Rage 2 im Test: Inhaltliche Kritik und Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al. 202 Kommentare

Wie gut ist Rage 2?

In Rage 2 durchstreifen Spieler ein postapokalyptisches Szenario. Stärken und Schwächen sind erwartbar: Mit jedem Gegenüber nach dem Untergang der Zivilisation auf jede Art und Weise abrechnen zu dürfen, wird nicht langweilig, die ruinierte Welt gibt allerdings nur eine öde Kulisse ab.

Was in Tests durchweg in den höchsten Tönen gelobt wird, ist das Shooter-Gameplay. Da die Avalanche Studios in diesem Punkt die Genre-Urgesteine bei id Software zur Seite standen, war dieser Befund zu erwarten. „Doom Plus“, die nächste Stufe der 2016 etablierten Mechaniken sei das neue Rage, heißt es unisono. Schnelle und brutale Action trifft auf Waffen, die zum Experimentieren einladen. Erstmals kommen Charakterfähigkeiten wie Dash oder ein Slam-Angriff hinzu. Immer wieder auszuprobieren und zu kombinieren zieht in den Bann, auch weil das Spiel schnelle Kill-Folgen mit höheren Feltrite-Beträgen zur Heilung und für Upgrades belohnt, also besondere Fähigkeiten vergütet.

While you engage in a variety of activities during your romp through the wasteland, almost everything boils down to slaughtering a slew of enemies. Which is fine on a basic level, because that's Rage 2's strong point.

Game Informer

Es ist allerdings der wichtigste und nahezu einzige Klebstoff, den der Shooter neben schwarzem Humor besitzt. Dass es rummst hält im Spiel, warum gerät in den Hintergrund: Eine simple Rachestory mit austauschbarem Protagonisten fesselt ebenso wenig wie die Gestaltung der Welt. Das verwendete Attribut hier heißt „Beliebigkeit“. Durch die Welt zu fahren und sie zu erkunden hält weder Überraschungen noch Interessantes etwa in Form von Belohnungen oder Panoramen bereit. Sich wiederholende Banditen-Camps und ewig gleiche Fahrzeug-Rennen sowie -Kämpfe und das Fehlen von besonderen Anreizen für die Erkundung wirken sich merklich negativ aus. Lust, die Welt motorisiert zu durchqueren, hatten die wenigsten Tester, teils wurde gar empfohlen, gleich den Helikopter freizuschalten, um die Reisezeiten zu verkürzen.

Lediglich das Freischalten von Waffen und Upgrades, die sich in „Arks“ verstecken, wird nahe gelegt, weil beides das Gameplay – also das Herumballern – deutlich aufwertet. Was sich wo versteckt, wissen Spieler vorher jedoch nicht. Trotzdem ist die Kritik vernichtend: Die Welt, urteilt PC Games, ist von „von Anfang bis Ende leblos“, bei 4Players wird sie als „furchtbar“ bezeichnet. Sie reicht zumindest aber, um ein paar Mal öfter den Shooter-Loop genießen können.

Rage 2’s open world isn’t worth investing your time into.

Games Radar

In Tests zeichnet sich mehr oder weniger deutlich ab, warum es die offene Welt, mehrere Ressourcen und die Progression der Spielfigur gibt – um etwas Zeit zu strecken, um ein eigentlich gemäß seiner Hauptmissionen linear gedachtes Spiel, dessen Hauptmissionen etwa PC Games N fesseln, mit der Games-as-a-Service-freundlichen offenen Spielwelt zu verbinden, die sich „gezwungen“ anfühlt (Games Radar). Bei diesen ungleichen Hälften knirscht es im Gebälk. Immerhin stört sich niemand am Ingame-Shop: Der bietet lediglich Skins an, die nicht benötigt werden.

Unterhalten werden Spieler trotz der beliebigen Welt und der sichtbaren Widersprüche mit Rage 2 aber genug, weil der Shooter-Part einen Sogfaktor entwickelt. Damit steht das Spiel dann doch in der Tradition alter id-Produkte. Auch wenn sich die reinen Hauptmissionen ohne Level-Gating in rund fünf Stunden absolvieren lassen, verbrachten Tester zwischen 12 und 20 Stunden im Spiel. Es bleibt allerdings eine „riesige, seelenlose Open-Worldspielwiese“ (PC Games). Auch das ist kein Wunder: Avalance hat zuletzt mit Just Cause 4 und Mad Max genau das in Serie produziert. Durchschnittswertungen spiegeln das.

Wertungsüberblick für Rage 2
Publikation Wertung
4Players 60/100
Destructoid 8/10
GameStar 75/100
Game Informer 7/10
PC Games 7/10
PCGamesN 7/10
US Gamer 4/5
Metacritic (PC) Presse: 73/100
Nutzer: -/10

Fazit

Die PC-Version von Rage 2 hinterlässt einen guten technischen Eindruck, denn sie läuft bereits jetzt deutlich besser als das mit gleicher Engine ausgestattete und vom gleichen Entwickler stammende Just Cause 4 selbst heutzutage – in so ziemlich jeglicher Beziehung. Das fängt bereits bei der Grafikqualität an: Rage 2 sieht gut, wenn auch nicht perfekt aus. Die Atmosphäre ist aufgrund der guten Beleuchtung gelungen und im Kampfgetümmel erfreut sich das Auge an den zahlreichen Effekten. Die Kantenglättung bleibt trotz deutlicher Verbesserung dagegen immer noch etwas problematisch und die Landschaften wirken teils kahl.

Rage 2 zeigt auf modernen PCs dafür eine gute Performance und eine ungewöhnlich direkte Steuerung, die das Spiel vermutlich durch die Zusammenarbeit der Avalanche Studios mit id Software – dem Doom-Entwickler – erhalten hat. Die Vulkan-API wurde in dem Spiel gut umgesetzt.

Rage 2 im Technik-Test

Sie zeigt vor allem auf sämtlichen AMD- und Nvidias Turing-Grafikkarten eine gute Performance. Ältere GeForce-Grafikkarten auf Basis von Pascal haben dagegen das Nachsehen und liefern weniger FPS als gewöhnlich. Bei AMD spielt das Alter keine Rolle: Sowohl Polaris als auch Vega schneiden in Rage 2 gut ab und legen sich teils erfolgreich mit den Turing-Beschleunigern an.

Während die PC-Version von Rage 2 gut funktioniert, gilt dies für das Spiel nur teilweise. Reviews anderer Presse-Medien zeigen einen gemischten Eindruck. Rage 2 hat seine Stärken: Die Kämpfe und der durchgedrehte Humor können überzeugen. Die Open World leidet dagegen unter dem nicht unüblichen Problem, dass sie schlicht leer, leblos und wiederholend ist.

ComputerBase hat Rage 2 von Bethesda zum Testen erhalten. Das Muster wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühstmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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