World of Warcraft: DirectX 12 macht AMD schneller, Nvidia bricht ein

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Wolfgang Andermahr 378 Kommentare

Frametimes auf einer AMD- und Nvidia-Grafikkarte

Die Frametimes auf einer Radeon RX 580 sind sehr gut. Unabhängig von der API zeigt sich in World of Warcraft eine sehr gleichmäßige Frameausgabe, was sich so auch auf dem Monitor spüren lässt. Ist die Framerate hoch genug, läuft das Spiel butterweich. Die einzige Voraussetzung ist, dass sich DirectX 12 zuerst einige Sekunden „einruckeln“ muss, bevor die Low-Level-API einwandfrei funktioniert. Mit DirectX 11 ist das nicht nötig.

Die GeForce GTX 1060 zeigt wenig verwunderlich ein gänzlich anders Bild. Denn auf einer Nvidia-Grafikkarte ist mit DirectX 12 nicht nur die Framerate schlecht, sondern auch die Frametimes. Meistens läuft das Spiel auch auf einem Nvidia-Beschleuniger gleichmäßig, allerdings gibt es alle paar Sekunden einen heftigen Hänger. Wie häufig und stark diese ausfallen, ist unterschiedlich, gänzlich verschwinden sie aber nie.

Prozessor-Benchmarks von langsam bis schnell

Auf einer Radeon RX Vega 64 und langsameren Prozessoren zeigt sich dann auch, was Blizzard mit DirectX 12 in World of Warcraft eigentlich umsetzen möchte. Denn je langsamer die CPU, desto – wenig verwunderlich – größer wird der Nutzen der Low-Level-API. So profitiert zum Beispiel der Core i7-8700K nur um drei Prozent von DirectX 12, der Core i3-8100 aber schon um fünf Prozent und der Pentium G4560 gar um elf Prozent. Bei den AMD-CPUs sieht es nicht anders aus. Der Ryzen 7 2700X legt um drei Prozent zu, der Ryzen 5 1600X um acht Prozent und der Ryzen 3 2200G um zehn Prozent.

Entsprechend schrumpft der Abstand aller Prozessoren auf den Seiten AMDs und Intels von jeweils 13 Prozent unter DirectX 11 auf fünf Prozent unter DirectX 12. Damit liefert der Pentium G4560 unter DirectX 12 dieselbe Framerate wie ein Core i3-8100 unter DirectX 11. Und der Ryzen 3 2200G mit DX12 mehr Frames als der Ryzen 5 1600X unter DX11. Da die Low-Level-API in World of Warcraft derzeit Probleme auf Nvidia-Grafikkarten bereitet, ist die Aussagekraft der CPU-Benchmarks auf einem GeForce-Beschleuniger derzeit sehr begrenzt und wird nicht weiter kommentiert.

Ein kleiner Schub auf einer Intel-IGP

DirectX 12 ist standardmäßig auch auf einer Intel-IGP aktiviert. Für einen Test mit dem Core i7-8700K und der internen Intel Graphics UHD 630 muss das Spiel auf die Qualitätsstufe 3 und FXAA Niedrig heruntergeschaltet werden, um spielbare Frameraten zu erreichen. Die Automatik des Spiels wählt Stufe 4 aus, doch dann werden in der Testszene nur rund 25 Bilder in der Sekunde erreicht.

Intel IGP – 1.920 × 1.080
  • FPS, Durchschnitt:
    • Intel Core i7-8700K @ IGP DX12
      41,0
    • Intel Core i7-8700K @ IGP DX11
      37,7
  • 99th Percentile (Frametimes in FPS):
    • Intel Core i7-8700K @ IGP DX11
      34,4
    • Intel Core i7-8700K @ IGP DX12
      31,3

Auf einer Intel-GPU ist DirectX 12 in World of Warcraft ein zweischneidiges Schwert. Die Framerate steigt durch die Low-Level-API um neun Prozent an – und das im klaren GPU-Limit –, sodass die Testszene auf über 40 FPS ansteigt. Gleichzeitig fallen die durchschnittlichen Frametimes aber um neun Prozent schlechter aus. Da sich beim Spielen jedoch keine Hänger spüren lassen, lohnt sich ein Blick auf die genauen Frametimes.

Diese zeigen, warum das 99th Percentile schlechter ausfällt. Denn die Testszene läuft mit DirectX 12 zu Beginn für eine kurze Zeit langsamer als mit DirectX 11, danach aber klar schneller. Da darüber hinaus DirectX 11 einen deutlichen Ausreißer im Frameverlauf zeigt und DirectX 12 diesen nicht hat, ist es ratsam, auf einer Intel-GPU in WoW DirectX 12 zu nutzen. Das einzige Problem ist, dass sich das Spiel mit DX12 deutlich länger „einruckeln“ muss als auf AMD-GPUs. Etwa eine Minute ist nach dem Starten des Spiels nötig, bis es ruckelfrei läuft.

Ein kleiner Anfang

World of Warcraft kann derzeit nur bedingt von DirectX 12 profitieren. Dies gilt einzig nur, wenn eine Radeon-Grafikkarte im Rechner steckt und zudem der Prozessor eher zu den langsameren Modellen gehört. Dann legt WoW immerhin um gut zehn Prozent gegenüber DirectX 11 zu. Das gilt auch in dieser Kombination jedoch nur im CPU-Limit. Im GPU-Limit schneiden beide APIs dann gleich gut ab.

Bei einer Nvidia-Grafikkarte gibt es hingegen größere Probleme. Setzt der Spieler bei einer GeForce auf DirectX 12, ist nicht nur die Framerate schlechter als beim Einsatz von DirectX 11, sondern das Spiel stockt auch immer wieder und ist deshalb kaum spielbar. Allerdings sind die GeForce-Grafikkarten in World of Warcraft unter DirectX 11 immer noch schneller als die Radeon-Gegenspieler mit DirectX 12. Unerfahrene Nutzer profitieren sehr davon, dass das Spiel auf einer Radeon automatisch DirectX 12 und auf einer GeForce weiterhin DirectX 11 nutzt.

Nach dem Patch benötigt WoW schnellere Hardware als zuvor

Es ist absolut lobenswert, dass Blizzard selbst 14 Jahre nach dem Erscheinen von WoW immer noch an der Technik schraubt. Doch so interessant DirectX 12 auch ist, bleibt es fraglich, warum das Spiel nach dem Patch generell langsamer läuft als vor dem Update – ohne besser auszusehen. Es benötigt nun deutlich mehr Grafik-Leistung als vor dem Update.

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