Always Connected PC: Microsoft geht auf Distanz zu Qualcomm und ARM

Volker Rißka 69 Kommentare
Always Connected PC: Microsoft geht auf Distanz zu Qualcomm und ARM
Bild: Qualcomm

Nach den schlechten Rezensionen der ersten Modelle, die zur Familie der Always Connected PCs auf ARM-Basis gehören, geht Microsoft schon wieder auf Distanz zu Qualcomm und deren Snapdragon-SoC. Das Komplettpaket überzeugt bei weitem nicht so wie ursprünglich einmal angedacht, Microsofts schnelle Distanzierung überrascht aber.

Fast zwei Jahre wurde die Werbetrommel für den Always Connected PC gerührt, in diesem Jahr ging es nun endlich los. Qualcomm hatte dafür sein letztjähriges Flaggschiff-SoC Snapdragon 835 (Test) fit gemacht, gemeinsam mit Microsoft strebte man in Notebooks eine Balance zwischen Laufzeit und Leistung an und nicht die Leistungsspitze. Die vorab bereits mitgeteilten Unterschiede zwischen Always Connected PC und Notebook zum Nachteil des Snapdragon 835 seien für den Endanwender im Alltag weniger ausschlaggebend als etwa eine lange Laufzeit, argumentierten die Unternehmen.

Erste Tests waren ernüchternd

Doch die ersten Tests sahen dies anders. Denn die Leistungsunterschiede waren oft größer als erwartet, was von der zwar etwas besseren Laufzeit ein Stück weit aufgefangen wurde – aber bei weitem nicht so wie erhofft. Hinzu kam der Preis. HPs seit Mitte März dieses Jahres verfügbares Envy X2 (nicht in Deutschland) kostet mindestens 1.000 US-Dollar und bietet dafür auf 12,3 Zoll nur Full HD, 4 GByte RAM und lediglich 128 GByte Massenspeicher.

Kein gutes Licht auf die Geräte wirft auch die Tatsache, dass sich ComputerBase seit mehreren Monaten bei einem namhaften Hersteller um ein Testgerät bemüht. Das soll allerdings erst dann verschickt werden, wenn größere Probleme in Sachen Leistung per Update ausgebügelt werden konnten. ComputerBase weiß von einer anderen Redaktion, dass der Test aufgrund der vorliegenden Probleme deshalb seit längerer Zeit zurückgehalten wird.

Ein Dorn im Auge ist auch die Emulation von x86-64-Bit-Anwendungen. Im Gegensatz zum gescheiterten Windows RT bringt Windows 10 on ARM allerdings eine x86-Emulation mit, so dass viele klassische Windows-Programme zukünftig auch auf den ARM-SoCs laufen werden. In diesen Tagen will Microsoft ein SDK bereitstellen, mit dem Softwareanbieter ihre 64-Bit-Programme neu kompilieren müssen, damit sie in 64 Bit unter Windows 10 on ARM laufen. Ähnliches hatte Qualcomm im Februar angekündigt.

Windows on ARM doch ein „Windows RT 2.0“?

Doch laut Windows Central ist zumindest Microsoft bereits ein wenig auf Distanz zu Qualcomm und ARM gegangen. Was bisher als große Partnerschaft präsentiert wurde, klingt nach den Worten von Microsoft's Windows General Manager Erin Chapple nun anders: „We [Microsoft] don't equate 'Always Connected PC' with Qualcomm.“.

Da es unter den anderen Anbietern leistungsstarker ARM-SoCs aber bisher keine Unterstützung der neuen Plattform gibt, wird der Always Connected PC in Zukunft wohl doch wieder eine klassische x86-CPU mit passendem Modem beherbergen. Die Zukunft heißt dort ohnehin 5G, Intel will passende Notebooks mit namhaften Herstellern wie Dell, HP und Lenovo bereits im kommenden Jahr ausliefern. Was das für Windows on ARM heißt, bleibt abzuwarten. Die Unkenrufe bereits vor dem Start nach „Windows RT 2.0“ könnten am Ende doch zutreffend sein.