Deutsche Telekom: Berlin wird Deutschlands erste 5G-Stadt

Nicolas La Rocco 50 Kommentare
Deutsche Telekom: Berlin wird Deutschlands erste 5G-Stadt
Bild: Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom will Berlin zur ersten 5G-Stadt Deutschlands verwandeln. Dafür nimmt das Telekommunikationsunternehmen im ersten Schritt sechs kommerzielle Antennen in Betrieb. Bis zum Sommer sollen 70 Antennen an mehr als 20 Standorten folgen. Das 5G-Cluster soll Testergebnisse für den kommerziellen Betrieb liefern.

Dass Berlin bei der Einführung des nächsten Mobilfunkstandards 5G hoch bei der Deutschen Telekom im Kurs steht, ist spätestens seit der Errichtung von vier 5G-Funkzellen an drei Berliner Standorten im Oktober des letzten Jahres bekannt.

Auf den letztjährigen Testbetrieb mit damals noch einer Orientierung am weltweiten 3GPP-Entwurf 5G New Radio an den Standorten Winterfeldstraße (zwei Zellen), Martin-Luther-Straße und Pohlstraße folgt nun die Montage der ersten sechs kommerziellen Antennen. Je drei sind in der Leipziger Straße und der Winterfeldtstraße, wo die Deutsche Telekom mit dem Hub:raum einen Inkubator betreibt. In diesem ersten Schritt hat das neue 5G-Cluster eine Breite von bis zu fünf Kilometern. Zum ersten Testbetrieb im letzten Jahr war die Finalisierung des 5G-Standards 3GPP Release 15 für den Rollout von 5G New Radio (NR) in der Non-Standalone-Variante (NSA) noch nicht abgeschlossen gewesen. Dies ist aber seit Dezember des letzten Jahres der Fall.

5G NSA bringt zunächst schnellen Datenkanal

5G Non-Standalone besteht anders als 5G SA (Standalone) noch primär aus einem klassischen LTE-Netz, das Enhanced Mobile Broadband (eMBB) mit einer höheren Datenrate und reduzierten Latenzen auf dem Datenkanal bietet. Dieser Betriebsmodus soll in den Anfangszeiten von 5G eine wichtige Rolle spielen, bevor im Verlauf des kommenden Jahres die Spezifikationen für 5G SA verabschiedet werden sollen, das LTE nur noch als Fallback verwenden wird. Laut 3GPP ist dieser Schritt für Ende des zweiten Quartals 2018 geplant.

Wir setzen unseren Weg zur Einführung von 5G in 2020 konsequent weiter fort“, so Claudia Nemat, Vorstand Technologie und Innovation bei der Deutschen Telekom. „Im Herzen von Berlin machen wir heute den nächsten entscheidenden Schritt und zeigen, dass nun bereits kommerzielle 5G Technik in unser Netz integriert wird und funktioniert. 5G wird liefern, was es in Sachen Mobilität, Geschwindigkeit und niedriger Latenz verspricht.“ 5G verspricht deutlich mehr Endgeräte pro Funkzelle, Geschwindigkeiten im Bereich von mehreren Gigabit pro Sekunde und Latenzen von teils nur einer Millisekunde. Bis zum Sommer sollen 70 Antennen an mehr als 20 Standorten folgen.

Unterscheidung zwischen Non-Standalone und Standalone
Unterscheidung zwischen Non-Standalone und Standalone

3,7-GHz-Spektrum im Rahmen einer Testlizenz

Wie bereits im letzten Jahr angekündigt plant die Deutsche Telekom den kommerziellen 5G-Rollout zunächst im 3,7-GHz-Spektrum, bevor zu einem späteren Zeitpunkt auch hierzulande das Millimeterwellenspektrum genutzt werden soll. Das wiederum wird zum Beispiel in den USA zum Start eine größere Rolle spielen, um etwa bei Verizon auf der letzten Meile Glasfaser durch WTTX zu ersetzen. Grundsätzlich will auch die Deutsche Telekom 5G für die letzte Meile verwenden – Virtual Fiber nennt sich das Produkt.

5G als Virtual Fiber für die letzte Meile
5G als Virtual Fiber für die letzte Meile

Für die sechs 5G-Antennen in Berlin hat die Deutsche Telekom eine Testlizenz erhalten. Das Unternehmen bezeichnet das 3-GHz-Band als eines der Startbänder für 5G. Basis für das 5G-Spektrum und weitere Planungen werde die Lizenz- und Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur sein. Hier gibt es von Mobilfunkanbietern und Netzausrüstern wie Huawei immer wieder die Forderung, die Vergabe zu niedrigen Kosten zu ermöglichen, um das Geld stattdessen in die Infrastruktur investieren zu können.

Huawei ist erneut Technik-Partner

Die Hardware an den neuen 5G-Standorten stammt wie im letzten Jahr von Huawei. Die Technik soll im späteren Verlauf realer Bestandteil des zukünftigen 5G-Netzes der Deutschen Telekom werden und nicht wieder abgebaut werden. Technik, Software und Terminals basieren auf dem eingangs erwähnten 5G-Standard 3GPP Release 15. Dieser hat den Vorteil, kompatibel zu 5G Standalone zu sein, sodass jetzt getätigte Investitionen von Netzausrüstern, Mobilfunkanbietern und Endgeräte-Herstellern mit fortlaufender Standardisierung von 5G nicht neu getätigt werden müssen. In Berlin wird die 5G-Technik in die Live-Netzinfrastruktur integriert und interagiert so mit der LTE-Technologie der Deutschen Telekom. Dies beschreibt das Szenario des zunächst schnellen Datenkanals.

Im mittleren Frequenzband unterhalb von 6 GHz sind neben Geschwindigkeiten im Bereich von mehreren Gigabit pro Sekunde aber auch die breite Abdeckung und niedrige Latenzen im Bereich weniger Millisekunden Kernmerkmale von 5G. Entscheidend für die Steigerung von Kapazität und Datenraten ist der Einsatz von Massive MIMO bei den Sende- und Empfangsantennen. In Berlin sind es pro 5G-Antenne genau genommen bis zu 64 Antennen. Mit Hilfe von Multi-User-Beamforming der Sendeantennen kann zudem die Effizienz des Frequenzspektrums erhöht werden.

5G-Smartphones kommen 2019

Wir stellen die Weichen für die Zukunft schon heute: Unser Netz ist einsatzbereit, wenn die ersten 5G-fähigen Smartphones auf den Markt kommen, sagte Walter Goldenits, Geschäftsführer Technologie der Telekom Deutschland. Bei den Smartphone-Chip- und Modem-Lieferanten Huawei und Qualcomm soll dies 2019 der Fall sein.