Apple iPad (2018) im Test: Das beste Tablet für jedermann

Nicolas La Rocco 301 Kommentare
Apple iPad (2018) im Test: Das beste Tablet für jedermann

tl;dr: Apples neues iPad (2018) der sechsten Generation will so gar nicht in die vielerorts herrschende Meinung zum Unternehmen aus Cupertino passen: Es ist vergleichsweise günstig und liefert dennoch eine überzeugende Leistung ab. Viel zu überlegen gibt es beim Kauf deshalb nicht, es ist das beste Tablet für jedermann.

Neues iPad ohne neues Design

Ein iPad ist ein iPad ist ein iPad: Soll heißen, dass auch die sechste Generation iPad über weite Bereiche noch genauso aussieht wie das 2013 vorgestellte erste iPad Air, das erstmals mit dünneren Display-Rändern als alle vorherigen Modelle auf den Markt kam. Seitdem ist einzig Touch ID als äußeres Unterscheidungsmerkmal der Vorderseite hinzugekommen und die Hardware im Inneren deutlich aufgewertet worden.

Warum jetzt alle von der sechsten Generation iPad sprechen, ist einfach erklärt: Bei dieser Zählweise werden iPad Air und iPad Air 2 nicht mitgezählt. iPad mini und iPad Pro werden ohnehin als eigenständige Serien gesehen, wenngleich es die erste Generation iPad Pro auch schon mit 9,7 Zoll statt jetzt 10,5 Zoll und sehr ähnlichem Design gab.

Unterschiede zum iPad Pro

Apropos iPad Pro: Die Unterschiede gegenüber Apples teurerem Tablet sind in puncto Leistung nicht so groß, wie es der Name vielleicht suggerieren mag. Selbst die erste Generation iPad Pro (Test) hängt Apple mit dem neuen Tablet stellenweise ab. Dennoch ist es wichtig, herauszustellen, welche Unterschiede Käufer eines iPad gegenüber einem iPad Pro erwarten respektive welche Features fehlen. Das sind im Folgenden:

  • Laminiertes Display ohne Lücke zwischen Panel und Glas
  • Display mit True Tone für automatische Anpassung des Weißpunkts
  • ProMotion-Display mit bis zu 120 Hz
  • Antireflex-Beschichtung des Displays
  • Display mit großem Farbraum (P3)
  • Kamera des iPhone 7 (12 MP, f/1.8, OIS, LED, Auto-HDR, 4K, 240 FPS)
  • Neue FaceTime-Kamera mit 7 MP, 1080p-Video und Auto-HDR
  • 4 GB statt 2 GB Arbeitsspeicher
  • drei statt zwei aktive iOS-Apps
  • Touch ID der zweiten Generation
  • Vier statt zwei Lautsprecher
  • Besser integrierte WLAN- und Mobilfunkantennen
  • Integrierte Apple SIM
  • Speicheroptionen mit 64, 128 oder 512 GB (nur 32 oder 128 GB)
  • Smart Connector für Verbindung mit Smart Keyboard

Das klingt zunächst einmal nach vielen Abstrichen, fühlt sich im Alltag bis auf wenige Ausnahmen aber trotzdem nach einem gelungenen Gesamtpaket an. Zumal Apple auch beim günstigen iPad nicht am schönen Gehäuse aus Aluminium und der piekfeinen Verarbeitung gespart hat, die alle aktuellen Tablets des Herstellers vorweisen.

Display ist heller geworden

Viele der Veränderungen betreffen das Display, das von den Spezifikationen her noch dem ersten iPad Retina von 2012 entspricht: 9,7 Zoll, 4:3-Format und 2.048 × 1.536 Pixel. In Sachen Helligkeit und Darstellungsqualität entspricht das IPS-Panel fairerweise aber eher dem Display des iPad Air 2, wenngleich Apple die Laminierung von Panel und Glas unverständlicherweise wieder entfernt hat. Immerhin ist die Helligkeit dafür um 20 Prozent auf über 500 cd/m² gestiegen.

Die Laminierung von Panel und Glas sorgt dafür, dass der dargestellte Inhalt im übertragenen Sinne angefasst werden kann. Außerdem reduziert das Fertigungsverfahren potenzielle Reflexionen im Display. Dass die Laminierung beim neuen iPad fehlt, lässt sich mit Blick in den Rahmen des Displays erkennen, sobald das Tablet zur Seite geneigt wird. Im Direktvergleich mit einem iPad Pro ist der kleine Abstand zwischen Display und Glas auch von vorn betrachtet zu erkennen.

Ob das ein Luxusproblem ist oder tatsächlich im Alltag in jeder Situation auffällt, ist auch davon abhängig, ob vorher für längere Zeit ein iPad mit laminiertem Display verwendet wurde und ob man als Anwender überhaupt weiß, dass es laminierte und nicht laminierte Displays gibt. Einmal gesehen, ist es anschließend kaum mehr möglich, den Abstand nicht mehr zu sehen. Wen solche kleinen Details nicht interessieren, und das dürfte bei vielen Kunden aus Unwissenheit der Fall sein, der wird sich nicht daran stören.

