Hacker-Angriff auf Politiker: Tatverdächtiger ermittelt und geständig

Michael Schäfer 166 Kommentare
Hacker-Angriff auf Politiker: Tatverdächtiger ermittelt und geständig
Bild: TheDigitalArtist | CC0 1.0

Nach den am letzten Freitag über einen Twitter-Account publik gemachten persönlichen Daten von Politikern und Prominenten ist bereits am Sonntagabend ein Tatverdächtiger festgenommen worden, welcher die Tat mittlerweile umfassend eingeräumt hat. Dies hat das BKA am Mittag auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden mitgeteilt.

Da weder Flucht- noch Verdunklungsgefahr bestehe und es sich bei dem Täter um einen 20-jährigen Schüler handelt, welcher noch als Heranwachsender gilt und daher die Auflagen für eine mögliche Untersuchungshaft besonders hoch sind, wurde dieser bereits am Montagabend wieder auf freien Fuß gesetzt. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Ausspähung von Daten und der unberechtigten Veröffentlichung dieser ermittelt.

Verdächtiger geständig und kooperativ

Laut den Beamten zeige sich der Verdächtige kooperativ und leiste mit seinen Aussagen Hilfe zur Aufklärung des Falles. In der Pressekonferenz hieß es, dass der nicht vorbestrafte Täter eine glaubhafte Reue-Reaktion gezeigt habe, was nicht selten bei jungen Tätern sei, „wenn plötzlich die Polizei vor der Tür steht‟, so der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, Georg Ungefuk.

Bisher kein Beleg für Verbindung zu Geheimdiensten

Laut aktuellem Kenntnisstand hat der Mann alleine gehandelt, bisher gehen die Ermittler nicht vom einer Verbindung zu ausländischen Geheimdiensten oder anderen Dritten aus. Dies gilt aber als noch nicht endgültig geklärt. Als Motivation für die Tat soll der Ärger über öffentliche Äußerungen der Betroffenen ausschlagend gewesen sein. Eine politische Motivation schließen die Ermittler bisher ebenso aus, dennoch sei auch diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Hierfür bezieht die Polizei kriminelle sowie auch politische Motivationslagen in ihre Überlegungen mit ein.

8,3 GB an Daten sichergestellt

Als Beweismittel konnten beim Täter unter anderem Computer und Datenträger sichergestellt werden. Gleichzeitig wurden Sicherungen bei einem Sharehosting-Dienst gefunden, deren Auswertung derzeit noch andauert. Die sichergestellte Datenmenge beläuft sich derzeit auf insgesamt 8,3 Gigabyte. Ein weiterer Computer, den der Verdächtige noch zwei Tage vor der Durchsuchung hat verschwinden lassen, konnte aufgrund seiner Angaben ebenfalls gefunden werden.

Experten bescheinigen ausgeklügelte Vorgehensweise

Der Festgenommene wird von den Beamten als computeraffin bezeichnet, verfüge aber über keine dem Bereich entsprechende Ausbildung. Alle nötigen Fähigkeiten soll sich der Mann über einen längeren Zeitraum selbst beigebracht haben, wozu auch das Ausnutzen diverser Sicherheitslücken gehört. Es sei ihm dann durch eine „ausgeklügelte Vorgehensweise‟ gelungen, einen großen Teil der Daten auszuspähen, überwiegend im Jahr 2018. Andere Daten konnte er sich wiederum ergänzend aus öffentlichen Quellen beschaffen. Zur Anonymisierung seiner Identität während der Veröffentlichungen soll der Beschuldigte auf einen VPN-Dienst zurückgegriffen haben.

Auf die Spur des Verdächtigen sollen laut den Beamten unter anderem auch die „Zeugenschaftliche Vernehmungen‟ eines 19-jährigen aus Heilbronn sowie hinterlassene Spuren im Netz geführt haben.