Bose Headphones 700 im Test: Exzellenter Komfort trifft auf beste Geräuschunterdrückung

Nicolas La Rocco 94 Kommentare
Bose Headphones 700 im Test: Exzellenter Komfort trifft auf beste Geräuschunterdrückung

tl;dr: Bose hat sich viele Jahre Zeit gelassen, um nach den QuietComfort 25, 35 und 35 II von Grund auf neue Noise-Cancelling-Kopfhörer auf den Markt zu bringen. Die neuen Bose Noise Cancelling Headphones 700 holen an vielen Stellen auf, wo die Konkurrenz davongezogen ist, und bieten die beste aktive Geräuschunterdrückung.

Als einstiger Vorreiter bei Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung konnte Bose lange Zeit mit vergleichsweise kleinen Änderungen die Spitzenposition halten. Statt einer Revolution gab es über die letzten vier Jahre mit den QuietComfort 25, 35 und 35 II stets nur kleine Evolutionsschritte. Einmal fiel das Kabel weg und Bluetooth zog ein, ein anderes Mal kam eine Taste für den Google Assistant unter Android und iOS hinzu.

Die Konkurrenz hat aufgeholt und überholt

Die größeren Veränderungen hat Bose hingegen unfreiwillig der Konkurrenz überlassen, die nur zu gerne an der Marktführerschaft der US-Amerikaner rütteln wollte. Dabei ist vor allem Sony über die letzten Jahre stetig präsenter geworden, zuletzt mit dem von der Presse vielfach gelobten WH-1000XM3. Auch Größen wie Beyerdynamic spielen mit dem Lagoon ANC (Test) mittlerweile in Boses Liga. Die Kopfhörer der Konkurrenz vereinen dabei neue Features wie eine auf Touch umgestellte Bedienung, USB Typ C, das Verbinden von mehreren Geräten sowie die Unterstützung vielfältiger Audio-Codecs. Vor allem in diesem Punkt trumpft Sony derzeit voll auf.

QuietComfort-Serie liegt erst mal auf Eis

Bei Bose sollen die Noise Cancelling Headphones 700 – kurz NCH 700 – zum Preis von rund 400 Euro wieder zu alter Stärke führen und der Konkurrenz zeigen, wer das Segment früher beherrscht hat und jetzt wieder beherrschen will. Dafür hat sich Bose zunächst mal von der alten Tradition getrennt, den Kopfhörer unter dem Markennamen QuietComfort auf den Markt zu bringen. Dass die NCH 700 das Ende der QuietComfort-Baureihe einläuten, will das Unternehmen nicht bestätigen. Es lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen, sodass unbekannt bleibt, ob die „QuietComfort 45“ nicht doch irgendwann auf den Markt kommen werden. Die NCH 700 müssen deshalb als Nachfolger des QuietComfort 35 II gesehen werden, wenngleich Bose von einer vollständig neuen Baureihe spricht.

Neues Design lässt Bügel außen an Kopfhörermuschel verlaufen

Mit der neuen Baureihe führt Bose ein vollständig neues Design ein, das möglichst minimalistisch ausgelegt ist. Dem klassischen Kopfhörerbügel, der oberhalb der Kopfhörermuschel direkt am Bügel justiert wird, sagt Bose ade. An seine Stelle rückt ein außen in Mulden der Kopfhörermuscheln integrierter Bügel aus Edelstahl, der sich nach unten hin verjüngt und auf einer Schiene außen an den Kopfhörermuscheln bewegen lässt. Laut Hersteller soll das dazu führen, dass die NCH 700 stets gleich aussehen, also ihr optisches Erscheinungsbild nicht durch den sichtbaren inneren Teil des Kopfhörerbügels, der üblicherweise beim Vergrößern sichtbar wird, gestört wird.

Für die meisten Anwender dürfte abseits des optischen Aspektes aber wichtiger sein, wie komfortabel sich der Kopfhörer im Alltag tragen lässt. Das Aufsetzen und Anpassen an die eigene Kopfgröße gelingen am besten, indem die NCH 700 in ihrer kleinsten Größe direkt aus dem Etui auf den Kopf gesetzt und die Kopfhörermuscheln dabei nach unten auf Höhe der Ohren gezogen werden. Um die Kopfhörer im Etui zu verstauen, müssen die Kopfhörermuscheln wieder eingefahren und eingedreht werden. Das Einklappen an einem Gelenk oberhalb der Kopfhörermuscheln ist bei den NCH 700 nicht möglich.

Tragekomfort auf höchstem Niveau

Einmal aufgesetzt, will man Boses neue Kopfhörer nur ungern wieder absetzen, so komfortabel sind dem Hersteller Passform und Material der Ohrpolster gelungen. Die sehr weichen Polster fertigt der Hersteller aus Kunstleder. Die NCH 700 sind als Over-Ear-Kopfhörer ausgelegt, sodass sie die Ohrmuscheln vollständig umschließen. Dabei ist die Vertiefung der Kopfhörermuscheln groß genug, dass die Ohrmuscheln nicht die mit Stoff bespannten Kopfhörertreiber berühren.

Der Bügel wiederum ist auf der Innenseite mit Schaumstoff überzogen, der zum oberen Bereich des Halbkreises dicker und weicher wird, um sich der Kopfform anzupassen. Von Anpressdruck kann keine Rede sein, die NCH 700 sitzen wunderbar komfortabel und leicht auf Ohren und Kopf und stören selbst nach Stunden des Tragens nicht. Gerade Vielreisende werden das neue Modell wieder schätzen, nachdem die verschiedenen QuietComfort für ihren hervorragenden Tragekomfort bekannt waren. Hier knüpft Bose mit den NCH 700 mindestens genauso gut an. Wie lange die Ohrpolster durchhalten werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen, ließ sich im Test nicht ermitteln. Üblicherweise wird das Material irgendwann rissig und beginnt sich schließlich in Einzelteile aufzulösen. Bei den QuietComfort konnten die Polster gegen neue ersetzt werden, das ist auch bei den NCH 700 der Fall.

