RAM-OC auf AMD Ryzen im Test: Flare X & Trident Z Royal mit optimierten Taktraten & Timings

Manuel Prislan 323 Kommentare
RAM-OC auf AMD Ryzen im Test: Flare X & Trident Z Royal mit optimierten Taktraten & Timings
Bild: Titelbild

tl;dr: Ryzen profitiert stark von optimierten Haupt- und Subtimings sowie höheren Taktraten beim RAM. Je nach Anwendung kann das CPU-Limit durchaus deutlich angehoben werden. Das zeigt auch der Test mit optimiertem DDR4-3200 CL14 vom Typ G.Skill Flare X & Trident Z Royal.

Dass AMD Ryzen ganz besonders von schnellem Arbeitsspeicher profitiert, ist längst kein Geheimnis mehr. Bereits die offiziellen Spezifikationen für zwei Single-Rank-Speicherriegel liegen seitens AMD seit Ryzen 2000 bei DDR4-2933. Im Embedded-Bereich unterstützt der Hersteller sogar bereits offiziell DDR4-3200 und auch die neue Generation Ryzen 3000 ist auf DDR4-3200 ausgelegt.

Der RAM-Takt ist jedoch nicht alles, auch die (bekannten) Haupt- und (weniger bekannten) Subtimings haben einen deutlichen Einfluss. Das „Geheimnis“ liegt in der optimalen Abstimmung und Optimierung zwischen RAM, Mainboard und CPU. Vor allem im CPU-Limit lässt sich somit noch ein gutes Stück mehr an Leistung aus dem System kitzeln.

Die Speicherkonfigurationen im Test

Um einen aussagekräftigen Test zu erstellen, wurden die gängigsten Kombinationen aus RAM-Takt und -Timings für AMD herangezogen. Als Speichermodule wurden der schnelle Klassiker und explizit für AMD angebotene G.Skill Flare X DDR4-3200CL14 sowie der schillernde Neuling G.Skill Trident Z Royal DDR4-3200CL14 verwendet.

Beide Speicher-Kits sind mit den guten und bei Overclockern bekannten Samsung-B-Die-Chips bestückt. Im Test nutzbar waren damit DDR4-2666 bis DDR4-3666 mit unterschiedlich scharfen Timings, beispielsweise DDR4-2933/3200 bei Timings von 16-18-18-36 beziehungsweise 14-14-14-34. DDR4-3666 mit 14-15-14-28 war für das verwendete Testsystem das Limit.

Inwiefern der Einsatz von vier statt zwei Modulen Leistung kostet, wurde ebenfalls untersucht, indem viermal 8 GB bis DDR4-3333 mit Timings von 14-15-14-28 den Testparcours durchliefen. Auf diesem Wege sollte auch auf die häufig gestellte Frage nach der maximalen Frequenz-Timing-Kombination unter Vollbestückung bei AMD eine Antwort gefunden werden.

Speichergeschwindigkeit Timings Spannung
DDR4-2666 4 × 8 GB Trident Z 16-18-18-18-36-63-467-1T 1,21 V
DDR4-2933 2 × 8 GB Flare X/Trident Z 16-18-18-18-36-67-514-1T 1,36 V
DDR4-2933 4 × 8 GB Trident Z 16-18-18-18-36-69-514-1T 1,36 V
DDR4-3200 4 × 8 GB Trident Z 14-14-14-14-34-75-560-1T 1,36 V
DDR4-3200 2 × 8 GB Flare X/Trident Z 14-14-14-14-26-42-240-1T 1,38 V
DDR4-3333 4 × 8 GB Trident Z 14-14-15-14-28-42-252-1T 1,39 V
DDR4-3466 2 × 8 GB Flare X/Trident Z 14-14-15-14-26-42-252-1T 1,41 V
DDR4-3600 2 × 8 GB Flare X 14-10-15-14-28-38-252-1T 1,47 V
DDR4-3666 2 × 8 GB Trident Z 14-14-15-14-28-42-275-1T 1,49 V

Unter Windows können die Timings mit dem Tool Ryzen Timing Checker von „The Stilt“ ausgelesen werden, der einigen Anwendern aus Timing-Presets in aktuellen Mainboard-BIOS bekannt sein dürfte.

