Steam China: Valve startet mit Steam-Ableger in einen neuen Markt

Max Doll 85 Kommentare
Steam China: Valve startet mit Steam-Ableger in einen neuen Markt
Bild: Valve

Valve wird für den chinesischen Markt einen offiziellen Ableger von Steam starten. Dieser trägt den besonderen regionalen Vorgaben und Erfordernissen Rechnung. Für den Rest der Welt und den normalen Clienten ändert sich durch den Start von Steam China nichts, denn beide Plattformen haben keinerlei Schnittmengen.

Betrieben wird Steam China nicht alleine von Valve, sondern in Kooperation mit Perfect World. Das Unternehmen aus Shanghai arbeitet bereits seit 2012 mit dem US-Partner zusammen und vertreibt Dota 2 und Counter Strike: Global Offensive in China. Solche Kooperationen sind in nahezu allen Branchen gängig und werden von staatlicher Seite mit verschiedenen Maßnahmen ermuntert, die einheimische Unternehmen beziehungsweise Kooperationspartner bevorteilen. Zuletzt war etwa der Battle-Royale-Hit PUBG von einem Verbot bedroht, bis der chinesische Anbieter Tencent zum Partner für den lokalen Betrieb des Spiels wurde.

Protektionismus und Zensur

Eine implizite Ermunterung liegt auch in diesem Fall nahe, denn Steam war offiziell nie in China verfügbar, aber ohne VPN-Dienst abrufbar, obwohl es sich um eine ausländische Seite handelt, die im streng überwachten Internet des Landes normalerweise gesperrt werden und die Spiele ohne Kontrolle durch den Staat anbietet. Parallel zu rasant steigenden Nutzerzahlen hatten Behörden zuletzt bereits den Zugriff auf Teile der Steam-Plattform, darunter das Forum, gesperrt. Dies kann als deutliches Signal verstanden werden.

Neben dem Schutz des Marktes steckt noch ein weiteres Interesse des Staates hinter der Etablierung einheimischer Unternehmen als Partner westlicher Anbieter. Spiele werden in China kritischer durch Behörden beäugt, müssen schon seit 2017 Gewinnchancen für Beuteboxen offen legen und vor allem zur Veröffentlichung zugelassen werden. Insbesondere wird dabei ihr Inhalt betrachtet, denn die Zensur unliebsamer Inhalte erstreckt sich auf Offline- wie Online-Welten.

Zuletzt mussten das die Macher des Horrorspiel Devotion erfahren, die Bilder von Winnie Puuh zusammen mit dem Begriff „Trottel“ in ihrem Titel platziert hatten. Der harmlose Comic-Bär steht zumindest auf dem unausgesprochenen Index, weil er satirisch mit dem chinesischen Staatsoberhaupt Xi Jinping in Verbindung gebracht wird. Dabei handelt es sich nicht um einen Einzelfall: Die lange Geschichte staatlicher Zensurinterventionen beleuchtet PC Gamer im Detail.

Lokales Steam kann kontrolliert werden

Eine lokale Plattform, die von einem inländischen Anbieter betrieben wird, sichert Behörden nun weit besseren Zugriff auf das Angebot und stellt sicher, dass staatliche Vorgaben eingehalten werden – auch Tencent versicherte etwa offiziell, PUBG werde in China unter anderem in Übereinklang mit „sozialistischen Grundwerten“ betrieben. Dies ist bei einem ausländischen Unternehmen, das eine unüberschaubare Anzahl Spiele vertreibt, nicht der Fall. Entsprechend stehen zum Start laut dem YouTube-Kanal ArchoEyrda nur 40 Titel zum Kauf bereit.

Wie andere Tech-Größen wird Steam China das tun, was die lokalen Gesetze vorschreiben, bestätigte DJ Powers von Valve im Rahmen eines Interviews mit Eurogamer. Powers erläutert, dass das offene Steam-Modell für China nicht funktioniere, die chinesische Plattform müsse deshalb „ein wenig mehr kuratiert“ werden und wird demnach nur Spiele anbieten, die in China offiziell zugelassen und erwünscht sind. Das normale Steam werde sich indes nicht ändern, betonte Powers mehrfach – zumindest plant Valve keine Änderungen. Fragen nach der künftigen Verfügbarkeit des Dienstes in China beantwortete der Marketing-Manager aber lediglich vage: Es gebe „immer externe Effekte, die man nicht kontrollieren kann“. Damit deutet sich an, dass die Tage des freien Zugriffs auf die internationale Version von Steam gezählt sind.