Apple iPhone Xr im Test: Günstiger und fast genauso gut

Nicolas La Rocco 337 Kommentare
Apple iPhone Xr im Test: Günstiger und fast genauso gut

tl;dr: Apple versucht sich mit dem iPhone Xr erneut an einem günstigeren Smartphone. Anders als zu Zeiten des iPhone 5c gelingt die Unternehmung diesmal, denn wie der Test offenbart, gibt es kaum spürbare Einbußen gegenüber dem iPhone Xs. Das hat allerdings zur Folge, dass das iPhone Xr weiterhin ein eher teures Smartphone ist.

iPhone Xr startet bei 849 Euro

Apples günstigstes iPhone mit aktueller Hardware kostet 300 Euro weniger als das iPhone Xs. Während der Startpreis des iPhone Xs mit 64 GB bei 1.149 Euro liegt, werden für das iPhone Xr mit gleicher Kapazität 849 Euro aufgerufen. Wer mehr Speicher benötigt, erhält für 60 Euro Aufpreis die Variante mit 128 GB und für weitere 110 Euro das getestete Modell mit 256 GB. Das iPhone Xr gibt es nicht mit 512 GB.

Dafür ist das iPhone Xr in mehr Farben erhältlich, die an die Vielfalt des iPhone 5c erinnern. Die Palette reicht von Weiß, Schwarz, Blau und Gelb zu Koralle und Rot. Den Rahmen des Smartphones färbt Apple entsprechend mit ein, nur beim weißen Modell bleibt dieser silbern. Die Einfassung des Displays ist hingegen bei allen sechs Varianten schwarz.

Doch auf was müssen Käufer eines iPhone Xr im Vergleich zum iPhone Xs verzichten? An welchen Stellen sorgt der Preisunterschied für Einsparungen an der Hardware? Darauf geht ComputerBase im Artikel detailliert ein. Vorab aber eine kurze Übersicht.

Das sind die Unterschiede zum iPhone Xs

  • Eigene Display-Größe mit 6,1 statt 5,8 oder 6,5 Zoll
  • IPS- statt OLED-Panel ohne HDR-Support, 1792 × 828 Pixel bei 326 ppi
  • Kein 3D Touch
  • Gehäuse aus Aluminium statt Edelstahl
  • IP67- statt IP68-Zertifizierung
  • 3 GB statt 4 GB Arbeitsspeicher
  • Keine Dual-Kamera, kein 2-facher optischer Zoom
  • Porträtlicht mit drei statt fünf Effekten
  • LTE mit bis zu 600 Mbit/s statt 1 Gbit/s

Spezifikationen im Überblick

Apple iPhone Xr
Apple iPhone Xs
Apple iPhone Xs Max
Software:
(bei Erscheinen)
iOS 12
Display: 6,10 Zoll
828 × 1.792, 324 ppi
IPS
5,80 Zoll
1.125 × 2.436, 463 ppi
OLED, HDR
6,50 Zoll
1.242 × 2.688, 456 ppi
OLED, HDR
Bedienung: Touch, Gesichtsscanner Touch, 3D Touch, Gesichtsscanner
SoC: Apple A12 Bionic
2 × Vortex, 2,49 GHz
4 × Tempest
7 nm, 64-Bit
GPU: Apple Quad-Core
RAM: 3.072 MB
LPDDR4X
4.096 MB
LPDDR4X
Speicher: 64 / 128 / 256 GB 64 / 256 / 512 GB
Kamera: 12,0 MP, 2160p
Quad-LED, f/1,8, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Quartär-Kamera: Nein
Frontkamera: 7,0 MP, 1080p
Display-Blitz, f/2,2
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: DC-HSPA
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓600 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Bluetooth: 5.0
Ortung: A-GPS, GLONASS, Galileo, QZSS
Weitere Standards: Lightning, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 2.942 mAh (11,16 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
2.658 mAh (10,13 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.174 mAh (12,08 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 75,7 × 150,9 × 8,30 mm 70,9 × 143,6 × 7,70 mm 77,4 × 157,5 × 7,70 mm
Schutzart: IP67 IP68
Gewicht: 194 g 177 g 208 g
Preis: ab 754 € / ab 804 € / ab 899 € ab 1.009 € / ab 1.137 € / ab 1.299 € ab 1.109 € / ab 1.264 € / ab 1.419 €

