Resident Evil 2 im Test: Vorbildliches Remake trifft auf ordentliche Performance

Wolfgang Andermahr et al. 261 Kommentare
Resident Evil 2 im Test: Vorbildliches Remake trifft auf ordentliche Performance

tl;dr: Technisch hat das Remake zu Resident Evil 2 mit dem Original aus dem Jahre 1998 nichts mehr gemein. Denn anders als bei bei fast allen HD-Versionen hat Capcom das Spiel von Grund auf neu gebaut. Die Performance ist dabei ordentlich, dasselbe gilt für die Grafik. Generell trifft das Spiel auf viel Lob.

Resident Evil 2 ist ein neues Spiel

Update 29.01.2019 16:15 Uhr

Die Redaktion hat den Artikel um Benchmarks im CPU-Limit mit verschiedenen Prozessoren von AMD und Intel ergänzt. In Full HD in Kombination mit einer Nvidia Titan RTX zeigt sich AMD abermals stark, weil der Titel mehr Kerne und Threads außerordentlich gut in Szene zu setzen vermag. Im GPU-Limit ist der Einfluss der CPU hingegen klein: Selbst ein Core i3-8100 mit vier Kernen und ohne Hyper-Threading wird in diesem Fall nicht zur Bremse für die Titan RTX. Alle Details im Abschnitt CPU-Benchmarks mit Titan RTX (Update).

Nach Resident Evil 7 folgt Resident Evil 2! Dabei handelt es sich nicht um ein gänzlich neues Spiel, sondern um ein Remake des wohl berühmtesten Teils der Horror-Serie. Anders als bei vielen anderen derzeit im Trend liegenden „HD-Remakes“ handelt es sich bei Resident Evil 2 allerdings um weit mehr als nur ein leichtes grafisches Update.

So hat Capcom Resident Evil 2 mehr oder weniger komplett neu entwickelt. Auch spielerisch gibt es Unterschiede zum Original – wie eine neue Kameraperspektive. Die größte Neuerung ist aber die eingesetzte Engine. Denn Capcom setzt die hauseigene und moderne RE Engine ein und somit dieselbe Technik wie in Resident Evil 7. Neu hinzugekommen ist die Unterstützung von DirectX 12 als Alternative zum standardmäßig aktivierten DirectX 11.

Verglichen mit zum Beispiel Battlefield V sieht das Remake aber grafisch schlechter aus. Da Resident Evil 2 aber ein sehr dunkles Spiel ist, fallen zum Beispiel die höchstens zweitklassigen Texturen nur selten auf. Auf der Habenseite sticht die Grafik aber mit guten Animationen, schönen Schatten und einer guten Beleuchtung hervor – alles drei wichtige Punkte für das Spiel. Die Grafik passt daher zu Resident Evil 2. Mehr ist nicht nötig, auch wenn die Optik nur Durchschnitt ist. Der Sprung vom Original zum Remake ist jedoch mehr als deutlich.

Ein wenig AMD und ein wenig Nvidia ist im Remake

Resident Evil 2 befindet sich im Spiele-Bundle von AMD. Ein AMD-Logo wird beim Start des Spiels aber nicht eingeblendet, sodass das Remake nicht im Gaming-Evolved-Programm ist. Im Spiel werden Grafik-Technologien beider Grafikkartenhersteller genutzt. So findet sich im Grafikmenü Nvidias Umgebungsverdeckung HBAO+ und ebenso AMDs Konkurrenztechnologie HDAO. Zudem sehen die Haare der Protagonisten verdächtig nach AMDs TressFX aus. Ob es sich tatsächlich um TressFX handelt, ist aber unklar.

ComputerBase hat mehrere Grafikkarten in verschiedenen Auflösungen mit DirectX 11 und DirectX 12 getestet und diverse Benchmarks durchgeführt. Darüber hinaus wird in einer Zusammenfassung auf die Spiel-Bewertungen anderer Websites eingegangen.

Viele Grafikoptionen, aber keine Presets

Das Grafikmenü der PC-Version von Resident Evil 2 bietet zwar nicht alles, was das Herz begehrt, aber dennoch viel. Es gibt zahlreiche Grafikoptionen, um die Qualität an den eigenen Rechner anzupassen. Für die einzelnen Optionen wird ein Beispiel-Screenshot angezeigt, der die optischen Auswirkungen einer anderen Einstellung verdeutlicht. Fünf Balken sollen zeigen, wie hoch die eingestellte Grafikqualität oder Rechenlast ist und welchen Spielraum es noch nach oben gibt.

