Sicherheits-Start-up: Twitter kauft Smyte und schmeißt Kunden raus

Dieter Petereit 64 Kommentare
Sicherheits-Start-up: Twitter kauft Smyte und schmeißt Kunden raus
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Es ist der Albtraum jedes Seitenbetreibers: Ein für die Abläufe wesentlicher Drittanbieter stellt plötzlich und ohne Vorwarnung seinen Dienst ein. So ging es jüngst den Kunden des von Twitter übernommenen Sicherheits-Start-ups Smyte.

Vertrauen und Sicherheit als Dienst

Smyte ist ein Unternehmen, das von ausgewiesenen Experten in den Bereichen Sicherheit und Betrugsabwehr gegründet wurde. „Trust and Safety as a Service” lautete das Credo, also etwa „Vertrauen und Sicherheit als Dienst” in Anlehnung an den etablierten Begriff SaaS (Software as a Service).

In den letzten drei Jahren entwickelte das wenige Dutzend Personen starke Unternehmen Technologien zur Abwehr gängiger Gefahren, denen sich die Betreiber sozialer Netze und anderer Websites mit Community-Ansätzen in verstärktem Maße ausgesetzt sehen. Dabei ging es um technische Sicherheit, aber auch um die Abwehr von Missbrauch, Hate-Speech, die Verbreitung von Fake-News, Spam, Betrug, Mobbing und viele andere überaus unerfreuliche Auswüchse im digitalen Miteinander der heutigen Zeit.

Die Nutzung sozialer Medien ist nicht uneingeschränkt erfreulich.
Die Nutzung sozialer Medien ist nicht uneingeschränkt erfreulich. (Bild: pixabay.com, CC0 1.0)

Zur Kundschaft gehören große Marken, darunter das besonders unter Jugendlichen geradezu boomende Netzwerk Musical.ly, aber auch Dienstleister wie 99Designs oder Zendesk. Über eine API konnten Smytes Kunden die diversen Sicherheitsinstrumente in ihre eigenen Abläufe einbinden, um so ihre jeweilige Infrastruktur mittels künstlicher Intelligenz schrittweise sicherer werden zu lassen.

Twitter kauft Smyte und schaltet die Server ab

Gestern gab Twitter bekannt, Smyte für eine nicht näher bezeichnete Summe übernommen zu haben. Dabei kündigte das soziale Netzwerk an, Smyte nicht als eigenständiges Produkt fortführen zu wollen, sondern die bestehende Kundenbasis abwickeln und die Technologie nur in den eigenen Dienst integrieren zu wollen.

Womit Smytes Kunden, die teils mehrjährige Serviceverträge abgeschlossen hatten, nicht gerechnet haben dürften, ist, dass Twitter unmittelbar nach der Übernahme die Server, respektive die API für den externen Zugriff, abschalten würde. Indes ist offenbar genau das passiert.

Abschaltung der Dienste erfolgte wohl ohne Vorwarnung

Manch verärgerter Kunde berichtet, er habe sich schlichtweg ohne Zugang zum Dienst vorgefunden. Andere sollen wenigstens einen Telefonanruf erhalten haben, dann aber innerhalb weniger Minuten nach Ende des Gesprächs auch abgeschaltet worden sein. Ironischerweise äußern sich betroffene Kunden in großer Zahl über ihre Twitter-Accounts.