Battlefield V: Frauen bleiben im Spiel und als Ge­sprächs­thema

Max Doll 95 Kommentare
Battlefield V: Frauen bleiben im Spiel und als Ge­sprächs­thema
Bild: EA

Ein Gameplay-Trailer, der weibliche Protagonisten für Battlefield V ankündigte, hat eine wochenlange, hitzige Diskussion ausgelöst, die auf Reddit zwischenzeitlich außer Kontrolle geriet. Die Folge ist eine neue Regel für das Battlefield-Unterforum. EA hält indessen trotz aller Kritik an weiblichen Charakteren fest.

Im Battlefield-Subreddit wird die Diskussion der weiblichen Protagonisten künftig auf den Customization-Thread beschränkt. In der Ankündigung finden die Moderatoren deutliche Worte: „Wir haben genug, es ist vorbei“, heißt es: „Neue Regel: Kein Nörgeln über historische Genauigkeit mehr, es ist ein Spiel, kein Geschichtsbuch“. Als Grund wird die Unfähigkeit der Nutzer zu einer „friedlichen Diskussion“ angeführt. Zwar sei die Kritik zulässig, die Form aber nicht.

Zudem hätten Nutzer in noch nie gesehener Anzahl zum „Brigading“ gegriffen, sich also in Gruppen zusammengefunden, um jedwede Diskussion gezielt entgleisen zu lassen und Nutzer zum Schweigen zu bringen. „Hasst uns soviel ihr wollt, aber wir haben genug von von diesem Schwachsinn“, halten die Moderatoren fest. „Wir haben genug davon, unsere Zeit mit so etwas zu verschwenden. Jedes Argument ist gesagt worden, nein, ihr seid nicht Sexisten oder sonst was, aber es wird jetzt repetitiv“. Um Zensur, wie von einigen Nutzern angebracht, handelt es sich aber nicht: Kritik am Spiel und an der Existenz von Frauen ist weiterhin möglich, nun aber auf einen Ort beschränkt.

Umstrittenes Thema

Wie umstritten das Thema ist, zeigt auch eine Umfrage von GameStar. Von den 10.853 Teilnehmern waren rund 96,6 Prozent männlich, 85 Prozent zwischen 20 und 40 Jahre alt. Die Ergebnisse sind im Detail interessant: Knapp 37 Prozent der Befragten ist das Geschlecht der Figuren egal, 34 gefallen Frauen als Protagonisten „eher schlecht“ oder „nicht“, 28,6 Prozent finden sie „eher gut“ oder „gut“.

Die Seite schlüsselt das Ergebnis zudem nach Alter auf: Ab einem Alter von 40 Jahren nimmt die Anzahl derjenigen, die die Entwicklung gut finden überhand, zwischen 30 und 39 Jahren herrscht Gleichstand. Auf Ablehnung stoßen die weiblichen Spielfiguren erst bei der jüngsten Gruppe, die zwischen 20 und 29 Jahre alt ist – und, weil sie das Gesamtergebnis beeinflusst, die Mehrheit der Umfrageteilnehmer gestellt haben muss.

EA: Akzeptieren oder nicht kaufen

EAs Chief Creative Officer Patrick Soderlund verteidigte die Entscheidung gegenüber Gamasutra erneut. Dabei wählte auch er deutliche Worte: Battlefield V gehe es in vielen Aspekten um „das Ungesehene, das nicht Erzählte, das nicht Gespielte“. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung habe es aber eine „Menge Frauen“ gegeben, die am Zweiten Weltkrieg teilgenommen und gekämpft hätten.

These are people who are uneducated—they don't understand that this is a plausible scenario, and listen: this is a game. And today gaming is gender-diverse, like it hasn't been before. There are a lot of female people who want to play, and male players who want to play as a badass [woman].

Patrick Soderlund

Kritiker nannte Soderlund „ungebildet“. Es handle sich noch immer um ein Spiel – und Spiele würden der Vielfalt der Geschlechter so wie noch nie zuvor gerecht. Dafür stehe der Konzern ein, sagte Soderlund. Wer das nicht verstehe, habe zwei Optionen: Diese Haltung akzeptieren oder das Spiel nicht kaufen. Einverstanden sei er mit beiden Varianten.

Die Diskussion auf ComputerBase

Auch auf ComputerBase wurde kontrovers diskutiert. Im Kern diskutierten Nutzer um die Frage, inwiefern EA sich Freiheiten mit dem Setting herausnehmen darf beziehungsweise das Ansinnen der Ankündigung einer realistischen Darbietung widerspricht, inwieweit gegebenenfalls die Atmosphäre zerstört wird und inwiefern die Qualität und Aufmachung des Trailers dem Thema gerecht wird – und ob die Entscheidung pro Frauen im Weltkrieg am Ende doch nur aus monetären Gründen gefallen ist. Immer wieder flammte auch die Frage auf, ab wann und ob hinter Kritik schlicht Misogynie steckt. Eindeutige Antworten konnten nicht gefunden werden.