Intel Loihi: Erstes echtes Test-Board gezeigt, Community gegründet

Volker Rißka 18 Kommentare
Intel Loihi: Erstes echtes Test-Board gezeigt, Community gegründet
Bild: Intel

Nach den Querelen um übertriebene Photoshop-Bilder und wenigen Details zu Intels neuem großen Forschungsprojekt Loihi, zeigt sich das Unternehmen jetzt ein wenig offener. Nicht nur gewährt es den Blick auf eines der ersten Testboards, sondern will auch eine Community rund um die Thematik des Neuromorphic Computing gründen.

Im Rahmen der Veranstaltung Neuro Inspired Computational Elements (NICE) hat Intels neuer CTO Michael Mayberry zusammen mit dem Chef des Neuromorphic-Projekts bei Intel Mike Davies und seinen Kollegen das Projekt Loihi ein wenig weiter detailliert und in dem Zusammenhang eine erste Forschungsplatine präsentiert. Nachdem bekannt wurde, dass der Loihi-Chip lediglich 60 mm² groß ist, dürften auf der Platine gleich vier dieser Chips zu sehen sein, analysiert David Schor für WikiChip treffend. Damit würde die Anzahl der sogenannten Neuromorphic Cores auf 512 steigen (vier Mal 128), insgesamt wären es demnach dann 524.288 „Neuronen“, die über ein Mesh-Netzwerk kommunizieren. Zum Vergleich: Das menschliche Gehirn beherbergt rund 86 Milliarden Nervenzellen.

Laut Intel wurde die Entwicklerplatine im November des letzten Jahres fertiggestellt, daran laufen in den Intel Labs jetzt erste Tests, doch auch externe Einrichtungen sollen bereits Zugang zu der Hardware erhalten.

Test-Board mit Intels Loihi-Chips
Test-Board mit Intels Loihi-Chips (Bild: Intel)

In einen kurzen Video zeigt Intel nicht nur, dass das Projekt wirklich am Leben ist und erste Ergebnisse liefern kann, sondern auch, was damit möglich wird. Dabei geht es in einem ersten einfacheren Testlauf unter anderem um Bild- und Objekterkennung. Bereits angelernte Objekte erkennt der Chip sehr schnell aus allen Winkeln wieder, neue Objekte werden extrem schnell identifiziert und „abgespeichert“. Der Chip soll das menschliche Gehirn nacheifern, denn auch dieses lernt noch nie gesehene Dinge in kurzer Zeit und erkennt sie dann unabhängig zu bereits länger bekannten Dingen wieder – auch von hinten, wie in dem Video demonstriert. Nicht nur ist die dafür benötigte Zeit bereits mit dem frühen Testsample sehr kurz, die dafür benötigte Leistung von „Loihis Gehirn“ wurde mit nur einem Prozent Auslastung lediglich angekratzt, der Stromverbrauch von wenigen Milliwatt ist ein weiterer großer Vorteil.

Die zukünftige Arbeit besteht daran, diese Fähigkeiten zu skalieren und auszubauen, mit dem Ziel, zeitintensive Arbeit, die bisher nur vom menschlichen Gehirn geleistet werden kann, zumindest zum Teil abzunehmen. Dabei soll eine von Intel ins Leben gerufene Forschungsgruppe helfen. Die Rahmenbedingungen dazu hat der Konzern in einem Blog-Post zusammengefasst.

Neben Intel arbeiten aber auch allen voran IBM und viele weitere Forscher an unterschiedlichen Teilbereichen zu dem Thema. Mit dabei waren auf dem Symposium in den USA auch zwei große deutsche Projekte, die unter der Schirmherrschaft des Human Brain Project der Europäischen Union in enger Zusammenarbeit mit Neurowissenschaftlern entwickelt wurden: BrainScaleS-2 von der Universität Heidelberg und die zweite Generation des SpiNNaker der TU Dresden. Einige Details zu den beiden Lösungen stellte kürzlich die Uni Heidelberg bereit.