Radeon RX 5700 (XT) Pulse im Test: WQHD-Benchmarks, Lautstärke, sonstige Messungen und Fazit

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Wolfgang Andermahr 225 Kommentare

Benchmarks in 2.560 × 1.440

Beide Sapphire-Grafikkarten arbeiten quasi so schnell wie AMDs-Referenzdesign – „mehr“ Performance gibt es dann voraussichtlich mit den später erscheinenden Nitro+-Modellen. Die Radeon RX 5700 XT Pulse geht am Ende 1 Prozent schneller als die Referenzkarte zu Werke. Mit dem alternativen BIOS reduziert sich die Leistung um 2 Prozent, die Pulse ist dann also „langsamer“ als die Referenz.

Bei der Sapphire Radeon RX 5700 Pulse sieht es sehr ähnlich aus. Die Grafikkarte ist ab Werk mit dem primären BIOS 1 Prozent schneller als das Referenzdesign. Mit dem alternativen BIOS reduziert sich die Performance hier ebenfalls, die Grafikkarte arbeitet dann noch genau so schnell wie AMDs Standardmodell.

Lautstärke & Kühlung

Die Sapphire Radeon RX 5700 Pulse ist angenehm leise – beim Spielen mit den gemessenen 38 Dezibel zwar nicht flüsterleise, aber genauso wenig zu irgendeiner Zeit störend. Die Lüfter erzeugen bei den rund 1.500 Umdrehungen in der Minute ein angenehmes Arbeitsgeräusch. Mit dem alternativen BIOS sinkt die Drehzahl leicht, die Lautstärke reduziert sich aber nur auf gemessene 37 Dezibel.

Auf der schnelleren und mehr elektrische Leistung aufnehmenden Radeon RX 5700 XT Pulse arbeitet der verbaute Lüfter dann am Limit, mit dem Werks-BIOS eigentlich sogar schon ein wenig über dem Limit. Denn die 1.910 Umdrehungen pro Minute erzeugen durchaus laute 43,5 Dezibel. Das ist zwar immer noch etwas leiser als AMDs Referenzdesign, aber nicht das, was man von einer guten Custom-Karte erwartet, zumal es nicht einmal eine relevante Mehrleistung gibt. Hinzu kommt, dass die verbauten Lüfter bei knapp unter 2.000 Umdrehungen nervige Resonanzen erzeugen, die unangenehm auffallen.

Auf der RX 5700 XT Pulse lohnt sich das alternative BIOS

Deutlich besser ergeht es der größeren Sapphire-Grafikkarte mit dem alternativen BIOS. Die Lüfter arbeiten zwar nur 150 Umdrehungen langsamer und die gemessene Lautstärke sind nur um 2,5 Dezibel, subjektiv ist der Unterschied aber größer, weil die nervigen Resonanzen bei der Drehzahl nicht mehr vorhanden sind.

Auf dem Windows-Desktop schalten beide Grafikkarten die Lüfter ab und arbeiten vollkommen lautlos.

Messung zur Temperatur

Beide Sapphire-Grafikkarten operieren im grünen Bereich, was die Temperaturen betrifft. Die Radeon RX 5700 Pulse arbeitet beim Spielen mit einer GPU-Temperatur von 72 °C, die Junction-Temperatur beträgt 81 °C, der GDDR6-Speicher erwärmt sich auf 80 °C. Abgesehen vom Speicher bleibt die Grafikkarte damit ein wenig Kühler als das Referenzdesign.

Die Radeon RX 5700 XT Pulse wird aufgrund der höheren GPU-Power wärmer, bleibt mit 78 °C auf der GPU, 100 °C bei der Junction-Temperatur und 90 °C beim Speicher aber immer noch auf der sicheren Seite. Abgesehen vom Speicher bleibt damit auch die größere Karte kühler als das Referenzmodell.

Messung der Leistungsaufnahme

Die Radeon RX 5700 Pulse arbeitet mit dem Werks-BIOS so schnell wie das Referenzdesign. Da wundert es nicht, dass die Leistungsaufnahme beim Spielen fast identisch ist. Die AMD-Karte benötigt im Durchschnitt 176 Watt, der Sapphire-Ableger mit 175 Watt quasi gleich viel. Mit dem in Messungen kaum langsameren alternativen BIOS sind es noch 172 Watt.

Deutlich größere Unterschiede gibt es bei der Radeon RX 5700 XT Pulse. Sapphire versucht mit einem höheren Power Limit etwas mehr Leistung zu erzielen, was aber eben auch die Leistungsaufnahme ansteigen lässt. 233 Watt gegenüber 210 Watt bei der Referenz sind ein Plus von 23 Watt im Vergleich zur Referenz. Die Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC benötigt auch mit dem Quiet-BIOS zusätzliche 21 Watt, ist dafür jedoch schneller.

Mit dem alternativen BIOS arbeitet die XT-Pulse 26 Watt sparsamer als im Werkszustand. Mit 207 Watt benötigt die Grafikkarte dann 3 Watt weniger als die Referenz, arbeitet dafür allerdings 2 Prozent langsamer. Die Referenzkarte werkelt bei gleicher Performance also effizienter als die Custom-Karte von Sapphire.

Auf dem Windows-Desktop benötigt die Radeon RX 5700 Pulse mit 12 Watt 3 Watt mehr als die Referenzkarte. Die Radeon RX 5700 XT Pulse kommt mit 9 Watt dagegen auf genau denselben Messwert wie das AMD-Design. Offenbar genehmigt sich die GPU der Radeon RX 5700 Pulse schlicht etwas mehr Energie.

