Mikrotransaktionen: Auch Finnland nimmt Beuteboxen unter die Lupe

Max Doll 56 Kommentare
Mikrotransaktionen: Auch Finnland nimmt Beuteboxen unter die Lupe
Bild: Clickbait Studios

Auch in Finnland stehen Beuteboxen unter dem Verdacht, Glücksspiel zu sein. Eine Untersuchung soll Gewissheit bringen und klären, ob die Kisten tatsächlich die gesetzlichen Kriterien für eine solche Einstufung erfüllen. Ist das der Fall, wären die Lootkisten illegales, weil unreguliertes Glücksspiel.

Auslöser war eine Anzeige bei der finnischen Polizei, berichtet nyt.fi. Eine Stellungnahme der Behörde oder den Namen des angezeigten Spiels erhielt die Seite nicht, die Untersuchung befinde sich in einem frühen Stadium. Teil der Recherche ist eine Anfrage bei der Lotterie-Behörde des Landes, die erstmals offiziell klären musste, ob Beuteboxen die Kriterien eines Glücksspiels erfüllen.

In Finnland ist das der Fall, wenn eine Summe für eine Aktivität gezahlt wird, bei der eine zufällige Gegenleistung gewährt wird, die in einem Gewinn resultieren kann. Im Bericht wird darüber hinaus der Name von Valve genannt. Untersucht wird mit hoher Wahrscheinlichkeit also entweder Dota 2 oder Counter Strike: Global Offensive. In beiden Spielen können Skins im Steam-Marktplatz zu Geld gemacht werden, sie sind deshalb auch in anderen Ländern in die Kritik geraten.

Wahrscheinlich Glücksspiel

Laut nyt.fi kam die Behörde schon im August zu dem Schluss, das „gewisse Features eines Videospiels mit Beuteboxen“ offenbar die „Definition einer Lotterie“ erfüllen würden. Dabei würden alle vier Kriterien von illegalem Glücksspiel erfüllt: Spieler könnten Kisten ganz oder teilweise durch Zahlungen öffnen, wobei es sich um ein Spiel im Spiel handle. Käufer wüssten darüber hinaus vorab nicht genau, was in Kisten enthalten sei und hätten die Möglichkeit, die erhaltenen Gegenstände entweder über den Publisher oder auf Drittanbieter-Seiten zu Geld zu machen. Als vierter Grund wird aufgeführt, dass Publisher oder Betreiber der Spiele in ihrer gegenwärtigen Form keine Glücksspiel-Lizenz erhalten würden, weil deren Voraussetzungen nicht erfüllt würden.

Deshalb müsse laut der zuständigen Abteilung der Polizei nun exakt bestimmt werden, welche Elemente der Lootboxen problematisch seien. Auch eine Diskussion über die Kisten und die gegenwärtige Glücksspiel-Gesetzgebung sei nötig. Nachdem sich durch nationale und internationale Diskussionen gezeigt habe, dass Lootboxen Elemente beinhalten, die unter die Glücksspiel-Gesetze fallen, sei eine Arbeitsgruppe eingerichtet worden, die seit dem November 2017 tage.

Dort sei zunächst eine genaue Vorstellung der Lootboxen entwickelt worden. Nun versuche die Gruppe zu klären, wie der finnische Staat sich zu den Kisten positioniere. Bis dahin empfiehlt sie Eltern, sich über die Inhalte der von ihren Kindern gespielten Videospiele zu informieren und sie im Zweifelsfall bei vermuteten Verstößen der Lotteriebehöde zu melden. Eine endgültige Klärung steht aber noch aus, die abschließende Beantwortung der Anzeige müsse aufgrund fehlender Präzedenzfälle vor Gericht geklärt werden.

Andere Länder im Blick

Verwiesen wird in dem Bericht auf erfolgreiche Interventionen in Belgien und den Niederlanden. Dort seien Unternehmen vor die Wahl gestellt worden, entweder die Zufälligkeit der Belohnungen oder die Möglichkeit zum Verkauf von Skins aufzugeben, um ihre Spiele den gesetzlichen Bestimmungen anzupassen. Valve, 2K Games und Blizzard hatten ihre Spiele auf eine Aufforderung belgischer Behörden dementsprechend modifiziert, EA hingegen nicht. Der Publisher wird bis zu einem Urteil weiter Lootboxen in FIFAs Ultimate Team verkaufen und muss sich deshalb vor Gericht verantworten.