AMD Ryzen 3 2200G & 5 2400G im Test: Desktop-APUs mit starker GPU machen erste Ryzen obsolet 4/4

Volker Rißka 1.224 Kommentare

Fazit

AMD Raven Ridge steht nach Modellen für das Notebook auch im Desktop für eine sehr starke Kombination aus Zen-CPU-Kernen und Vega-Grafikeinheit. Und insbesondere der kleinere AMD Ryzen 3 2200G erweist sich zur UVP von 99 US-Dollar (vor Steuern) als sehr empfehlenswert. Er nimmt es spielend mit den preisgleichen Konkurrenten von Intel auf, die er in Sachen Grafikleistung düpiert. Die Vorgänger aus gleichem Hause werden sowohl in Sachen CPU- als auch GPU-Leistung deutlich auf die Plätze verwiesen.

Der Ryzen 5 2400G kann zwar alles noch ein wenig besser, doch ist der Aufpreis mit 70 Prozent auch gewaltig. So viel Mehrleistung kann das Modell gar nicht aufbringen, die größere Variante wird es in Anbetracht der Leistung der kleineren schwer haben. Interessanterweise ist der Unterschied bei der CPU durch das Hinzuschalten von Simultaneous Multithreading am Ende sogar größer als der Wechsel von Vega8 auf Vega 11. Allein die CPU-Leistung ist für den großen Raven Ridge aber nicht das entscheidende Argument, denn zu dessen Preis kommen bereits Ryzen mit sechs Kernen ins Spiel, ganz zu schweigen vom Core i5-8400 aus dem Lager des Konkurrenten, der dort aktuell die Empfehlung ist.

AMD Raven Ridge
AMD Raven Ridge

Auch im Bereich der Leistungsaufnahme gefällt das kleinere der beiden Modelle, das mit dem Boxed-Kühler Wraith Stealth aber direkt ab Werk mit sehr hohen Temperaturen zu kämpfen hat. Die günstigste Kühllösung kann den Wechsel von Lötzinn auf Wärmeleitpaste nur knapp abfangen, AMD lässt die APUs ab Werk hart an der Grenze operieren – zumal die Leistungsaufnahme im Extremfall bei einer Differenz von 80 Watt zwischen Leerlauf und Last liegen kann. Übertakten ist mit dem Boxed-Kühler so gut wie ausgeschlossen.

Am Ende des Tages bekommt der Ryzen 3 2200G trotzdem die Empfehlung der Redaktion für den aktuell besten Prozessor im Preisbereich um 100 Euro, sollte neben der CPU auch die integrierte GPU von Interesse sein. Zwar liegt er bei der CPU-Leistung einen einstelligen Prozentsatz hinter der des Mitbewerbers, bietet aber über 200 Prozent der Grafikleistung. Und damit lässt sich auch in aktuellen Titeln in Full HD bereits etwas anfangen. Im Handel dürfte er zudem ein wenig günstiger sein, erste Listungen verheißen dort einen weiteren Vorteil für AMD.

AMD Ryzen 3 2200G
Produktgruppe Prozessoren, 19.02.2018
  • Unerreichte Spiele-Leistung in der Preisklasse
  • Vier Kerne
  • Hohe Office-Leistung
  • DDR4-2933-Unterstützung
  • Overclocking (mit alternativem Kühler)
  • Hohe Temperaturen
ComputerBase-Empfehlung für AMD Ryzen 3 2200G

Intels iGPU weiterhin kein Kaufargument

Für eine APU von AMD spricht mit Raven Ridge also abermals ausdrücklich die GPU, während die CPU kein Gegenargument mehr darstellt. Ein aktueller Prozessor aus der Familie Coffee Lake, der einer vier Jahre alten APU von AMD in Spielen unterliegt, stellt Intel hingegen abermals ein ganz anderes Zeugnis aus: Die CPU ist stark, die GPU kein Kaufargument.

Kein Wunder: Die Grafikeinheit ist nach frühen Erfolgsmeldungen zuletzt kaum weiter ausgebaut worden. Auf dem Papier heißt die neueste Grafikeinheit zwar Gen9.5 und wurde insbesondere um Funktionen im Video-Prozessor erweitert, die klassische GPU ist seit Haswell/Broadwell aber kaum optimiert worden. Und weil sie damals bereits keine Chance hatte, sieht sie gegen Vega gar kein Land mehr.

Intel weiß das und schickt deshalb in einem ersten Testlauf Intel-CPU-Kerne gepaart mit Vega-Grafik ins Rennen. Diese Systeme werden Raven Ridge schlagen, allerdings zu horrenden Kosten und nur in ausgewählten Märkten. Erst in Zukunft, so hofft man im Unternehmen, wird es schnellere eigene Grafiklösungen geben. Nach dem letzten großen Fehlschlag Larrabee soll es nun AMDs geschasster Grafikchef Raja Koduri höchstpersönlich richten. Die Zeit wird zeigen, was daraus wird.

Bristol Ridge nicht im Desktop zu bringen, war richtig

Mit dem Test von Raven Ridge für den Desktop wird heute auch klar, warum AMD Bristol Ridge für Endkunden quasi nicht mehr vorgesehen hat. Die APUs sind nicht mehr konkurrenzfähig und waren es auch 2017 schon nicht. Als erste CPU-Serie für Sockel AM4 hätte Bristol Ridge direkt ein schlechtes Bild auf die Plattform geworfen.

Mit Raven Ridge liegt das Thema Bulldozer und dessen Modulbauweise sowie Erben endgültig bei den Akten.

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