippelt. Das B&O-Logo auf der Rückseite deutet auf den beworbenen DAC hin, bricht zusammen mit dem LG-Emblem aber mit dem zurückhaltenden und schlichten Erscheinungsbilds des V30.

Die Verarbeitung des V30 ist absolut auf Augenhöhe mit der High-End-Konkurrenz. Alles sitzt fest an seinem Platz, nichts wackelt und alle Anschlüsse sind fein ausgearbeitet. Die beiden Lautstärke-Tasten lassen sich gut voneinander unterscheiden und bieten einen satten und klaren Druckpunkt, gleiches gilt für den Einschalter auf der Rückseite. Die Übergänge von den beiden Glasseiten zum Aluminiumrahmen sind anstandslos und sauber, die Wölbung verleiht dem Smartphone zusätzlichen Halt. Trotz der schlanken Bauweise wirkt das Smartphone vor allen Dingen rund um den Rahmen stabil, ein Merkmal, mit dem auch das G6 aufwarten konnte. Zusätzlich ist das Modell nach IP68 gegen das Eindringen von Wasser und Staub geschützt und auch nach MIL-STD-810G gegen Stürze zertifiziert. Im Test wurde das aber nicht gesondert auf die Probe gestellt.

Wasserdicht und hochwertig

Insgesamt überzeugt die optische Gestaltung des V30: LG verzichtet auf Experimente, gleichzeitig wirkt das Design durch die schmalen Ränder und das große Display zeitgemäß. Die Verarbeitung ist ebenfalls tadellos und muss sich nicht hinter der Konkurrenz aus dem Hause Apple, Samsung oder Huawei verstecken.

POLED mit bekannten Problemen

Viele Merkmale teilt sich das V30 mit dem ebenfalls von LG gefertigten Google Pixel 2 XL (Test), darunter auch das sechs Zoll große POLED-Display. Dieses musste in Googles Flaggschiff einiges an Kritik einstecken, sodass der Punkt Display aufgrund der vielen negativen Meldungen und Erfahrungen zum Pixel 2 XL durchaus ein heißes Pflaster ist. Die technischen Daten entsprechen dem Google-Smartphone: selbe Diagonale und Technik, gleiche Auflösung von 1.440 × 2.880 Pixel.

Vom Pixel 2 XL bekannte Probleme

Neben derselben Technik erbt das V30 aber auch zum Teil dieselben Probleme: Die Helligkeit des POLED-Bildschirms ist mit maximal 410 cd/m² vergleichsweise gering, zudem wird die Darstellung bei verändertem Blickwinkel sehr schnell sehr blaustichig. Die Darstellung der Farben wirkt kräftig, aber nicht übersättigt, zumindest bei frontaler Betrachtung. Durch die abgerundeten Ecken, die sich der Linienführung der Front fügen, wirkt die gesamte Vorderseite wie aus einem Guss und das Display sehr nah an der Glasscheibe. Der Kontrast ist OLED-typisch hoch mit tiefem Schwarz.

In den Einstellungen können verschiedene Anzeigemodi ausgewählt werden, die für bestimtme Inhalte eine angepasste Farbdarstellung bieten sollen. Wählbar sind Anpassungen für Filme, Fotos oder das Internet. Die Helligkeit liegt in allen Modi relativ ähnlich bei rund 390 cd/m², der Weißpunkt mit 6.200 (Fotos), 6.300 (Videos) und 6.400 (Internet) relativ neutral, unterschiedlich sind vor allem die Farbdarstellung und der Farbton. Im Standardmodus „Normal“ liegt der Weißpunkt bei relativ kühlen 7.000 Kelvin. Optional können Farbtemperatur sowie Rot-, Grün- und Blauanteil in der Darstellung manuell angepasst werden. Zusätzlich gibt es die Option für eine „gesteigerte Farbdarstellung bei Video“ [sic!], mit dem Hinweis, dass die kräftigeren Farben nicht in jedem Videoplayer unterstützt werden.

HDR, Always-On-Display und drei Auflösungen zur Wahl

Das Display des V30 unterstützt HDR, laut Support-Seite von Netflix auch bei diesem Anbieter. Im Test zeigten sich HDR-Inhalte qualitativ aber zum Teil durchwachsen mit etwas matschigen Farben auf dem Bildschirm. Auch Google Daydream (Test) wird unterstützt. Ein weiteres Feature ist wie beim G5 und G6 ein Always-On-Displays, das dank des POLED-Bildschirm beim V30 besonders stromsparend agieren kann. Da das Smartphone mit einem 18:9-Display ausgestattet ist, sind nicht ab Werk alle Apps auf die zusätzlichen Pixel in der Länge angepasst. Bei Apps, die nicht an das längliche Verhältnis angepasst sind, bietet LG die Möglichkeit über eine Taste in der linken Ecke der Software-Buttons einen Vollbildmodus zu aktivieren, der die App an die zusätzlichen Bildpunkte nach einem Neustart anpasst. Darüber hinaus ist es möglich, in den Einstellungen eine niedrigre Auflösung wie 1.080 × 2.160 oder 720 × 1.440 zu nehmen um Akkulaufzeit zu sparen.

Aufgrund der relativ niedrigen Helligkeit sowie dem schnellen Blaustich, also ein paar der bekannten Schwachstellen des ebenfalls mit POLED ausgestatteten Pixel 2 XL, kann das Display des V30 nicht die Ansprüche an ein fast 900 Euro teures Smartphone erfüllen.

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