G.Skill Flare X und Trident Z Royal im Vergleich

Die beiden verwendeten RAM-Kits von G.Skill eignen sich aufgrund der Samsung-B-Die-Speicherchips hervorragend zum Übertakten und der Speichertakt skaliert nahezu linear mit Timings und Spannung. Der größte Unterschied der beiden RAM Kits ist abgesehen vom Aussehen das unterschiedliche PCB-Layout.

Beim G.Skill Flare X liegt die Anordnung der Speicherchips im A1-Layout vor, damit sind schärfere Haupt- sowie Subtimings relativ einfach umzusetzen. G.Skills Trident Z Royal hat die Speicherchips hingegen im A2-Layout angeordnet und erreicht damit höhere Taktstufen. Auf dem Testsystem war mit zwei Modulen maximal DDR4-3666 möglich. Bei Vollbestückung mit viermal 8 GB tritt ein mögliches Limit früher auf. Im Rahmen dieses Tests konnte maximal DDR4-3333 erreicht werden.

Testergebnisse

Für die Leistungsmessung wurde das nachfolgende System verwendet. Das eingesetzte Windows 10 Version 1809 war auf dem aktuellen Stand. Alle verfügbaren Sicherheits-Updates waren aktiv.

  • AMD Ryzen 7 2700X
  • MSI X470 Gaming M7 (Agesa 1.0.0.6)
  • 4 × 8 GB G.Skill Trident Z Royal DDR4-3200CL14
  • 2 × 8 GB G.Skill Flare X DDR4-3200CL14 (for AMD)
  • MSI GeForce GTX 1070 Ti Gaming 8G (GeForce 430.64)
  • Samsung SSD 960 EVO 500 GB (M.2, NVMe)
  • Windows 10 Pro (1809)

Die Spiele-Benchmarks wurden mit dem kleinen Tool CapFrameX aufgenommen. Weil es neuerdings als Analyse- und Aufzeichnungs-Tool agiert, ist es zu diesem Zweck komfortabel einzusetzen. Das Team dahinter ist im Forum aktiv, leistet Hilfestellung und nimmt Feedback sowie Verbesserungsvorschläge entgegen.

CapFrameX
CapFrameX (Bild: Github)

Synthetische Benchmarks

In den synthetischen Benchmarks skalieren der Durchsatz und die Speicherbandbreite nahezu linear zur Taktrate. Je höher der Takt, desto höher auch das Ergebnis. Bereits beim Benchmark von Superposition wird jedoch sichtbar, dass die Taktrate nicht alles ist und straffere Subtimings einen Vorteil bieten.

Die Latenzen fallen bei synthetischen Benchmarks schlechter aus, wenn die CPU auf „Auto“ steht. In realen Bedingungen hat dies jedoch nur einen sehr geringen Einfluss auf die Leistung.

Spiele-Benchmarks

Als Spiele wurden Battlefield V im Spielmodus „Firestorm“ und Shadow of the Tomb Raider herangezogen. Beide Titel wurden in Full HD mit DX12 und geringer Grafikeinstellung getestet, damit die vorhandene Grafikkarte nicht im GPU-Limit verweilen muss und eine Skalierung mit Speichertakt und -timings besser sichtbar wird.

Bei beiden Spiele-Benchmarks wurde auf eine reale Umgebung geachtet und diese Situation mit jeweils 20 Sekunden aufgezeichnet. Vor allem bei einem Multiplayer-Shooter wie Battlefield V stellte sich dies als sehr schwierig und langwierig heraus. Beide Spiele repräsentieren unterschiedliche Lastszenarien auf CPU und GPU.

