Ryzen Threadripper 2000 im Test: 32 Kerne sind verrückt, 16 sehr gut nutzbar

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Volker Rißka et al. 656 Kommentare

Fazit und Empfehlung

Hinweis: Viele der dargestellten Leistungsprobleme des Threadripper 2990WX in Spielen sind auf einen Fehler im verwendeten Grafikkartentreiber von Nvidia zurückzuführen, der zwischenzeitig behoben wurde. ComputerBase wird die Messungen erneut durchführen, sobald die CPU der Redaktion erneut vorliegt.

Der AMD Ryzen Threadripper 2990WX als erster 32-Kern-Prozessor mit 64 Threads für Desktop-PCs ist ein Unikat und der Anblick der Kerne im Task-Manager von Windows immer wieder beeindruckend. So manche vermeintlich perfekt parallelisierte Anwendung offenbart aber schon an dieser Stelle ein Problem: Derzeit tun sich Anwendungen und laut AMD auch Windows noch schwer damit, die 32 Kerne und 64 Threads effizient oder überhaupt auszulasten.

Ryzen Threadripper 2990WX: Manchmal sehr schnell

An eine Skalierung von 60 Prozent gegenüber dem Ryzen Threadripper 2950X in Cinebench R15 kommt dann im Test auch keine andere Software heran. Im Gegenteil: Viele Anwendungen zeigen gegenüber dem Ryzen Threadripper 2950X sogar weniger Leistung.

Dabei scheint das Problem in vielen Fällen auch am internen Aufbau der 32-Kern-CPU zu liegen, deren vier Dies nur über zwei Dies mit dem RAM auf dem Mainboard kommunizieren. Einige Anwendungen zeigen mit dem 2990WX infolgedessen eine Leistung, die seinem Betrieb im Dual- statt Quad-Channel-Modus entspricht. Andere werden trotz Nutzung von 64 Threads offensichtlich über die Speicherbandbreite limitiert – die liegt nämlich unter dem Niveau der 16-Kern-CPU, die nur zwei aktive Dies hat.

AMDs Entscheidung, Ryzen Threadripper 2990WX (32K/64T) und 2970WX (24K/48T) offensiv als Workstation-Prozessoren zu vermarkten, war damit definitiv richtig. Denn nur, wer seinen Arbeitsalltag fest definieren kann und die Leistung der beiden großen Threadripper in seinen Anwendungen kennt, sollte mit den CPUs liebäugeln. In der Breite offenbaren sich hingegen aktuell viel zu viele Probleme, die gegen eine Anschaffung sprechen.

Anders als im Vorfeld der Markteinführung angenommen, kannibalisiert der 2990WX die Epyc-Reihe damit nur im Einzelfall. Der Epyc 7551P taktet mit 180 zu 250 Watt zwar nicht so hoch, bietet dafür jedoch acht Speicherkanäle und kein Durchschleifen der RAM-Datenströme. Mit 2.100 US-Dollar ist der Aufpreis zudem überschaubar, Mainboard starten auch dort bereits ab 355 Euro.

Threadripper-CPUs im Test
Threadripper-CPUs im Test

Threadripper 2950X: 16 Kerne ohne Probleme

Der Ryzen Threadripper 2950X mit 16 Kernen zeigt hingegen ein durchweg positives Bild. Seine Leistung steigt gegenüber seinem Vorgänger in allen Bereichen an und im Sommer 2018 sind auch keine handfesten Probleme mehr im Testparcours zu verzeichnen. Der Prozessor präsentiert so das deutlich rundere Gesamtbild.

Natürlich wollen auch 16 Kerne und 32 Threads von den richtigen Programmen ausgelastet werden, doch sind die durch die Vorarbeit des Vorgängers seit einem Jahr vielfältiger anzutreffen. Und weil auch die 32 Threads heute noch nicht von jeder Software genutzt werden, die sich der Multi-Threading-Unterstützung verschrieben hat, ist auch bei dieser CPU noch Luft nach oben vorhanden.

So oder so sollte am Ende vor dem Kauf klar sein, zu welchem Einsatzzweck die CPU benötigt wird. Die HEDT-Plattform ist und bleibt mit einem deutlichen Aufpreis zur Mittelklasse verbunden, der klassische Gamer ist dort weitaus besser aufgehoben. Doch das Mehr an PCIe-Lanes gepaart mit den richtigen Anwendungen lassen insbesondere den 16-Kerner attraktiv erscheinen. Der 32-Kerner hat im heimischen Desktop hingegen aktuell noch zu viele Baustellen, nur wer damit umzugehen weiß, sollte ihn als Alternative zu Epyc betrachten.

ComputerBase hat das Testkit von AMD unter NDA erhalten. Einzige Vorgabe war der Zeitpunkt zur Veröffentlichung, der von AMD festgesetzt worden war. Eine Einflussnahme auf die Berichterstattung fand nicht statt. Der Bereitstellung dieser Materialien war die Teilnahme an einer Presseveranstaltung Ende Juli in Maranello, Italien vorausgegangen. Die Kosten für An- und Abreise sowie Unterkunft wurden von AMD getragen.

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