Im Test vor 15 Jahren: Der Athlon 64 2800+ für schmale Geldbeutel

Robert McHardy 117 Kommentare
Im Test vor 15 Jahren: Der Athlon 64 2800+ für schmale Geldbeutel

tl;dr: Als Ergänzung des Portfolios für kleinere Budgets führte AMD den Athlon 64 2800+ (Test) ein. Mit einem verkleinerten L2-Cache und geringeren Taktraten wurde der Prozessor wie bereits der Athlon 64 3000+ (Im Test vor 15 Jahren) gegenüber den teureren Modellen abgegrenzt.

Weniger Takt und L2-Cache

Wie bereits der Athlon 64 3000+ wurde der 2800+ von AMD in puncto Takt begrenzt und beim L2-Cache künstlich beschnitten. Damit konnten vor allem Prozessoren, bei denen nicht der volle L2-Cache funktionstüchtig war, trotzdem noch verkauft werden.

Der Athlon 64 2800+ war sowohl mit altem Clawhammer-512- als auch mit dem neueren Newcastle-Kern (CG-Stepping), der eine verringerte Chipfläche und schon von Haus aus nur 512 kByte L2-Cache bot, erhältlich. Prozessoren mit Newcastle-Kern waren insbesondere etwas stromsparender. Kunden hatten damals – zumindest im Online-Handel – keine Möglichkeit, gezielt eine der beiden Varianten zu erwerben. Auch ComputerBase hatte für den Test als Zufallsgriff einen Athlon 64 2800+ mit Clawhammer-512-Kern erhalten.

Die Prozessoren im Überblick
Merkmale Pentium 4 Pentium 4 Pentium 4
Extreme
Edition
Athlon XP Athlon 64 (FX)
Kern Prescott Northwood Northwood 2M Thoroughbred
Barton
Clawhammer
Clawhammer-512
Newcastle
Frontside-Bus 533 MHz QDR
800 MHz QDR
400 MHz QDR
533 MHz QDR
800 MHz QDR
800 MHz QDR 266 MHz DDR
333 MHz DDR
400 MHz DDR
entfällt
Fertigung 90 nm 130 nm 130 nm SOI
Sockel Sockel 478 Sockel A Sockel 754
Sockel 940 (FX)
Taktrate oder
Modellnummer
533 MHz QDR
2400 MHz A
2800 MHz A

800 MHz QDR
2800 MHz E HT+
3000 MHz E HT+
3200 MHz E HT+
3400 MHz E HT+

HT+: Verbessertes
Hyper-Threading
400 MHz QDR
1600 MHz A
1800 MHz A
2000 MHz A
2200 MHz
2400 MHz
2500 MHz
2600 MHz

533 MHz QDR
2266 MHz
2400 MHz B
2533 MHz
2666 MHz
2800 MHz
3066 MHz HT

800 MHz QDR
2400 MHz C HT
2600 MHz C HT
2800 MHz C HT
3000 MHz HT
3200 MHz HT
3400 MHz HT

HT: Hyper-
Threading
800 MHZ QDR
3200 MHz HT
3400 MHz HT

HT: Hyper-
Threading
266 MHz DDR
1800+
1900+
2000+
2100+
2200+
2400+
2600+

333 MHz DDR
2600+
2700+
2800+

333 MHz DDR
2500+
2600+
2800+
3000+

400 MHz DDR
3000+
3200+
Athlon 64:
2800+*
3000+*
3200+
3400+

Athlon 64 FX:
51
53

* 512 kB
L2-Cache
Transistoren 125 Mio. 55 Mio. 169 Mio. 37,5 Mio. (Tho.)
54,3 Mio. (Bar.)
105.9 Mio.
DIE-Size 112 mm² 146 mm² (nB0)
131 mm² (nC1)
131 mm² (nD1)
240 mm² (nM0) 80 mm² ("Tho A")
84 mm² ("Tho B")
101 mm² (Bar.)
193 mm²
L1-Execution-Cache 12.000 µ-Ops 64 kByte
L1-Daten-Cache 16 kByte 8 kByte 64 kByte
L1-Takt CPU-Takt
L2-Cache 1.024 kByte 512 kByte 256 kByte (Tho.)
512 kByte (Bar.)
512 kByte
1.024 kByte
L2-Cache-Takt CPU-Takt
L2-Modus L1 inclusive L1 exclusive
L3-Cache 2.048 kByte
L3-Cache-Takt CPU-Takt
L3-Modus L2 inclusive
HW Data Prefetching Ja
VCore 1,250 V
1,275 V
1,300 V
1,325 V
1,350 V
1,375 V
1,400 V
1,475 V
1,500 V
1,525 V
1,550 V
1,475 V
1,500 V
1,525 V
1,550 V
1,575 V
1,600 V
1,50 V
1,60 V
1,65 V
1,55 V
Befehlssätze MMX
SSE
SSE2
SSE3
MMX
SSE
SSE2
MMX
SSE
SSE2
MMX
3DNow!
3DNow!+
SSE
MMX
3DNow!
3DNow!+
SSE
SSE2
AMD64
Temperatur Diode Ja
Multiprozessor-fähig Nein
CPU-Architektur 31-stufige-Pipeline 20-stufige-Pipeline 15-stufige (FPU)
10-stufige (ALU)
Pipeline
17-stufige (FPU)
12-stufige (ALU)
Pipeline

Die Leistung des kleinsten Athlon 64 lag wie erwartet etwas unter der der größeren Modelle. Im Test zeigten sich in den Benchmarks die üblichen Stärken und Schwächen der Athlon-64-Architektur gegenüber den Pentium-4-Prozessoren von Intel. In Anwendungen, die von Intels Hyper-Threading-Technologie profitieren konnten (z. B. Medien-Enkodierung), lagen die Pentium-Modelle gewohnt vorne. In Spielen konnte sich der Athlon 64 2800+ mit einem Pentium 4 mit 3,0 GHz gleichstellen, hinter dem Athlon 64 3000+ lag er fünf Prozent zurück. Über alle Benchmarks hinweg blieben am Ende rund 7 Prozent weniger Leistung im Vergleich zum 3000+.

In der Theorie war der Athlon 64 2800+ damit ein echtes Schnäppchen. Für Händler kostete der Prozessor mit 178 zu 218 Euro rund 18 Prozent weniger, in Anbetracht des Leistungsdefizits von 7 Prozent bot der 2800+ damit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. In der Praxis gaben die Händler im Mai 2004 diese Ersparnis allerdings nur begrenzt an den Kunden weiter. Diese mussten im Laden mindestens 214 beziehungsweise 199 Euro (Boxed/Tray) statt 229 respektive 209 Euro (Boxed/Tray) bezahlen. Die Ersparnis betrug somit nur 5 bis 7 Prozent.

Im Endeffekt war der Athlon 64 2800+ damit zwar kein schlechterer Deal als der 3000+, besonders attraktiv war er allerdings auch nicht. Aufgrund der günstigen Preise der Pentium-4-Prozessoren zu dieser Zeit boten selbst einige dieser CPUs ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis.

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