Ein fader Nachgeschmack bleibt an dieser Stelle aber dennoch, da Apple nicht nur dieses Feature ja schon einmal beim iPad Air 2 hatte und seit dem iPad (2017) wieder entfernt hat. Das gilt auch für die Antireflex-Beschichtung des Displays. Das iPad (2018) ist in diesem Punkt sichtbar dem iPad Air 2 und allen iPad Pro unterlegen.

Dass darüber hinaus True Tone für die automatische Anpassung des Weißpunkts, die ProMotion-Technologie mit bis zu 120 Hz und die Darstellung des größeren P3-Farbraums fehlen, ist hingegen völlig zu vernachlässigen, eben weil diese Features auch vorher nicht in der normalen iPad-Serie vorhanden waren und somit dem Käufer nicht im Nachhinein wieder genommen werden. Natürlich ist vor allem die 120-Hz-Darstellung der zweiten Generation iPad Pro ein wahrer Augenschmaus, doch diese und die anderen fehlenden Technologien machen sich im Alltag nicht negativ bemerkbar.

Im Alltag sticht dann jedoch positiv hervor, dass Apple das Display vom Weißpunkt her sehr gut abgestimmt hat. True Tone für die automatische Anpassung des Weißpunktes braucht es damit quasi nicht, mit einer Kalibrierung ab Werk auf 6.600 Kelvin ist der Weißpunkt optimal eingestellt. Beim Kontrast, der mit 930:1 auf dem Niveau des iPad Air 2 liegt, kann das neue iPad jedoch nicht mehr mit den aktuellen Geräten mithalten. Das iPad Pro kommt hier je nach Variante auf 1.200:1 bis 1.600:1.

Apple Pencil wird unterstützt

Neu hinzugekommen ist die Unterstützung für den Apple Pencil, der bisher ausschließlich in Verbindung mit einem iPad Pro verwendet werden konnte. Schreiben und Zeichnen fühlen sich damit abgesehen von der fehlenden Laminierung im gleichen Maße an wie auf der ersten Generation iPad Pro. Ohne die Laminierung fehlt ein wenig der direkte Kontakt zwischen Stiftspitze und „Tinte“ auf dem Display. Zur Vorstellung des neuen iPad hat Apple das Tablet und den Apple Pencil vor allem für das Bildungssegment beworben, hier ist der Preis für das Zubehör mit 99 Euro aber zu hoch. Das entspricht beinahe einem Drittel des Preises des Tablets selbst (32 GB, WLAN für 349 Euro). Zerbrechlich und einfach unpraktisch fühlt sich nach wie vor das Aufladen des Stylus über die Lightning-Buchse des Tablets an.

Leistung für Jahre

In Sachen Leistung macht das neue iPad einen großen Sprung nach vorn, wenngleich ComputerBase das iPad (2017) nie im Test hatte und somit hierzu Vergleichswerte fehlen. Die Hardware des letztjährigen Modells entspricht der des iPhone 6s, während das neue iPad mit dem Chip des iPhone 7 ausgerüstet ist. Der A10 Fusion ist ein Quad-Core- statt Dual-Core-Chip und als GPU mit einer aufgebohrten Variante der PowerVR Series 7XT GT7600 von Imagination Technologies ausgestattet. Obwohl im iPad nur 2 statt 4 GB Arbeitsspeicher stecken, rennt das Tablet nur so durch alle Benchmarks. Eine Einschränkung gibt es jedoch beim Multitasking: Bei zwei aktiven Apps im „Split View“ wird bei einer dritten App im „Slide Over“ die letzte App nicht mehr von iOS aktiv gehalten. Drei aktive Apps sind somit den iPad Pro vorbehalten.

Schneller als das iPad sind nur die noch besseren iPad Pro und in manchen Tests die Tablet-Einheiten von 2-in-1-Geräten wie dem Microsoft Surface oder Surface Book, die mit vollwertigen Notebook-Prozessoren ausgerüstet sind und viel mehr Energie verbrauchen. Erfreulich beim iPad ist außerdem, dass es die Leistung nicht nur unter der Haube hat, sondern diese auch auf die Straße bringt. Nichts ruckelt oder wird von zu langen Ladezeiten unterbrochen. Hier spielt die Kombination aus selbst entwickelter Hardware und iOS jedes Android-Tablet an die Wand. Für Besitzer eines iPad Air ist das neue iPad ein Riesenschritt nach vorn, Besitzer noch älterer Apple-Tablets dürften geradezu erstaunt von der Leistung sein, die auch für die nächsten Jahre und iOS-Versionen noch mehr als ausreichend sein wird.

Viele iOS-Updates

Gut ausfallen dürfte auch der iOS-Support des Tablets. Zwar gibt es von Apple keine Garantie für Updates, doch zeigen Erfahrungen mit früheren iPads und iPhones, dass der Hersteller erst sehr spät keine neuen Betriebssysteme mehr anbietet. Das aktuelle iOS 11 wird zum Beispiel noch für das iPad Air und iPad mini 2 angeboten, die im November 2013 auf den Markt kamen. Kein einziges Android-Tablet bietet einen vergleichbaren OS-Support, zumal bei Apple mit OS-Ankündigung auch sofort die Verfügbarkeit gegeben ist. In Googles Welt vergehen dazwischen häufig mehrere Monate.

iOS mit zwei aktiven Apps im Modus Split View
iOS mit zwei aktiven Apps im Modus Split View

Auf der nächsten Seite: Alte Multimedia-Features