Ryzen 5 3600X & 7 3800X im Test: Benchmarks, Leistungsaufnahme und Temperaturen

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Volker Rißka 509 Kommentare

Für den Test der beiden fehlenden Prozessoren kommt das mit Ryzen 3000 eingeführte neue Testsystem zum Zuge. Alle CPUs arbeiten dabei wie immer gemäß Herstellervorgaben. Mit Absicht wurde kein neues Beta-BIOS aufgespielt, um die Unterschiede auf identischer Plattform zu zeigen. Ohnehin erweisen sich letzte BIOS-Varianten zum Teil noch als fehlerbehaftet.

Ryzen 7 3800X
Ryzen 7 3800X

Benchmarks in Anwendungen

In der ersten Testreihe rund um moderne Anwendungen für Desktop-PCs zeigen die minimalen Taktunterschiede der beiden Prozessormodelle von AMD gegenüber den kleineren Vertretern auch noch einen kleinen Leistungsgewinn. Der Ryzen 5 3600X kann sich so 4 Prozent vor den Ryzen 5 3600 setzen, dies gilt sowohl für Multi-Core- als auch Single-Core-Apps. Der Ryzen 7 3800X gewinnt hingegen nur noch bis zu 3 Prozent gegenüber dem 3700X, im Single-Core-Betrieb schrumpft das Ganze sogar auf 1 Prozent zusammen. 100 MHz bei 4,5 GHz Takt sind quasi nur ein Unterschied auf dem Papier, aber nicht mehr in der realen Welt.

Der Blick in die Details zeigt vor allem beim Ryzen 7 3800X oftmals sogar einen Gleichstand mit dem Ryzen 7 3700X, die größte Ausnahme ist ein 6-prozentiger Vorsprung im Corona-Benchmark sowie in Handbrake. Das stellt ein massives Problem für den 3800X dar, denn Kunden sollen schließlich 80 Euro respektive 23 Prozent mehr dafür zahlen. Es ist eine Rechnung, die nicht aufgeht.

Benchmarks in Spielen (Full HD und UHD)

In Spielen liegt es traditionell an zwei Punkten: Mehr Kerne sind gut, der Takt sollte zudem bei rund 4 GHz liegen. Alle weiteren Parameter werden nebensächlich – und dazu zählen auch 100 bis 200 MHz mehr Takt, die die X-Modelle bekanntlich von den kleineren Varianten unterscheiden.

Exakt das zeigen auch die Benchmarks, der Ryzen 5 3600X liefert die gleiche Leistung wie der günstigere Ryzen 5 3600. Der Ryzen 7 3800X kann sich nicht vom billigeren Ryzen 7 3700X absetzen. Für Spiele sind sie deshalb keine bessere Wahl, der Griff kann auch hier völlig problemlos zum kleineren Modell erfolgen.

Die Leistungsaufnahme passt zur TDP und den weiteren CPUs

Das Dreigespann aus Leistungsaufnahme inklusive Temperaturmessung sowie der Betrachtung, wie es denn mit der Effizienz im Vergleich zu den bisherigen Vertretern aussieht, geht nahezu Hand in Hand mit den Erkenntnissen in Benchmarks.

Im Leerlauf liegen alle fünf neuen AMD-Vertreter nahezu gleichauf, was in erster Linie aber auch der Plattform geschuldet ist. Die X570-Mainboards sind allesamt keine Kostverächter, ältere Boards können schnell zehn Watt und mehr darunter liegen.

11 Einträge
Test: Leistungsaufnahme – Leerlauf (Windows 10, komplettes System)
Einheit: Watt (W)
    • AMD Ryzen 3 2200G
      39
    • Intel Core i7-7700K
      40
    • AMD Ryzen 5 3400G
      41
    • AMD Ryzen 5 2400G
      41
    • AMD Ryzen 3 3200G
      41
    • Intel Core i7-9700
      42
    • Intel Core i7-9700 (65/81 W LT)
      42
    • Intel Core i5-9400F
      42
    • Intel Core i9-9900K
      43
    • Intel Core i9-9900K (95/119 W LT)
      43
    • Intel Core i7-8700K
      43
    • Intel Core i5-8400
      43
    • AMD Ryzen 7 2700X
      46
    • AMD Ryzen 7 1800X
      46
    • AMD Ryzen 5 2600X
      46
    • AMD Ryzen 5 1600X
      46
    • AMD Ryzen 7 2700
      48
    • AMD Ryzen 5 2600
      48
    • AMD Ryzen 5 3600
      55
    • AMD Ryzen 7 3700X
      56
    • AMD Ryzen 9 3900X
      57
    • AMD Ryzen 7 3800X
      57
    • AMD Ryzen 5 3600X
      57
    • Intel Core i7-9800X
      58
    • Intel Core i9-9900X
      58
    • AMD Ryzen Threadripper 2920X
      66
    • AMD Ryzen Threadripper 2950X
      67

Geht es in die Lastbereiche, wird noch mal deutlich, wie gut der AMD Ryzen 7 3700X ist. Der kleinere Sechskerner Ryzen 5 3600X genehmigt sich im Vergleich zu dem Acht-Kern-Prozessor fast immer gleich viel Energie für deutlich weniger Leistung im Gesamtpaket. Gegenüber dem Ryzen 5 3600 ist der Sprung des X-Modells ebenfalls deutlich, für den Hauch einer Mehrleistung in Benchmarks wird zum Teil markant mehr Energie aufgewendet. Unterm Strich ist der Ryzen 5 3600X bei der Thematik Leistung pro Watt das schlechteste Modell der neuen Matisse-Familie.

