MasterWatt und RevoBron im Test: Cooler Master und Enermax im Duell mit be quiet! und Corsair 3/5

Nico Schleippmann 37 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Anhand der Messungen der drei Auslastungsstufen von 20, 50 und 100 Prozent mit einer Eingangsspannung von 115 V kann den Netzteilen die Konformität zu 80Plus Bronze nachgewiesen werden. Das Cooler Master MasterWatt 450W liegt sogar ein gutes Stück oberhalb der Anforderungen und ist beinahe auf 80Plus-Silber-Niveau.

Mit einer Eingangsspannung von 230 V und identischen Lasten beider Testprobanden, wie es der Graph mit „festen Lasten“ zeigt, schwindet der Vorteil des MasterWatt 450W gegenüber dem Enermax RevoBron 500W. Bei hoher Auslastung ist das MasterWatt 450W nur noch geringfügig vorn, bei geringer Auslastung geht aber das RevoBron 500W minimal in Führung.

Bei einer Belastung von nur 6 Watt im Leerlauf eines sehr sparsamen Systems arbeiten beide Probanden überaus effizient und nehmen sogar weniger Leistung aus dem Netz auf als die aufgelisteten 80Plus-Gold-Netzteile von BitFenix, Inter-Tech und Sea Sonic.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Dank der aktiven Leistungsfaktorkorrekur belasten die Netzteile das Energieversorgungsnetz kaum mit Blindleistung.

Spannungsregulation

Die Lastregelung funktioniert beim MasterWatt 450W besonders gut auf der 12-Volt-Schiene und beim RevoBron 500W auf der 5-Volt-Schiene. Etwas größer fallen die Abweichungen auf der 3,3-Volt-Schiene aus. Allerdings ist die Lastregelung der 3,3- und 5-Volt-Schiene (Minor-Rails) für moderne Systeme von geringerer Bedeutung, weil deren Last relativ konstant bleibt. Aus diesem Grund können bei „festen Lasten“ immer noch relativ gute Ergebnisse verzeichnet werden. Nur auf der 12-Volt-Schiene des RevoBron 500W sind die relativen Abweichungen erneut etwas größer, bleiben aber weit innerhalb der Spezifikation.

Restwelligkeit

Mit nur etwa 40 mV bleibt die Restwelligkeit auf der 12-Volt-Schiene stets sehr niedrig. Auf den Minor-Rails ist die Filterung etwas schlechter, die Wechselspannungsanteile bleiben aber durchgängig innerhalb der Toleranzgrenzen. Die geringere Belastung der Minor-Rails kommt den Netzteilen im Test mit festen Lasten erneut zugute, weshalb nun deutlich bessere Ergebnisse erzielt werden.

Schutzschaltungen

Im Test der Schutzschaltungen hinterlässt das RevoBron 500W das bessere Bild. Die Umsetzung ist vollständig und die Überstromsicherung (OCP) greift mit der Aufteilung auf zwei 12-Volt-Schienen mit Strömen von maximal 39 A effektiver als mit einer Single-Rail des MasterWatt 450W. Zwar ist bei beiden Netzteilen der Überlastschutz (OPP) nicht korrekt eingestellt, weshalb sie mit einer starken Überlast nur aufgrund der abfallenden Ausgangsspannung eingreifen, doch ein Problem ist das nur für das MasterWatt 450W. Dessen OPP dient nämlich auch als OCP der 12-Volt-Schiene, sodass letztendlich beide Schutzfunktionen wirkungslos bleiben. Der Überhitzungsschutz (OTP) konnte bei einer Temperatur von rund 70 °C am Kühlkörper der sekundärseitigen Gleichrichter ausgelöst werden.

Cooler Master MasterWatt 450W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 27 A
5 V OCP 20 A 29 A
12 V OCP 37,5 A 60 A (keine OCP vorhanden; Abschaltung bedingt durch UVP bei unter 9,8 V)
OPP 450 W >600 W (Abschaltung bedingt durch UVP bei unter 9,8 V)
Enermax RevoBron 500W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 22 A 30 A
5 V OCP 18 A 30 A
12 V1 / V2 OCP 25 A 36 A / 39 A
OPP 500 W >620 W (Abschaltung bedingt durch UVP bei unter 8,2 V)
OTP 70 °C

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Beide Netzteile erkennen diese Fehlerfälle korrekt.

Wärmekammer

Für die Netzteile wird versprochen, dass die volle Nennleistung auch bei hohen Umgebungstemperaturen von 40 °C abgegeben werden kann. Wenn das Netzteil mit zur Entlüftung des Systems genutzt wird, können solch hohe Temperaturen auftreten. Viele Gehäuse erlauben mittlerweile aber einen getrennten Luftstrom, was der Lautstärke und Performance des Netzteils zugutekommt. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment, abweichender Lastverteilung bei einer noch höheren Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Ausgangsspannungen MasterWatt 450W RevoBron 500W
12 V 12,03 V 11,96 V
5 V 4,97 V 5,01 V
3,3 V 3,28 V 3,27 V
5 VSB 4,98 V 4,97 V
‑12 V ‑12,11 V ‑12,09 V

Auch unter diesen Extrembedingungen überzeugen die Netzteile mit einer hohen Qualität der Ausgangsspannungen. Die Spannungsregelung sowie die Filterung der Restwelligkeit funktionieren nach wie vor einwandfrei.

Mit 2.020 Umdrehungen pro Minute (UPM) des Lüfters im MasterWatt 450W muss dieser nun aber mit maximaler Drehzahl arbeiten. Mit 1.850 UPM dreht der Lüfter des RevoBron 500W etwas langsamer. Mit einer Temperatur des Sekundärgleichrichterkühlers von etwa 70 °C droht in diesem Extremszenario eine Abschaltung durch den Überhitzungsschutz. Mit einer Freigabe des Herstellers auf Umgebungstemperaturen von 40 °C wäre eine Abschaltung in einem solchen Fall jedoch nachvollziehbar.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gern am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. Diese Vorgabe können die Netzteile mit Rundung ganz knapp einhalten.

20 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • Corsair TX550M
      11,9
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      12,4
    • Cougar VTX 450W
      14,0
    • Xilence Performance X 550W
      14,2
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Enermax RevoBron 500W
      15,8
    • Cooler Master MasterWatt 450W
      15,9
    • Minimum
      16,0
    • BitFenix Formula Gold 550W
      17,6
    • XFX XT500 (erste Revision)
      18,2
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      22,0
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Inter-Tech Sama Armor 550W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -0,7
    • Minimum
      1,0
    • XFX XT500 (erste Revision)
      1,4
    • BitFenix Formula Gold 550W
      3,5
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • Cooler Master MasterWatt 450W
      3,9
    • Corsair TX550M
      3,9
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • Xilence Performance X 550W
      4,5
    • Enermax RevoBron 500W
      4,8
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • Sea Sonic Focus Plus Gold 550W
      6,2
    • Cougar VTX 450W
      7,1

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann – mit 4 bis 5 ms erfüllen die Testprobanden diese Vorgabe klar.

ErP Lot 6 2013 MasterWatt 450W RevoBron 500W
Keine Last 0,21 0,16
45 mA auf 5 VSB 0,48 0,44
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Im lastfreien Standby-Modus sind die Netzteile mit ungefähr 0,2 W Leistungsaufnahme relativ sparsam. Mit einer Belastung von 45 mA können die Netzteile die EU-Norm mit dem Grenzwert von 0,5 W nur knapp einhalten.

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