Galaxy Tab S4 im Test: Samsungs bestes Tablet ist zu teuer

Michael Schäfer 175 Kommentare
Galaxy Tab S4 im Test: Samsungs bestes Tablet ist zu teuer

tl;dr: Samsung möchte mit dem neuen Galaxy Tab S4 Anschluss an Apples iPad-Pro-Linie finden. Dies gelingt trotz des interessanten Desktop-Modus und guter Werte nur teilweise. Den meisten Nutzern dürfte das Tablet für das Gebotene zu teuer sein. Zudem profitiert das iPad Pro von der Anzahl der fürs Gerät optimierten Software.

Rückkehr zu alten Tugenden

Samsung stattet den neuen Ableger der Galaxy-Tab-Reihe mit einem Rahmen aus Aluminium sowie Vorder- und Rückseite aus Glas aus. Dies steigert zwar den qualitativen Eindruck, erhöht aber auch den Reinigungsaufwand in Bezug auf Fingerabdrücke – diese hinterlassen auf beiden Seiten gerne ihre Spuren. Die einzelnen Komponenten sind gut verarbeitet und gehen fast nahtlos und ohne wahrnehmbare Übergänge ineinander über, die Spaltmaße bleiben gering – etwas anderes hätte man zum UVP von 699 Euro des getesteten Modells auch nicht erwarten dürfen.

Neues Nutzungskonzept

Die größte Veränderung gegenüber den Vorgängern, wie etwa dem anderthalb Jahren alten Galaxy Tab S3, ist der Verzicht auf den von Samsung bekannten Home-Button. Der Hersteller setzt mit dem neuen Modell auf die Software-Schaltflächen innerhalb des Android-Systems. Dies birgt den Vorteil, dass entgegen anderen Tablets aus selbem Hause je nach Ausrichtung das versehentliche Auslösen der neben dem Home-Button angebrachten Sensortasten der Vergangenheit angehört. Die Sorge, sich beim Betrachten eines Filmes plötzlich auf dem Homescreen wiederzufinden, ist nun also hinfällig.

Doch kein Licht ohne Schatten, denn durch die neue Lösung entfällt der Fingerabdrucksensor. Stattdessen setzt Samsung nun auf eine Kombination aus Gesichts- und Iris-Erkennung, wie sich auch das Galaxy S9 und S9+ (Test) oder das Galaxy Note 9 (Test) bietet. Dazu später mehr.

Samsung hat die rückseitige Kamera des Galaxy Tab S4 anders positionieren sollen
Samsung hat die rückseitige Kamera des Galaxy Tab S4 anders positionieren sollen

Ungünstige Position der Kamera und des USB-C-Steckers

Das Design des Tablets macht nicht auf Anhieb klar, für welche Ausrichtung es primär vorgesehen ist: Die Position des USB-C-Anschlusses lässt zunächst auf eine Nutzung im Hochformat schließen – die verbauten vier Lautsprecher sprechen dagegen für das Querformat.

Ungünstig gewählt ist zudem die jeweils zentrale Position vorderen und hinteren Kamera. Wird das Tablet quer gehalten, deckt die linke Hand schnell die Frontkamera und damit den Gesichts- beziehungsweise Iris-Scanner und mit den umgreifenden Fingern zugleich die Hauptkamera ab, was außerdem zu verschmutzten Linsen führt. Auf der rechten Seite kann das bequeme Halten durch den USB-C-Stecker oder einen eingesteckten Kabelkopfhörer unterbunden werden.

Im Querformat befindet sich unten auf der Rückseite des Tablets der Pin-Anschluss, mit dem das Tablet mit dem optional erhältlichen Keyboard-Cover gekoppelt werden kann.

Kompakte Maße trotz höherer Dicke

Mit den Maßen 164,3 × 249,3 mm ist das Galaxy Tab S4 für ein Tablet mit einer Bildschirmgröße von 10,5 Zoll sehr kompakt, wofür die schmalen Ränder sorgen. Mit einer Tiefe von 7,1 mm bewegt es sich in aktuell normalen Gefilden, auch wenn Samsung mit dem Galaxy Tab S2 seinerzeit bei einer Tiefe von 5,6 mm schon dünnere Tablets gebaut hat. Mit 482 Gramm ist es zwar kein Leichtgewicht, wirkt aber selbst nach längerem Gebrauch nicht zu schwer.