Übertaktungspotenzial gibt es kaum

Das Testexemplar der Sapphire Radeon RX 5700 Pulse erlaubt es problemlos, sämtliche Regler fürs Übertakten auf das Maximum zu setzen. Doch das liegt schlicht daran, dass AMD früh die Zügel anlegt. Mehr als ein Plus von 100 MHz für die GPU, 440 MHz für den Speicher und 20 Prozent für die GPU-Power ist nicht möglich. Dies macht die Grafikkarte auch problemlos mit und die Performance erhöht sich dadurch um etwa 5 Prozent. Die GPU arbeitet in Spielen dann mit ungefähr 1,8 GHz.

Auch die Radeon RX 5700 XT Pulse hat die üblichen Limits beim Übertakten. Das Power Limit erlaubt ein Plus von 50 Prozent und der GDDR6-Speicher lässt sich auf das Maximum übertakten, was mit 7.600 MHz zusätzliche 600 MHz bedeutet. Die Navi-10-GPU lässt theoretisch 100 MHz mehr zu, stabil liefen auf der Radeon RX 5700 XT Pulse aber nur weitere 25 MHz. In Spielen liegen dann etwa 2,0 GHz an und die FPS steigen um 6 bis 7 Prozent an.

Der Kühler der 5700 XT Pulse reicht fürs Übertakten nicht aus

Bei der Radeon RX 5700 XT Pulse gibt es beim Übertakten jedoch noch das Problem, dass der Kühler auch mit den Standardeinstellungen bereits am Limit arbeitet und bei erhöhtem Power Limit schlicht überfordert ist. Bezüglich der Temperaturen gibt es zwar keine Probleme, doch wird das Modell beim Übertakten sehr laut. Auf der Radeon RX 5700 Pulse ist das Overclocking wegen des Kühlsystems dagegen einwandfrei möglich und lässt die Lautstärke nicht allzu sehr ansteigen.

Fazit

Hersteller schicken für Tests gewöhnlich die Topmodelle ins Rennen, bei Sapphire ist die Nitro+-Varianten aber noch nicht fertig, deshalb geht vorerst Pulse an den Start. Die schneidet im Test zwar solide ab, kann aber keine neuen Bestmarken setzen.

Bezüglich der Performance orientieren sich sowohl die Radeon RX 5700 Pulse als auch die Radeon RX 5700 XT Pulse an AMDs Referenzdesign. Unterschiede gibt es fast nur im Bereich der Messungenauigkeit und wenn, dann mit überproportionalem Mehrverbrauch. Dafür sind beide Modelle leiser als die Referenz.

Die Radeon RX 5700 Pulse zeigt keine Schwächen

Die Radeon RX 5700 Pulse arbeitet zu jeder Zeit angenehm leise. Auf dem Windows-Desktop hält die Grafikkarte die Lüfter an und beim Spielen ist der 3D-Beschleuniger zwar hörbar, fällt aber zu keiner Zeit negativ auf. Das Referenzdesign ist im Vergleich viel lauter. Bei der Radeon RX 5700 XT Pulse gerät der Kühler dagegen an seine Leistungsgrenzen. Ja, auch der große Bruder arbeitet ruhiger als die Referenzkarte, nach einiger Aufwärmzeit geben die Lüfter aber ein recht aufdringliches Rauschen von sich. Leise ist das nicht mehr.

Bei der RX 5700 XT Pulse lohnt sich das alternative BIOS

Abhilfe schafft das alternative BIOS. Während das auf der Asus Radeon RX 5700 XT Strix OC (Test) quasi sämtliche Parameter ändert, reduziert Sapphire auf beiden Custom-Modellen nur leicht das Power Limit für die GPU. Auf der Radeon RX 5700 Pulse bleibt das quasi ohne Auswirkung, auf der XT stehen zwei Prozent weniger Leistung aber einem deutlich leiseren Betriebspegel gegenüber. Auch dann wird die Radeon RX 5700 XT Pulse nicht plötzlich leise, der Geräuschpegel ist aber deutlich angenehmer – ein lohnenswerter Kompromiss.

Die Pulse-Serie von Sapphire ist bei der Radeon RX 5700 und der Radeon RX 5700 XT den Referenzkarten also vorzuziehen. Es handelt sich um zwei bodenständige Grafikkarten, die darauf verzichten, mit Geschwindigkeit, Aussehen, Features oder einem maximal leisen Betrieb um die Kundschaft zu buhlen, sondern eine bessere Alternative zur Referenz darstellen. Viel mehr als diese kosten sollten sie so aber auch nicht.

Sapphire Radeon RX 5700 (XT) Pulse im Test
Sapphire Radeon RX 5700 (XT) Pulse im Test

Sapphire nennt für die Radeon RX 5700 Pulse 389 Euro (+50 Euro zur Referenz) und für die Radeon RX 5700 XT Pulse 449 Euro (+55 Euro zur Referenz). Das scheint jeweils noch etwas hoch gegriffen, doch liegen die Preisangaben des Herstellers oft über den Preisen, die der Markt schlussendlich verlangt. Darüber hinaus ist bis jetzt wenig über Budgetvarianten anderer Hersteller bekannt, sodass noch offen bleibt, ob diese an die Sapphire-Ableger heranreichen können. Die Redaktion wird versuchen, neben den Topmodellen in naher Zukunft auch die günstigeren Ableger anderer Hersteller zu testen.

ComputerBase hat die Radeon RX 5700 Pulse und die Radeon RX 5700 XT Pulse von Sapphire zum Testen erhalten. Die Grafikkarten wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

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