GeForce RTX 2070 Max-Q im Test: Turing für schlanke Notebooks macht keinen Klassensprung

Jan-Frederik Timm et al. 65 Kommentare
GeForce RTX 2070 Max-Q im Test: Turing für schlanke Notebooks macht keinen Klassensprung

tl;dr: Ab sofort gibt es GeForce RTX mit Turing-GPU auch in Notebooks. Im Test muss sich die GeForce RTX 2070 Max-Q gegen die Vorgänger GeForce GTX 1070 Max-Q und GeForce GTX 1080 behaupten. Der aus dem Desktop bekannte Leistungssprung bleibt dabei aus.

Turing Mobile mit und ohne Max-Q

Turing Mobile ist ab sofort in verschiedenen Varianten in Notebooks zahlreicher Hersteller verfügbar. GeForce RTX 2080 und RTX 2070 gibt es dabei jeweils auch in besonders auf Effizienz getrimmter Max-Q-Variante, wobei von der GeForce RTX 2060 ein solcher Ableger zum aktuellen Zeitpunkt nicht geplant ist.

Alle drei GPUs verfügen über dieselbe Konfiguration wie die Desktop-Derivate. Auch Speichervolumen und -geschwindigkeit sind gleich. Den Unterschied machen die Taktraten der GPU. Der Turbo der herkömmlichen mobilen Varianten liegt laut Nvidia mindestens 210 bis 400 MHz unter dem der Desktop-Version, die Max-Q-Versionen befinden sich noch mal bis zu 500 MHz darunter.

RTX 2080
(Max-Q)
RTX 2080
Desktop
RTX 2070
(Max-Q)
RTX 2070
Desktop
RTX 2060 RTX 2060
Desktop
Architektur Turing
GPU TU104 TU106 TU106-200
Shader-Einheiten 2.944 2.304 1.920
GPU-Takt (Basis) 735–1.380 MHz 1.515 MHz 885–1215 MHz 1.410 MHz 960 MHz 1.365 MHz
GPU-Takt (Boost) 1.095–1.590 MHz 1.800 MHz (FE) 1.185–1.440 MHz 1.710 MHz (FE) 1.200 MHz 1.600 MHz
Speicher 8 GB GDDR6 6 GB GDDR6
Speichertakt 7.000 MHz
Leistungsaufnahme (GPU) 80–150+ Watt 225 Watt 80–115 Watt 185 Watt 80–90 Watt 160 Watt

Gigabyte Aero 15 vs. Razer Blade 15

ComputerBase stand für einen ersten Test der neuen Generation eine GeForce RTX 2070 Max-Q zur Verfügung. Zum Einsatz kommt die GPU im Gigabyte Aero 15-X9 mit Intel Core i7-8750H (6K/12T, 45 Watt), 32 GB DDR4-2666, und 1 TB großer NVMe-SSD. In diesem Fall verbaut wurde das 15,6 Zoll große 60-Hz-UHD-Display von AUO, alternativ gibt es ein Full-HD-Display von LG mit 144 Hz. Beide sind ab Werk kalibriert.

Das Gigabyte Aero 15-X9
Das Gigabyte Aero 15-X9 (Bild: Gigabyte)

Auch mit GeForce RTX bleibt Gigabytes Aero-Serie ihrem Ruf gerecht: Mit 356 × 250 × 19 mm ist das Notebook im Verhältnis zur eingesetzten Hardware sehr kompakt und mit 2,0 Kilogramm Gewicht auch vergleichsweise leicht. Ebenfalls erneut rekordverdächtig: der fast 95 Wattstunden fassende Akku.

RTX 2070 Max-Q vs. GTX 1070 Max-Q

Für den direkten Vergleich wurde das aktuelle Razer Blade 15 (Test) herangezogen, das über dieselbe CPU und den direkten GPU-Vorgänger, die GeForce GTX 1070 Max-Q, verfügt. Das Notebook ist sogar noch etwas dünner als das Aero X9.

Modell Breite × Tiefe × Höhe Gewicht
Gigabyte Aero 15-X9, GeForce RTX 2070 Max-Q 356 × 250 mm x 18,9 mm 2,0 kg
Razer Blade 15 2018, GeForce GTX 1070 Max-Q 355 × 235 mm x 17,3 mm 2,1 kg

Beide schlanken Notebooks bieten sich damit sehr gut für einen direkten Vergleich der Generationen an. Perfekt wäre er allerdings, wenn jeweils dasselbe Modell nur mit anderer Grafikkarte zum Einsatz kommen würde. Razer hat ein neues Blade 15 allerdings noch nicht vorgestellt und Gigabyte konnte das Vorjahresmodell aus der Aero-Reihe nicht bereitstellen.

