Qualcomm: Neue Snapdragon-Generation wird für Autos angeboten

Nicolas La Rocco 1 Kommentar
Qualcomm: Neue Snapdragon-Generation wird für Autos angeboten
Bild: Qualcomm

Nach einer Auszeit widmet sich Qualcomm mit drei neuen Snapdragon Automotive Cockpit Platforms wieder dem Automobilsektor. In drei Leistungsklassen aufgeteilt bieten die neuen Plattformen unter anderem die aktuelle Generation Kryo-CPU und Adreno-GPU. Neben der Nutzung in Infotainmentsystemen steht die Sicherheit im Fokus.

Drei Jahre nach der Ankündigung des Snapdragon 602A und Snapdragon 820A nutzt Qualcomm die CES 2019 für die Vorstellung neuer Chips, die für den Einsatz in Automobilen konzipiert wurden. Mit der Bezeichnung „Snapdragon Automotive Cockpit Platforms“ treten die Lösungen zudem unter neuem Namen an. Mit der Aufteilung in die drei Leistungsklassen Performance, Premiere und Paramount will Qualcomm das Segment von der Einsteiger- über die Mittel- bis hin zur High-End-Klasse abdecken.

Komponenten wie im Snapdragon 855

Qualcomm setzt dabei im Bereich der CPU auf die aktuelle Kryo-400-Generation, die seit der Einführung des Snapdragon 675 verwendet wird und zuletzt im Smartphone-SoC Snapdragon 855 und in der Always-Connected-PC-Lösung Snapdragon 8cx angeboten wurde. Qualcomm nutzt dabei in allen Varianten modifizierte Cortex-A76-Kerne von ARM. In welchen Konfigurationen Qualcomm die Kryo-400-CPU in den Leistungsklassen Performance, Premiere und Paramount verbaut, hat der Chip-Entwickler noch nicht bekannt gegeben.

Bei der Grafikeinheit vertraut Qualcomm auf die Adreno-600-Generation, bleibt jedoch auch hier die genaue Modellnummer schuldig. Qualcomm bietet von der Adreno 612 des Snapdragon 675 bis hoch zur Adreno 640 (Smartphones) und Adreno 680 (Notebooks) stark unterschiedlich leistungsfähige Varianten an. Für den Automobilsektor ist jedoch davon auszugehen, dass die obere Leistungsklasse zum Einsatz kommen wird.

Snapdragon 855
Snapdragon 855

Dass Qualcomm in Sachen CPU und GPU wahrscheinlich auf eine Architektur im Stile des Snapdragon 855 setzt, der als CPU acht Kryo-485-Kerne und als GPU die Adreno 640 nutzt, lässt sich von der weiteren Beschreibung der neuen Automotive-Lösungen ableiten. Denn in der Beschreibung der aus CPU, GPU und Hexagon-Prozessor (früher DSP) bestehenden KI-Engine wird der Einsatz neuer Vektor-Erweiterungen und Tensor-Beschleuniger genannt, die erstmals mit dem Hexagon 690 des Snapdragon 855 vorgestellt wurden. Über die neuen Recheneinheiten will Qualcomm energieeffizient KI-Aufgaben wie die Sprachverarbeitung und Objektklassifizierung durchführen. Auch in Bereichen wie dem Spectra Image Signal Processor (ISP) und der Secure Processing Unit (SPU) sind Parallelen zu den Lösungen für Smartphones zu erkennen.

Mehrere Displays und umfangreiche Konnektivität

Die drei neuen Snapdragon Automotive Cockpit Platforms sind für den Betrieb mit Android, Linux und Echtzeitbetriebssystemen ausgelegt. Sie lassen sich mit mehreren Engine Control Units (ECU), einem oder mehreren Displays mit unterschiedlichen Bildwiederholfrequenzen, einfachen Audio-Lösungen bis hin zu solchen aus dem High-End-Segment und multiplen Mikrofonen für die Geräuschunterdrückung koppeln. Außerdem ist eine umfangreiche visuelle 2D- und 3D-Aufbereitung von Fahrzeugdaten und das Abspielen von (optional) DRM-geschützten Inhalten wie Filmen möglich. Im Bereich der Konnektivität werden Multi-Mode-Mobilfunk, Wi-Fi 6, verschiedene Navigationssatellitensysteme und aktuelle Bluetooth-Standards unterstützt.

Einsatz auch im Bereich Sicherheit

Neben der Nutzung für ein digitales Kombiinstrument, das Infotainment oder weitere der Unterhaltung dienender Bildschirme will Qualcomm die Plattformen im Bereich der Sicherheit positionieren. Zwar sind die Chips nicht dafür ausgelegt, beim autonomen Fahren zu assistieren, dennoch lässt sich darüber zum Beispiel der Fahrzeuginnenraum etwa zur Überprüfung der Wachsamkeit (Sekundenschlaf) überwachen oder für eine bessere Übersicht beim Rangieren eine Surround-Außenansicht in bis zu Ultra HD darstellen. Außerdem soll eine genaue Standortbestimmung geboten werden, um zum Beispiel Spurwechsel während der Navigation zu erkennen. Zu weniger Ablenkung soll die AR-basierte Navigation über ein großes Head-up-Display führen. An solch einer Augmented-Reality-Lösung forscht zum Beispiel Volkswagen derzeit.

Beispiel für Prototyp eines übergroßen Head-up-Displays
Beispiel für Prototyp eines übergroßen Head-up-Displays (Bild: Volkswagen)

Partner können mit Single-DIN-Lösung testen

Samples der nach dem Snapdragon 602A und Snapdragon 820A mittlerweile dritten Generation Snapdragon Automotive Cockpit Platforms sind laut Qualcomm bereits für Partner aus der Automobilindustrie verfügbar. Eine Snapdragon Automotive Development Platform (ADP) im Single-DIN-Format soll Unternehmen eine einfache Möglichkeit der Entwicklung für die neuen Plattformen bieten. Als potenzielle Abnehmer der neuen Plattformen nennt Qualcomm zur CES Unternehmen wie Alpine, Bosch, Continental, Denso, Desay SV, FGE, Garmin, Hangsheng und Mitsubishi Electric.

ComputerBase hat Informationen zu diesem Artikel von Qualcomm unter NDA erhalten. Die einzige Vorgabe war der Veröffentlichungszeitpunkt.