Beachtlich sind die Werte einer Vollbestückung mit optimierten Haupt- sowie Subtimings. Hier wird ersichtlich, dass in synthetischen und realen Benchmarks mit Vollbestückung bereits zwei Taktstufen weniger gegenüber zweimal 8 GB gebraucht werden, um ein ähnliches Ergebnis erreichen zu können. Auch Dual-Rank-Speicherriegel mit zweimal 16 GB verhalten sich sehr ähnlich und profitieren hier vom erhöhten Kopierdurchsatz. Ob nun zweimal 16 GB oder viermal 8 GB die bessere Wahl darstellen, hängt stark vom verwendeten Mainboard ab. Die Stichworte lauten hier „Daisy Chain“ vs. T-Topology. „Daisy Chain“ wird zumeist bei den X470-/B450-Boards verwendet und kommt besser mit zweimal 16 GB zurecht (eine Ausnahme stellt das ASRock X470 Taichi dar). Die X370-/B350-Mainboards haben hingegen auch mit viermal 8 GB aufgrund der T-Topology geringere Probleme und skalieren damit ein wenig besser.

Maximal mögliche RAM-Taktraten (Anhaltspunkte)
Layout Daisy Chain T-Topology
Slots A1/B1 - A2/B2 A1/B1 - A2/B2
2 × 8 GB 2933–3600 MHz 3466–3466 MHz
4 × 8 GB 3200 MHz 3333 MHz

Fazit

Auch dieser Artikel bestätigt wieder einmal, dass AMD Ryzen von schnellem Speicher stark profitieren kann. Doch Takt ist dafür nicht allein entscheidend. Erst durch die Optimierung der Haupt- und Subtimings sowie der Steigerung der Taktrate kann in CPU-lastigen Anwendungen das Limit ein schönes Stück nach hinten verschoben werden. Bei Shadow of the Tomb Raider wirkt sich dies mit einer Steigerung der durchschnittlichen FPS von bis zu 27 Prozent aus. Bei Battlefield V ergibt sich eine Steigerung von ungefähr 10 Prozent – die Steigerung der minimalen FPS liegt mit 24 Prozent höher.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich das Optimieren und Übertakten des Arbeitsspeichers lohnen können, es aber auch Szenarien gibt, in denen keine spürbaren beziehungsweise nur gering messbare Leistungssteigerungen ersichtlich sind. Damit ist RAM-OC zwar kein absolutes Geheimrezept für alle Situationen, kann in den richtigen Anwendungen aber zu großen Leistungssteigerungen führen.

An beiden getesteten RAM-Kits gibt es am Ende technisch nichts auszusetzen. Verarbeitung, Qualität und OC-Potential sind auf ganzer Linie als sehr gut zu bezeichnen. Der königliche Neuling lässt sich Design und RGB-LEDs allerdings fürstlich bezahlen – im Handel wird das 16-GB-Kit für knapp 200 Euro angeboten. Der schnelle Klassiker Flare X wird derzeit hingegen für unter 150 Euro gelistet und stellt damit, rein aus technischer Perspektive, die bessere Wahl dar – auch weil das A1-Layout der Flare-X-Module aufgrund der potentiell strafferen Haupt- und Subtimings derzeit einen kleinen Vorteil gegenüber den Trident-Z-Royal-Modulen im A2-Layout hat.

Als Alternative zu den Samsung-B-Die-Kits etablieren sich derzeit auch günstigere RAM-Module mit Hynix-C-Die oder Micron-E-Die, welche ebenfalls ein gutes Übertaktungspotential bieten.

Details zu noch höheren Taktraten, eine umfassende Anleitung sowie Hilfestellung zum Thema RAM-OC stehen in der „AMD Ryzen – RAM OC Community“ zur Verfügung. Wie es bei Intel Core mit den Vorteilen aus RAM-OC aussieht, klärt wiederum der Thread „ RAM-Overclocking und Auswirkungen auf Spiele bei Intel CPUs“ auf.

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