Weitere Systeme im Vergleich

Der nachfolgende Test enthält mit dem Gigabyte Aorus X7 DT noch ein weiteres Notebook. Es setzt auf den Core i7-8850H und eine mobile GeForce GTX 1080 (nicht Max-Q) und stellt damit die nächst höhere Leistungsklasse der Pascal-Ära dar. Auch die auf dem Papier nur 200 MHz schnellere CPU spielt im X7 allerdings in einer anderen Liga als der Core i7-8750H in den beiden anderen Modellen, weil sie unter Last dauerhaft deutlich mehr Strom verbrauchen darf: In Kingdom Come: Deliverance (Full HD, Details „Ultrahoch“) liegt ihr Takt nach einer Stunde Last bei 38 Watt Package-Power beispielsweise bei 3,3 GHz, während die anderen beiden Notebooks ihre CPUs bei rund 25 Watt gut 800 MHz niedriger takten lassen. Einige der nachfolgenden Benchmarks werden davon beeinflusst sein.

Das gilt auch in Bezug auf die Messwerte der Desktop-Grafikkarten: Das Testsystem nutzt in diesem Fall einen auf 4,7 GHz auf allen sechs Kernen übertakteten Core i7-8700K und damit eine deutlich höher taktende CPU – in Benchmarks liegt die Differenz zu den beiden Core i7-8750H zum Teil bei über 2 GHz. Dennoch werden diese Werte mit ausgegeben, um einen besseren Überblick über das, was in Desktop und Notebook möglich ist, zu geben.

Testergebnisse

Temperatur- und verbrauchsabhängige Turbomodi machen Benchmarks aktueller Grafikkarten schon in Desktop-PCs deutlich komplizierter. In Notebooks haben diese Mechanismen sowie die Tatsache, dass auch der Prozessor in der Regel nicht dauerhaft dieselben Taktraten liefert, aber eine noch größere Auswirkung. Alle Notebooks wurden, sofern vorhanden, mit ihrem Standardprofil und nicht mit einem manuell auszuwählenden Gaming-Modus betrieben. Die AI-Funktionalität des Aero 15-X9 war deaktiviert.

„Kalte und warme“ Testergebnisse

ComputerBase hat in den nachfolgenden Benchmarks alle drei Notebooks im Vergleich sowohl mit Messwerten von einem ersten Durchlauf der Benchmarks als auch einem weiteren nach dem Aufwärmen von GPU und CPU aufgenommen. Das Gigabyte Aero 15-X9 mit GeForce RTX 2070 Max-Q zeigte sich dabei am deutlichsten von Leistungsverlusten infolge von Temperatur-Einflüssen betroffen. Das nachfolgende Diagramm zeigt Verlauf, Temperatur und Takt bei Dauerlast im Spiel Kingdom Come: Deliverance (Full HD, Details „Ultrahoch“) der drei Notebooks im Test auf.

Razer Blade 15 und Aorus X7 DT zeigen sich kaum beeinflusst von steigenden Temperaturen. Das schlanke Notebook von Razer hängt quasi dauerhaft im Power-Target, das größere Modell von Gigabyte erlaubt durchweg quasi den höchsten Takt. Das Aero 15-X9 muss hingegen deutlich Federn lassen, mit rund 1.000 MHz wird der von Nvidia als typischer Boost angegebene Takt von 1.185 MHz sogar unterschritten.

Grund ist die Temperatur der GPU, die schnell die kritischen 86 °C erreicht. Der Chip wird daraufhin heruntergetaktet, der Verbrauch des Systems (ohne Display) sinkt von 154 auf 120 Watt. Die anderen Notebooks benötigen hingegen konstant rund 140 (Razer) respektive 260 Watt (Aorus).

So stark, wie es der Taktverlust vermuten lässt, ist der Leistungsverlust in den meisten Benchmarks dann allerdings nicht. Erstens ist in der Regel schon der erste Durchlauf von fallenden Taktraten betroffen und zweitens der Einfluss der Notebook-CPU immer gleich.