Der Ryzen 7 3800X fällt im AVX-Test unter maximaler Last mit Prime95 sehr deutlich auf. Aber auch der hohe Wert entspricht noch AMDs Vorgabe, denn laut Spezifkation darf sich ein 105-Watt-Prozessor bis zu 142 Watt genehmigen – genau an dieser Grenze operiert das Modell. Die Qualität des Zwölfkerners scheint jedoch eine ganz andere Liga zu sein, Gleiches gilt für die 65-Watt-Modelle. Der 3600X und der 3800X scheinen beide die CPUs zu sein, die gerade so das Binning geschafft haben, weshalb ihnen der Dienst als effizientes und stromsparenderes Modell verwehrt und nur die „Resterampe“ bei rund 100 Watt blieb.

Die „kleinen“ 100-Watt-CPUs werden sehr warm

Zur Computex 2019 erklärte ein Mainboard-Hersteller gegenüber ComputerBase erstmals, dass die neuen Ryzen 3000 sehr heiß werden. Weitere Erläuterungen blieben seinerzeit aus, nach dem Test der ersten Acht- und Zwölf-Kern-Prozessoren Anfang Juli konnte dieses Bild nicht bestätigt werden. Doch der Blick auf die Ryzen 5 3000 und den zweiten Ryzen 7 änderte dies. Und es wird auch klar, warum die Warnung der Mainboard-Hersteller kam: Sie bekamen nur diese Modelle zu Beginn als Engineering-Sample von AMD und hinterließen prompt den Eindruck.

11 Einträge
Test: Temperatur der CPUs
Einheit: °C
  • Tctl bei Prime95 29.8 (Small FFTs max. Power/Heat):
    • Intel Core i7-9700 (65/81 W LT)
      51,0
      Takt auf 2,9-3,0 GHz gesenkt
    • AMD Ryzen 7 2700
      55,5
    • Intel Core i9-9900K (95/119 W LT)
      57,0
      Takt auf 3,8-3,9 GHz gesenkt
    • AMD Ryzen 3 3200G
      61,5
    • Intel Core i5-8400
      63,0
    • AMD Ryzen 5 2600
      63,5
    • AMD Ryzen 5 3400G
      64,5
    • AMD Ryzen 3 2200G
      65,0
    • Intel Core i5-9400F
      65,0
    • AMD Ryzen 7 3700X
      69,5
    • AMD Ryzen 5 2400G
      69,5
    • AMD Ryzen 5 2600X
      70,3
    • AMD Ryzen 9 3900X
      71,5
    • Intel Core i7-8700K
      75,0
    • AMD Ryzen 7 2700X
      80,0
    • Intel Core i7-9800X
      80,5
      mit AVX-Offset bei 3,4 GHz
    • AMD Ryzen 5 3600
      81,0
    • Intel Core i9-9900X
      81,0
      mit AVX-Offset bei 3,1 GHz
    • AMD Ryzen 5 1600X
      83,3
    • AMD Ryzen 7 1800X
      87,3
    • AMD Ryzen 5 3600X
      87,5
    • AMD Ryzen Threadripper 2950X
      90,5
    • Intel Core i7-7700K
      91,0
    • Intel Core i9-9900K
      92,5
    • Intel Core i7-9700
      93,0
      auf vier Boards identisch viel zu hoch
    • AMD Ryzen Threadripper 2920X
      94,0
    • AMD Ryzen 7 3800X
      95,0

Mittlerweile hat es sich bestätigt, was die Hersteller seinerzeit sagten: Vor allem die 100-Watt-Varianten der Ryzen-3000-Prozessoren werden sehr warm. Und das nicht nur in der Redaktion, denn auch die ComputerBase-Community machte diese unschönen Erfahrungen bereits. Der Ryzen 5 3600X scheint so ein Modell zu sein, das schon fast ein wenig mit der Brechstange durch hohe TDP auf Takt gebracht wird, dabei aber folglich sehr hohe Temperaturen ohne wirkliche Mehrleistung gegenüber dem Ryzen 5 3600 hervorbringt. Der Ryzen 7 3800X liegt dort sogar noch drüber, schon im Cinebench-Test ist er schnell mit 85 Grad unterwegs, am Maximum entsprechend noch darüber. Doch auch hier gilt wie bei allen Intel-CPUs: Theoretisch ist das alles kein Problem, das können alle Modelle laut Spezifikationen vertragen.

Die hohe Leistungsaufnahme wirkt sich auch auf eventuelle Übertaktungsversuche aus. Knapp 4,3 GHz waren möglich, allerdings wurden schnell die 100 Grad erreicht. Im Endeffekt sind dies 50 bis 100 MHz mehr, als mit dem Ryzen 7 3700X erreicht wurden. Und so bleibt es beim gleichen Zwischenfazit: Die Ryzen 3000 sind mit ihrer sehr hohen Leistung bei hoher Effizienz im Werkszustand einfach besser aufgestellt, das Overclocking wenig erstrebenswert.

Ein Kuriosum war aber auch bei dem zum Vergleich herangezogenen Intel Core i7-9700 zu beobachten. Ohne echte Limits verbraucht diese 65-Watt-CPU extrem viel und wird deshalb deutlich zu warm. Das Prozedere war nicht nur auf einem Mainboard anzutreffen, sondern gleich auf vier Exemplaren von verschiedenen Herstellern und mit unterschiedlichem Chipsatz. Hier scheint es einen Bug in tieferen BIOS- oder sogar Microcode-Regionen zu geben. Wird die CPU hingegen in ihre feste Grenzen gesetzt, ist das Ergebnis komplett richtig.

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