Samsung Galaxy Tab S4 Apple iPad Pro (2017, 12,9 Zoll) Apple iPad Pro (2017, 10,5 Zoll) Microsoft Surface Go
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.1 iOS 10.3 Windows 10
Display: 10,50 Zoll
1.600 × 2.560, 288 ppi
Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
12,90 Zoll
2.048 × 2.732, 265 ppi
IPS
10,50 Zoll
1.668 × 2.224, 265 ppi
IPS
10,00 Zoll
1.800 × 1.200, 216 ppi
Gorilla Glass 3
Bedienung: Touch, Stylus, Iris-Scanner, Gesichtsscanner Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor Touch, Stylus
SoC: Qualcomm Snapdragon 835
4 × Kryo 280, 2,35 GHz
4 × Kryo 280, 1,90 GHz
10 nm, 64-Bit
Apple A10X Fusion
3 × Hurricane, 2,38 GHz
3 × Zephyr, 1,10 GHz
10 nm, 64-Bit
Intel Pentium Gold 4415Y
2 × Kaby Lake, 1,60 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Adreno 540
710 MHz
PowerVR GT7600 Plus Intel HD 615
850 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4
4.096 MB
LPDDR3
Variante
8.192 MB
LPDDR3
Speicher: 64 GB (+microSD) 64 / 256 / 512 GB 64 / 128 GB (+microSD)
Kamera: 13,0 MP, 2160p
LED, AF
12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
8,0 MP, 1080p
Sekundär-Kamera: Nein
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1080p 7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
5,0 MP, 1080p
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM:
Nein
Variante
GPRS + EDGE
Nein
Variante
GPRS + EDGE
Nein
Variante
GPRS + EDGE
UMTS:
Nein
Variante
HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
Nein
Variante
DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
Nein
Variante
HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE:
Nein
Variante
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Nein
Variante
Advanced
↓450 ↑50 Mbit/s
Nein
Variante
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct
802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0 LE 4.2 4.1
Ortung:
Nein
Variante
A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Nein
Variante
A-GPS, GLONASS
Nein
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, Tastatur-Dock Lightning, Smart Connector USB 3.1 Typ C, Tastatur-Dock
SIM-Karte:
Variante
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM
Akku: 7.300 mAh
fest verbaut
10.828 mAh (41,00 Wh)
fest verbaut
8.134 mAh (30,80 Wh)
fest verbaut
?
fest verbaut
Größe (B×H×T): 164,3 × 249,3 × 7,10 mm 220,6 × 305,7 × 6,90 mm 174,1 × 250,6 × 6,10 mm 245,0 × 175,0 × 8,30 mm
Schutzart:
Gewicht: 482 / 483 g 677 / 692 g 469 / 477 g 521 g
Preis: ab 579 € / 759 € ab 829 € / ab 979 € / ab 1.090 € / ab 884 € / ab 1.090 € / ab 1.189 € ab 619 € / ab 749 € / ab 865 € / ab 739 € / ab 930 € / ab 1.044 € 449 € / – / 599 €

Farbenfrohes, aber teilweise dunkles Display

Im Gegensatz zu den Vorgängern setzt Samsung beim neuen Galaxy Tab nicht mehr auf ein Seitenverhältnis von 4:3, sondern kehrt zu den Wurzeln und damit zu einem Seitenverhältnis von 16:10 zurück. Damit ändert sich die Auflösung wieder von 1.536 × 2.048 auf 2.560 × 1.600 Pixel. Sie stellt somit keine Besonderheit mehr dar, sondern befindet sich im üblichen Bereich – bereits das Galaxy Note 10.1 2014 von Ende 2013 löste in gleicher Höhe auf. Samsungs eigene Super-AMOLED-Technik samt HDR-Unterstützung sorgt in Sachen Darstellung für brillante Farben und eine scharfe Textdarstellung.

