Mercedes-Benz MBUX im Test: Das Smartphone unter den Autos

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Nicolas La Rocco 187 Kommentare

Digitales Cockpit mit Touch neu aufgelegt

Ein Cockpit ohne analoge Rundinstrumente ist für Mercedes-Benz nicht neu und somit keine mit MBUX eingeführte Neuerung. Schon mit der vor fünf Jahren eingeführten Baureihe 222 und deren Comand Online NTG 5 (Test) hatten analoge Rundinstrumente ausgedient. Vollständig neu ist bei MBUX jedoch die Eingabe per Touch-Display, die Mercedes-Benz anders als Audi oder BMW erst seit diesem Jahr anbietet. Das Media-Display der Mittelkonsole akzeptiert Touch-Eingaben direkt auf dem Bildschirm.

Damit gibt es je nach Zählweise nun drei respektive vier Methoden, um MBUX zu bedienen. Am Lenkrad finden sich die erstmals mit der E-Klasse der Baureihe 213 (Test) und deren Comand Online NTG 5.5 eingeführten Touch-Flächen, die dem linken und rechten Display zugewiesen sind, zusätzlich ist im Bereich des Mitteltunnels ein Touchpad verbaut, das ausschließlich das Media-Display steuert. Dieses lässt sich nun aber auch über die neue Touch-Bedienung direkt auf dem Bildschirm steuern. Und zu guter Letzt gibt es eine überarbeitete Sprachsteuerung, die auf „Hey Mercedes“ reagiert und damit an die Sprachassistenten von Amazon, Apple oder Google erinnert.

Hey Mercedes

Die künstliche Intelligenz von Mercedes-Benz hat keinen Namen wie Alexa oder Siri, wartet aber ebenso zuverlässig darauf, per Sprachbefehl geweckt zu werden. Das funktioniert über zwei Mikrofone im Bereich der Sonnenblende des Fahrers und Beifahrers ausgesprochen gut, auch bei geöffnetem Fenster oder lauter Musik. „Hey Mercedes“ muss dabei nicht einmal besonders deutlich gesagt, außergewöhnlich betont oder sonst irgendwie unnatürlich ausgesprochen werden – es funktioniert einfach. Manchmal funktioniert es sogar zu gut, wenn während einer Unterhaltung der Begriff „Mercedes“ fällt und daraufhin das System anspringt. Mit „Abbrechen“ lässt sich der Assistent wieder deaktivieren.

Mit MBUX verabschiedet sich Mercedes-Benz von festgelegten Phrasen früherer Linguatronic-Varianten und erlaubt die Nutzung natürlicher Sprachbefehle. Bestes Beispiel dafür sind Befehle wie „Ich habe Hunger“ oder „Mir ist kalt“. Das System sucht daraufhin Restaurants in der näheren Umgebung oder erhöht die Temperatur im Innenraum. MBUX findet aber auch das nächste Kino, Tankstellen oder Eisdielen. Dabei gibt es zusätzlich die Unterstützung für what3words, das ein weltweites Adresssystem aus 57 Billionen je 3 mal 3 Meter großen Quadraten bietet, die per Dreiworteingabe abgerufen werden können. So lässt sich mit hoher Genauigkeit an beinahe jeden Ort der Welt navigieren, selbst wenn dieser keine eindeutige Adresse hat. what3words gibt es nicht nur im Auto, sondern auch als App für Android und iOS. Daimler ist zu Beginn des Jahres mit einem Anteil von 10 Prozent bei dem britischen Start-Up eingestiegen.

Hey-Mercedes-Interface nach Sprachbefehl
Hey-Mercedes-Interface nach Sprachbefehl

Hey Mercedes“ kann allerdings noch mehr, zum Beispiel Funktionen des Fahrzeugs steuern. Wer möchte, kann etwa die Sitzheizung vom Assistenten regeln lassen. „Hey Mercedes, stelle die Sitzheizung des Beifahrers auf Stufe zwei“ führt prompt zum gewünschten Ergebnis. Auch Dinge wie die Ambientbeleuchtung, Sonnenrollos oder Leselampen lassen sich per Sprachbefehl steuern. Ein Befehl wie „Die Windschutzscheibe ist beschlagen“ führt dazu, dass die Belüftung entsprechend umgestellt wird. Der Scheibenwischer oder Tempomat ließ sich vom Assistenten jedoch nicht regeln. Der Assistent gibt zudem Antworten zum nächsten Servicetermin, zum Wetter oder zu Fragen aus dem Alltag, etwa wie viel Schnee auf der Zugspitze liegt.

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