Neue Bedienung im Überblick

Knöpfe findet man an den NCH 700 erst bei genauerer Betrachtung, denn sowohl beim schwarzen als auch beim getesteten silbernen Modell sind sie in der Farbe des Gehäuses in den seitlichen Rahmen der Kopfhörermuscheln eingelassen. Dort finden Anwender beim neuen Modell die USB-Typ-C- statt Micro-USB-Buchse zum Aufladen (rechts) sowie die 2,5-mm-Klinke (links), um die Kopfhörer kabelgebunden zu betreiben.

An der rechten Kopfhörermuschel gibt es zwei Tasten, eine zum Ein- und Ausschalten respektive für das Bluetooth-Pairing, die andere für den Zugriff auf die Sprachassistenten von Amazon, Apple und Google. Von Haus aus ist der Assistant der jeweiligen Plattform vordefiniert, sodass unter Android der Google Assistant und unter iOS Siri antwortet. Android-Nutzer haben darüber hinaus die Wahl, alternativ zum Google Assistant Amazon Alexa zu verwenden. Die NCH 700 haben zusätzlich eine eigene Sprachausgabe, jedoch nicht als Assistant, sondern um Statusinformationen etwa zur Restkapazität des Akkus oder Intensität der Geräuschunterdrückung auszugeben. Dabei fällt auf, dass Boses Stimme der natürlichen Sprachausgabe von Amazon, Apple oder Google hinterherhinkt und wie ein alter Roboter klingt.

Geräuschunterdrückung lässt sich frei konfigurieren

Die linke Kopfhörermuschel ist mit einer Taste bestückt, die die Geräuschunterdrückung kontrolliert. Auf der Taste sind drei Stufen für das „Noise Cancelling“ sowie den Gesprächsmodus hinterlegt. Ab Werk wechselt der Kopfhörer bei mehrfachem Drücken der Taste zwischen den Noise-Cancelling-Stufen „Aus“, „Fünf“ und „Zehn“ (Maximum). Anwender haben über eine App von Bose jedoch die freie Entscheidung darüber, in welchen drei Stufen die Geräuschunterdrückung anliegen soll. So könnte die persönliche Unterteilung der drei Intensitätsstufen zum Beispiel „Drei“, „Sieben“ und „Neun“ lauten. Langes Halten der Taste aktiviert den Gesprächsmodus, der besonders im Flugzeug oder in der Bahn praktisch ist. Dabei wird die Musik pausiert und das Gesprochene des Gegenübers verstärkt, sodass ein normales Gespräch geführt werden kann. Interessant dabei ist, dass die eigene Stimme nicht dumpf, sondern klar zu hören ist. Das Gefühl, sich ein wenig wie unter Wasser anzuhören, kommt bei den NCH 700 nicht auf.

Die Bose-Music-App ist optional

Die für Android und iOS verfügbare Anwendung „Bose Music“ ist nur wahlweise vonnöten, um Anpassungen an den Werkseinstellungen vornehmen zu können, und wird nicht zwingend vorausgesetzt. Zwar lässt sich darüber das Bluetooth-Pairing initiieren, das gelingt aber auch so über die Bluetooth-Einstellungen des Smartphones, Tablets oder PCs. Wer die App benutzen möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass zwingend ein Konto bei Bose erstellt werden muss. Immerhin verlangt die App keine E-Mail-Bestätigung, sodass rein theoretisch ein Konto mit falschen Angaben reicht.

Touch-Steuerung über die rechte Kopfhörermuschel

Abseits der drei Tasten und Veränderungen an den Einstellungen über die App findet die Bedienung vollständig über die rechte Hälfte der rechten Kopfhörermuschel statt. Dort befindet sich wie bei den Konkurrenzprodukten von Beyerdynamic oder Sony ein Touch-Bereich, der auf Wischbewegungen und das Tippen mit dem Finger reagiert. Wie die Gesten konkret funktionieren, erklärt das Handbuch nicht, das stattdessen auf die Bose-App verweist und auf den übrigen Seiten nur Sicherheitshinweise in unzähligen Sprachen bietet. Die App wiederum schickt den Anwender zum Support-Bereich des Herstellers, wo die vollständige Bedienungsanleitung (PDF) zu finden ist.

Touch-Bedienung über rechten Halbkreis der rechten Muschel
Touch-Bedienung über rechten Halbkreis der rechten Muschel

Aus der Bedienungsanleitung geht hervor, dass doppeltes Tippen für Play und Pause zuständig ist. Geht ein Anruf ein, nimmt dieselbe Aktion diesen an und beendet ihn wieder. Wird die Touch-Fläche hingegen kurz für eine Sekunde gehalten, wird der Anruf abgewiesen. Das Wischen nach vorne oder hinten springt zum nächsten oder vorherigen Titel. Wer nach oben oder unten wischt, passt dadurch die Lautstärke an. Im Großen und Ganzen geht die Bedienung leicht von der Hand und die Erkennung von Touch-Eingaben funktioniert zuverlässig. Besitzer kabelgebundener QuietComfort-Modelle (etwa der QC 25) werden unter Umständen aber die Kabelfernbedienung vermissen, die an dem optional nutzbaren 2,5-mm-auf-3,5-mm-Kabel nicht zu finden ist.

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