Helles Display nur mit Automatik

Bei manueller Aussteuerung erreicht das Panel im Maximum eine Helligkeit von im Durchschnitt 342 cd/m². Kommt die automatische Justierung zum Zuge, sind, je nach Lichtverhältnissen, bis zu 455 cd/m² im Durchschnitt möglich, womit sich das Tablet jedoch nur bedingt für den Außeneinsatz empfiehlt. Darüber hinaus treten Probleme mit einer homogenen Ausleuchtung auf. So sind im unteren Bereich mit Automatik bis zu 490 cd/m² und ohne 367 cd/m² möglich, beide Werte fallen jedoch im oberen Bildschirmbereich um 40 bis 50 cd/m² ab.

In der Grundeinstellung weist das Licht noch einen sichtbaren Blauanteil und somit ein kühles Farbbild auf. Mit einer Farbtemperatur von 6.400 Kelvin liegt der Wert jedoch deutlich unter der von Samsung bei organischen Panels normalerweise gewohnten Darstellung. Bei Nichtgefallen kann das Erscheinungsbild in den Einstellungen an die eigenen Wünsche angepasst werden. Dazu stellt Samsung dem Nutzer die bereits von den Galaxy-Smartphones bekannten Profile „Kino“, „Foto“ und „Einfach“ zur Verfügung, welche die Farbräume DCI-P3, Adobe RGB und sRGB abdecken. Darüber hinaus können in der anpassungsfähigen Anzeige die generelle Farbbalance sowie die einzelnen RGB-Anteile eingestellt werden.

Damit bietet das Tablet dem Anwender eine Fülle von Farbeinstellungen, entweder nach bekannten Standards oder den eigenen Vorstellungen. Darüber hinaus verfügt das System über einen in der Intensität frei einstellbaren Blaulichtfilter.

Trotz Vorjahresprozessor genügend Leistung

Bei der Vorstellung des Galaxy Tab S4 Anfang August überraschte Samsung mit einer auf den ersten Blick eigenwilligen Prozessorwahl, indem der Hersteller das neue Tablet mit dem bereits Ende 2016 vorgestellten Snapdragon 835 (Test) ausstattet. Laut Samsung war aber nur so der Preis für das Gerät zu halten, die Nutzung des bereits im Galaxy S9 und S9+ sowie Galaxy Note 9 eingestzten eigenen SoCs Exynos 9810 schied aus Kapazitätsgründen ebenfalls aus.

Das schadet der Qualität des Tablets jedoch nicht, denn die zu je zwei Clustern verbundenen acht Kryo-280-Kerne, die mit bis zu 2,35 und 1,9 GHz takten, sorgen für genügend Leistung. Der dem Prozessor zur Seite stehende Arbeitsspeicher von 4 GB garantiert ebenso eine schnelle Nutzung, der Speicher für eigene Inhalte beträgt 64 GB. Sollte dieser Speicherplatz einmal zu knapp werden, kann er wie gewohnt per Speicherkarte erweitert werden.

Trotz des etwas älteren Innenlebens spielt das Galaxy Tab S4 in den Messungen noch vorne mit und muss sich lediglich den Windows-Tablets mit ihren Intel-Prozessoren und den iPad-Pro-Modellen von Apple geschlagen geben. In den meisten Fällen findet sich die Android-Konkurrenz weit abgeschlagen wieder. Es wird aber genauso deutlich, dass das komplette System auf die Verwendung mehrerer Kerne ausgelegt ist. Geht es um Applikationen, welche nur einen Kern benötigen, führt derzeit kein Weg an der A-Serie von Apple vorbei. Dennoch stellt das Galaxy Tab S4 als Gesamtpaket in weiten Teilen das schnellste aktuell erhältliche Android-Tablet dar. Gleiches gilt für die Speichergeschwindigkeit.

Als drahtlose Schnittstellen zu anderen Geräten unterstützt das Galaxy Tab S4 WLAN in den Standards a/b/g/n/ac in den Bändern 2,4 GHz und 5 GHz sowie Bluetooth 5.0 LE. Die Übertragungsraten im heimischen Drahtlosnetzwerk liegen auf einem für Mobilgeräte guten Niveau.

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