Mittels Down- und Upsampling kann die interne Auflösung in 10er-Schritten entweder auf 50 Prozent der eingestellten Auflösung reduziert oder auf 200 Prozent erhöht werden. Es gibt gleich vier verschiedene Kantenglättungsmodi und mehrere Umgebungsverdeckungen. Die Anzeige, die über den benötigten Grafikkartenspeicher Aufschluss geben soll, ist allerdings schlecht umgesetzt. Denn es wird angeblich immer viel mehr Speicher benötigt als die Grafikkarte in Wirklichkeit überhaupt adressiert. Zudem zeigt das Spiel an, dass die GeForce RTX 2080 Ti angeblich über überhaupt keinen eigenen Speicher verfügt.

Was hingegen fehlt, zeigt sich beispielsweise beim ausschaltbaren FPS-Limiter, denn dieser kann nur fest auf 30 FPS oder 60 FPS gesetzt werden. Viele Spiele bieten einen deutlich flexibleren Limiter, der auch mit höheren Frameraten umgehen kann. Das Remake von Resident Evil 2 bietet keine Presets. Damit ist es deutlich umständlicher, die Grafik des Spiels bei einem zu langsamen Rechner anzupassen.

SSR bietet hübsche Reflexionen, kostet aber viel

Wer dennoch an der Qualität drehen muss: Spürbare Auswirkungen haben nur zwei Optionen. Die Screen Space Reflection (Spiegelungen) kosten 17 Prozent an FPS. Das ist für eine einzelne Option zwar viel, allerdings fällt das Deaktivieren der Option auch deutlich auf, da es zahlreiche spiegelnden Oberflächen im Spiel gibt. Sinnvoller ist es, das volumetrische Licht zurückzustellen. Die Option auf Mittel anstatt Hoch bringt bis zu 15 Prozent mehr FPS, optisch macht das aber nur einen geringen Unterschied. Niedrig bringt weitere sieben Prozent, allerdings sehen Lichtstrahlen dann auch schon recht hässlich aus.

Volumetrisches Licht sorgt in hohen Einstellungen für viel Atmosphäre

Ist das volumetrische Licht abgeschaltet, steigt die Performance noch einmal um rund 30 Prozent als bei der maximalen Einstellung. Allerdings geht auch viel Qualität und vor allem Atmosphäre verloren. Die mittlere Einstellung ist ein sinnvoller Kompromiss aus Leistung und Grafikqualität. Die Option Niedrig sollte nicht ausgewählt werden, sondern stattdessen kann der Effekt dann gleich abgeschaltet werden. Das aber auch nur, wenn die Framerate ansonsten gar kein akzeptables Niveau mehr erreicht.

Die Qual der Wahl: Unscharfes oder flackerndes Anti-Aliasing

Als Kantenglättung bietet das Spiel FXAA, TAA, eine Kombination von beidem und SMAA an. Die Empfehlung lautet schlussendlich schlicht FXAA mit TAA kombiniert. Denn das glättet das gesamte Bild effektiv und auch in Full HD flimmert kaum noch ein Objekt. Allerdings legt sich aufgrund des TAA eine sichtbare Unschärfe über das Bild, die auch in Ultra HD kaum weniger wird. Anders als in den meisten Spielen stört das aber kaum, da Resident Evil 2 dunkel ist. FXAA alleine und vor allem SMAA sind hingegen deutlich schärfer, jedoch wird das Bild aufgrund der fehlenden temporalen Komponente kaum geglättet, weswegen die Grafik teils deutlich flimmert. Das stört mehr als die Unschärfe. Da es sich durchweg um Post-Processing-AA handelt, reduziert die Kantenglättung die Performance nur geringfügig.

HBAO+ ist hingegen die Umgebungsverdeckung der Wahl. Dieses ist kaum langsamer als das spieleigene SSAO, der optische Effekt ist aber deutlich hübscher. HDAO arbeitet ein wenig dezenter, kostet allerdings deutlich mehr Performance und ist daher nicht empfehlenswert.

Noch eine positive Nachricht zum Schluss: Sämtliche Änderungen der Grafikoptionen werden sofort im Spiel übernommen. Längere Ladezeiten oder gar ein Neustart von Resident Evil 2 sind nicht nötig.

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