Leistung in Full HD und Ultra HD

Der Leistungssprung GeForce GTX 1070 Max-Q zu GeForce RTX 2070 Max-Q im Vergleich der beiden Notebooks von Gigabyte und Razer ist kleiner als vom Desktop-PC bekannt. Im Durchschnitt über die Spiele F1 2018, Kingdom Come: Deliverance und Shadow of the Tomb Raider setzt sich Turing gegenüber Pascal in Full HD mit jeweils maximalen Details nur um 12 Prozent ab. Sind beide Notebooks warm und damit die Taktraten insbesondere beim Modell von Gigabyte gefallen, bleiben noch 7 Prozent Vorteil übrig.

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Performancerating Full HD
Angaben in Prozent
    • GeForce GTX 1080 Mobile (kalt)
      100,0
    • GeForce GTX 1080 Mobile (warm)
      97,3
    • GeForce RTX 2070 Max-Q (kalt)
      85,4
    • GeForce RTX 2070 Max-Q (warm)
      77,3
    • GeForce GTX 1070 Max-Q (kalt)
      76,4
    • GeForce GTX 1070 Max-Q (warm)
      72,5

Nicht in dieses Bild passt Far Cry 5 (nicht im Performance-Rating), denn hier liegt die GeForce GTX 1070 Max-Q sogar in Front. Zurückzuführen ist das allerdings auf die CPU, die im Aero 15-X9 in diesem Fall niedriger taktet als im Razer Blade 15, was dem Spiel überhaupt nicht passt.

In Ultra HD kann sich Turing gegenüber Pascal dann mit 16 Prozent im Durchschnitt über die drei angesprochenen Spiele etwas deutlicher absetzen, solange der Takt im Aero noch nicht gefallen ist. Dann wiederum bleiben ebenfalls nur noch 8 Prozent Vorsprung zurück.

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Performancerating UHD
Angaben in Prozent
    • GeForce GTX 1080 Mobile (kalt)
      96,3
    • GeForce GTX 1080 Mobile (warm)
      95,1
    • GeForce RTX 2070 Max-Q (kalt)
      85,4
    • GeForce RTX 2070 Max-Q (warm)
      78,5
    • GeForce GTX 1070 Max-Q (kalt)
      73,4
    • GeForce GTX 1070 Max-Q (warm)
      72,5

Die deutlich höhere Last auf die GPU lässt in diesem Fall den Einfluss der CPU sinken und insbesondere das Aorus X7 DT stellt sich deutlich stärker auf. Mit dem niedrigeren CPU-Takt bleibt die GeForce RTX 2070 Max-Q im Aero 15-X9 in Far Cry 5 allerdings weiterhin knapp hinter der GeForce GTX 1070 Max-Q im Razer Blade 15 zurück.

Mehr Abstand zu den Desktop-GPUs

Werden Desktop-GPUs in das UHD-Performance-Rating (weniger CPU-Limit) mit aufgenommen, zeigt sich die GeForce RTX 2070 Max-Q im „kalten“ Zustand im Gigabyte Aero 15-X9 durchschnittlich so stark wie die GeForce GTX 1070 Founders Edition. Die Desktop-Grafikkarte hat allerdings den Vorteil der deutlich stärkeren CPU, was den Vergleich trübt. Eine andere Aussage ist davon jedoch weniger stark, weil sie beide Perspektiven berührt: Die GeForce GTX 1070 FE ist der GeForce GTX 1070 Max-Q im Durchschnitt um 18 Prozent voraus, die GeForce RTX 2070 Turbo der GeForce RTX 2070 Max-Q hingegen um 37 Prozent. Die Kluft zwischen Desktop und Notebook ist, zumindest auf Basis der bisher verfügbaren Systeme, also deutlich größer geworden.

3 Einträge Bearbeiten
Performancerating UHD mit Desktop-GPUs
Angaben in Prozent
    • Nvidia GeForce RTX 2080 FE
      100,0
    • Asus GeForce RTX 2070 Turbo
      76,0
    • Nvidia GeForce GTX 1080 FE
      70,5
    • GeForce GTX 1080 Mobile (kalt)
      62,4
    • Nvidia GeForce GTX 1070 FE
      56,3
    • GeForce RTX 2070 Max-Q (kalt)
      55,4
    • GeForce GTX 1070 Max-Q (kalt)
      47,6
    • Nvidia GeForce GTX 1060 FE
      0,0
    • Nvidia GeForce RTX 2060 FE
      0,0

Die kleinere Pascal-GPU passt hingegen perfekt in das von Nvidia ausgerufene Schema, das besagt: Mobile GPUs sind maximal 10 Prozent langsamer als die Founders Edition und Max-Q-Varianten nochmals maximal 10 Prozent langsamer als die herkömmlichen mobilen Versionen. Bei Turing gibt es eine solche Aussage bisher nicht.

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