Amazon Go: Der erste Supermarkt ohne Kasse öffnet heute in Seattle

Nicolas La Rocco 354 Kommentare
Amazon Go: Der erste Supermarkt ohne Kasse öffnet heute in Seattle
Bild: Amazon

In Seattle wird Amazon heute seinen ersten Supermarkt ohne Kassen für die Allgemeinheit öffnen. Amazon Go setzt auf Kameras und Sensoren anstatt Kassierer und lange Warteschlangen. Eigentlich solle es schon vor einem Jahr losgehen.

In Seattle im US-Bundesstaat Washington nicht fern von Amazons Geschäftssitz wird nach einer Betaphase von rund 14 Monaten heute Amazons erster Supermarkt öffnen, den das Unternehmen „Amazon Go“ nennt. „Go“ wie „gehen“ und nach dem Einkauf nicht in langen Schlangen stehen um bezahlen zu können, ist das Motto des kleinen Supermarkts, der US-amerikanischen Medienberichten zufolge etwa die Größe eines besseren 7-Eleven hat, aber deutlich schicker ausgestattet ist. Amazon Go verkauft neben frischen Lebensmitteln und Getränken auch Fertiggerichte und Snacks.

Kameras statt Kassierer

Unzählige Kameras an der Decke und Gewichtssensoren in den Regalen verfolgen Einkäufer und Ware auf Schritt und Tritt, bis der Laden verlassen wird. Daraufhin wird der Einkauf automatisch dem Käufer in Rechnung gestellt. Auf Gesichtserkennung setzt Amazon bei seinem smarten Supermarkt allerdings nicht, sondern verwendet für die erste Identifikation des Einkäufers eine Smartphone-App, die einen Code generiert, der am Eingang an einem Drehkreuz gescannt werden muss. Anschließend wird der Einkauf rein per Objekterkennung respektive Verfolgung von Amazon abgewickelt, ohne jedoch das Gesicht des Kunden als Erkennungsmerkmal zu nutzen. Nach dem Einkauf verlässt dieser den Laden einfach wieder – eben Go.

Vollständig frei von Mitarbeitern ist der Laden hingegen nicht. Diese müssen nach wie vor die Regale füllen, helfen am Eingang bei Problemen mit App oder führen die in den USA obligatorische Alterskontrolle beim Verkauf von Alkohol durch. Außerdem bereiten Mitarbeiter hinter den Kulissen die Fertiggerichte zu und belegen Sandwiches.

Amazon Go ist weiterhin auf Mitarbeiter angewiesen
Amazon Go ist weiterhin auf Mitarbeiter angewiesen (Bild: Amazon)

Amazon hatte Go im Dezember 2016 vorgestellt und wollte das erste Geschäft Anfang 2017 eröffnen. Die Betaphase hat nun aber doch 14 Monate gedauert, bevor nach Amazon-Mitarbeitern ab heute jedermann bei Amazon Go shoppen darf. An technischen Schwierigkeiten soll der eigentlich früher geplante Start nicht gescheitert sein, versichert Dilip Kumar, Chef hinter Amazon Go im Gespräch mit dem US-Magazin Recode. Ursprünglich habe das Unternehmen gedacht, es benötige viel Personenverkehr im Laden, um seine Algorithmen zu trainieren, letztlich habe man während der internen Betaphase aber genügend Erkenntnisse sammeln können. Den Aspekt der weit nach hinten verschobenen Eröffnung erklärt Kumar mit dieser Aussage allerdings nicht.

Whole Foods ohne Go-Technologie

Die hinter Go steckende Technologie will Amazon erst einmal nicht auf weitere Läden von Amazon übertragen. Während Amazon Go zwar der erste Supermarkt des Unternehmens ist, betreibt Amazon in den USA mit Books auch einige Bücherläden, die darüber hinaus Amazons Geräte wie den Echo, Kindle, das Fire Tablet oder den Fire TV führen. Laut Amazon Deutschland seien Ladengeschäfte hierzulande keine Frage des Ob, sondern des Wann. Ob Books oder Go damit gemeint ist, ist nicht bekannt.

Amazon Go in Seattle
Amazon Go in Seattle (Bild: Amazon)

Auch auf die derzeit 473 Filialen der von Amazon im August des letzten Jahres übernommenen Biosupermarktkette Whole Foods Market soll das Prinzip hinter Amazon Go nicht übertragen werden, erklärte Kumar. Ob Amazon die Technologie an Dritte verkaufen werde, wollte das Unternehmen im Rahmen der Eröffnung in Seattle nicht kommentieren. Spekulationen in diese Richtungen seien noch zu früh.

Update 22.01.2018 21:36 Uhr

Seit 16:00 Uhr deutscher Zeit ist Amazon Go in Seattle geöffnet. Kuriose Randnotiz: Wie auf Twitter berichtet wird, hat sich vor dem Laden eine lange Schlange wartender Einkäufer gebildet. Genau das sollte mit Amazon Go eigentlich Geschichte sein.