Nicht minder hochwertiges Aluminium

Dass Apple das iPhone Xr aus Aluminium statt Edelstahl fertigt, schadet der Qualität des Smartphones nicht. Der in diesem Fall matte Rahmen wirkt für manchen Nutzer mitunter sogar hochwertiger als der hochglanzpolierte des iPhone Xs. Rein auf die Verarbeitung bezogen nehmen sich iPhone Xr und Xs nichts, das günstigere Modell ist in diesem Punkt weder schlechter noch das teurere Modell besser gefertigt. Apple-typisch gibt es an der Passgenauigkeit von Knöpfen, Buchsen und Fräsungen keine Kritik zu äußern. Ohne die zusätzliche Antenne für Gigabit-LTE hat das iPhone Xr wieder den vom iPhone 8 bekannten symmetrischen Aufbau rund um die Lightning-Buchse.

Der Sandwich aus Glas für die Vorder- und Rückseite sowie Aluminium für den Rahmen und das Chassis erhöht die Splittergefahr im Vergleich zu früheren Konstruktionen aus Aluminium. Allerdings verwendet Apple das Glas nicht nur des Designs wegen, sondern macht das iPhone Xr damit durchlässig für kabelloses Aufladen und kann die Anzahl der sichtbaren Antennen auf wenige im seitlichen Rahmen reduzieren.

IP67- statt IP68-Zertifizierung

Einen Unterschied zwischen iPhone Xr und Xs gibt es noch: Nur das iPhone Xs trägt die IP68-Zertifizierung für den Schutz vor Spritzern, Wasser und Staub. Nach IEC-Norm 60529 ist es damit bis zu 30 Minuten und in einer Tiefe von bis zu 2 Metern vor Wasser geschützt, während die IP67-Zertifizierung des iPhone Xr auf bis zu 30 Minuten in 1 Meter Tiefe beschränkt ist. Im Alltag ergibt sich daraus erst mal kein Unterschied, etwa in der Küche oder im Bad. Erst im Schwimmbad oder am See spielt der IP68-Schutz seinen Vorteil aus, wenngleich die Frage erlaubt sein muss, ob das Smartphone in diesen Situationen besser gar nicht erst mit ans Wasser genommen werden sollte.

Großes, helles Display, weniger Pixel

Wenn schon bei der Verarbeitung keine eklatanten Unterschiede festzustellen sind, dann aber sicherlich beim Display, oder? In der Tat finden sich beim Bildschirm die größten Unterschiede zwischen iPhone Xr und Xs. Selbst im Vergleich zum älteren iPhone 8 Plus mit kleinerem Display gibt es Bereiche, in denen das iPhone Xr schlechter abschneidet.

6,1 Zoll großes LC-Display mit 1.792 × 828 Pixeln
6,1 Zoll großes LC-Display mit 1.792 × 828 Pixeln

Apple hat den Bildschirm des iPhone Xr „Liquid Retina HD Display“ getauft. So nennt der Hersteller alle Displays mit LCD-Panel und reduzierten, abgerundeten Rändern. Bei den jüngst vorgestellten iPad-Pro-Modellen des 2018er-Jahrgangs nutzt Apple mit „Liquid Retina Display“ einen ähnlichen Namen für die Bildschirme. Der Name „Super Retina HD Display“ ist den OLED-Bildschirmen von iPhone X, Xs und Xs Max vorbehalten.

Da beim iPhone Xr ein LCD zum Einsatz kommt, bedarf es einer klassischen Hintergrundbeleuchtung. Die besorgt sich Apple beim japanischen Zulieferer Nichia in einer besonders kompakten Variante, um dennoch die Rahmen schmal zu halten. Mit einer Bauhöhe von nur 0,3 mm sind die Dioden des LED-Spezialisten kleiner als Produkte der Konkurrenz. Trotz des Fortschritts bei diesem Bauteil fallen die schwarzen Ränder rund um das iPhone-Xr-Display zunächst überraschend breit aus. Es ist das Merkmal, das nach dem ersten Einschalten als Erstes ins Auge fällt. Nach den ersten Tagen der Nutzung fällt der breitere Rahmen weniger stark auf, bleibt aber dennoch präsent.

Abgesehen von Apples traditionell hohen Margen gilt das von Samsung gefertigte OLED-Display für iPhone X, Xs und Xs Max als größter Preistreiber dieser Modelle. Der Wechsel zum LCD dürfte großen Anteil am niedrigeren Preis des Smartphones haben. Apple spart aber nicht nur bei der Display-Technik selbst, sondern auch an der Auflösung. Obwohl das iPhone Xr mit 6,1 Zoll einen größeren Bildschirm als das iPhone 8 Plus mit 5,5 Zoll besitzt, hat es mit 1.792 × 828 Pixeln eine niedrigere Auflösung. Statt 401 ppi ergeben sich daraus nur noch 326 ppi wie noch zu Zeiten des iPhone 4.

Aus 50 Zentimetern Abstand zum Smartphone sind jedoch keine qualitativen Unterschiede zu erkennen. Wer aber näher an den Bildschirm rückt, sieht durchaus Unterschiede zum iPhone 8 Plus oder älteren Geräten wie dem iPhone 7 Plus. Im Direktvergleich mit einem iPhone Xs Max, das eine Pixeldichte von 458 ppi hat, stellt das iPhone Xr feine Details wie Schriften und detaillierte Grafiken weniger präzise dar. Und vergessen werden sollte auch nicht, dass unter iTunes, YouTube oder Netflix und Amazon keine Full-HD-Inhalte nativ wiedergegeben werden können. Apropos Filme: HDR10 und Dolby Vision sind ebenfalls den teureren OLED-Bildschirmen vorbehalten.

Nichts zu meckern gibt es hingegen an der allgemeinen Darstellungsqualität des von Apple gewählten IPS-Panels. Es bietet eine sehr gute Blickwinkelstabilität und homogene Ausleuchtung. Durch die präzise Laminierung des Panels kommt es rund um die Notch nicht zur Schattenbildung wie bei manch günstigerem Smartphone mit Notch und LCD. Insbesondere die maximale Helligkeit des Displays ist exzellent: Mit einem aus drei Messbereichen ermittelten Durchschnittswert von 686 cd/m² bietet das iPhone Xr das bisher hellste aller von ComputerBase getesteten Smartphones. Und diese Helligkeit hält das Smartphone anders als zum Beispiel das LG G7 (Test) auch dauerhaft.

Auch beim Kontrast, also dem Verhältnis von hellster weißer zu hellster schwarzer Fläche, leistet sich das iPhone Xr mit einem Wert von 1.670:1 keinen Ausrutscher. Das Schwarz des Displays ist naturgemäß nicht so dunkel wie bei einem OLED, das einzelne Pixel vollständig deaktivieren kann. Dennoch arbeitet die LED-Hintergrundbeleuchtung in diesem Punkt sehr gut. Auch an der natürlichen Farbdarstellung sowie dem mit 7.000 Kelvin nicht zu kühl gewählten Weißpunkt des Panels lässt sich keine Kritik äußern. Abgesehen von der Auflösung zählt der iPhone-Xr-Bildschirm zu den besten LCDs am Markt.

Für iOS ein großer Bildschirm

Für iOS ist der 6,1 Zoll große Bildschirm ein großes Display und somit geeignet für das Querformat des Homescreens sowie die erweiterte Ansicht von Apps wie Mail, Rechner oder Wetter. Dieser zuerst mit dem iPhone 6 Plus und unverändert bis zum iPhone 8 Plus eingeführte Modus war bis zur Einführung des iPhone X den 5,5 Zoll großen Apple-Smartphones vorbehalten. Das iPhone X mit 5,8 Zoll ist für iOS hingegen ein kleines Smartphone, das sich so verhält wie ein iPhone 6 bis iPhone 8. Erst mit dem iPhone Xs Max und jetzt auch mit dem iPhone Xr gibt es das Querformat unter iOS wieder.

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