WD Black P50 Game Drive im Test: USB 3.2 Gen2x2 bringt vorerst nichts als Frust

Jan-Frederik Timm
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WD Black P50 Game Drive im Test: USB 3.2 Gen2x2 bringt vorerst nichts als Frust

tl;dr: Externe SSDs vom Typ WD Black P50 Game Drive sind die ersten Laufwerke mit USB 3.2 Gen 2x2 mit bis zu 20 Gbit/s. Doch nach über einer Woche Frust beim Testen bleibt am Ende vorerst nur eine Erkenntnis: Die neue Schnittstelle läuft noch nicht rund. Woran es liegt, ist nicht klar.

Update 11.05.2020 15:14 Uhr

ComputerBase liegt seit zwei Wochen ein Tool zum Updaten der Firmware vor, das die Probleme mit USB 3.2 2×2 beheben soll. Allerdings war es der Redaktion bisher nicht möglich das Muster zu aktualisieren. Das Programm meldet auf verschiedenen PCs an verschiedenen USB-Buchsen lediglich, dass das Laufwerk angeschlossen werden soll – was es bereits ist.

Auf Rückfrage konnte WD kurzfristig keine Abhilfe schaffen, sondern verspricht nach interner Prüfung abermals mit einem Update Abhilfe zu schaffen. Mittlerweile sind knapp drei Monate vergangen, seitdem ComputerBase den Hersteller auf die Probleme erstmals aufmerksam gemacht hat.

Update 03.04.2020 09:46 Uhr

Western Digital will die Ursache für das Problem inzwischen gefunden und in einer neuen Firmware behoben haben. Die Validierung der neuen Version soll sich aufgrund einer vorerst geschlossenen Dependance in Folge der Coronakrise allerdings um weitere rund drei Wochen hinauszögern.

Der Verkauf des WD Black P50 Game Drive geht unterdessen und unter Hinweis auf die USB-3.2-Gen-2x2-Kompatibilität weiter. Dass das erst mit einem zukünftigen Software-Update der Fall sein wird, erwähnt der Hersteller nicht.

Update 03.03.2020 10:16 Uhr

Zwei Wochen sind seit dem Test inzwischen vergangen, eine Erklärung oder gar einen Lösungsansatz für die schlechte Leistung der WD Black P50 am USB-3.2-Gen-2x2-Anschluss gibt es bisher weiterhin nicht. Die deutsche PR-Agentur von WD verweist darauf, dass es keine Neuigkeiten aus den USA gibt. Der Controller-Fabrikant ASMedia hat sich auf Nachfrage der Redaktion bisher gar nicht zu Wort gemeldet.

Update 20.02.2020 13:38 Uhr

Auch der Wechsel auf Intels X299-Plattform, die seit Ende 2019 ebenfalls erste Mainboards mit USB 3.2 Gen 2x2 bietet, bringt keine Besserung. Ist der Windows-Schreib-Cache deaktiviert, kommt es bei den bekannten Dateien zur bekannten Fehlermeldung, ist der Schreib-Cache aktiv, gelingt zwar der Schreibvorgang, die Transferraten sind allerdings erneut sehr gering. Das Verhalten entspricht 1:1 dem bereits mit TRX40 gezeigten. WD wurde erneut darüber in Kenntnis gesetzt. Tests mit Linux dauern noch an.

Der Wechsel auf Intels X299-Plattform bringt keine Besserung
Der Wechsel auf Intels X299-Plattform bringt keine Besserung

Das ist das WD Black P50 Game Drive

Von Western Digital gibt es in der Serie WD Black seit Sommer 2019 externe SSDs, die sich mit Tempo und Optik insbesondere an Spieler richten sollen. Das technisch innovativste Modell ist die WD Black P50, die auf USB 3.2 Gen 2x2 setzt. Drei Varianten sind mittlerweile im Handel verfügbar: 512 GB, 1 TB und 2 TB zu Preisen von 140, 250 und 480 Euro. Andere externe SSDs mit der bis zu 20 Gbit/s schnellen USB-Generation gibt es derzeit nicht zu kaufen. Die Seagate FireCuda Gaming ist zwar bereits gelistet, aber noch nicht im Handel verfügbar.

Die WD_Black™ P50 Game Drive SSD verfügt zudem über eine SuperSpeed-USB-Verbindung mit bis zu 20 Gbit/s (USB 3.2 Gen 2x2), die speziell auf hohe Leistung und langfristige Kompatibilität sowie auf neue Hardware, Komponenten und Zubehör der kommenden Jahre ausgelegt ist.

WD zur Black P50
WD Black P50 Game Drive mit USB 3.2 Gen 2x2
WD Black P50 Game Drive mit USB 3.2 Gen 2x2 (Bild: WD)

Das ist USB 3.2 Gen 2x2

USB 3.2 Gen 2x2 ist die schnellste derzeit verfügbare Ausbaustufe von USB, USB 4.0 ist bisher nur vorgestellt. Es verdoppelt die mit USB 3.1 Gen 2 (jetzt USB 3.2 Gen 2) verfügbare maximale Bandbreite auf 20 Gbit/s und ist die erste Generation, die nur noch über USB Typ C verfügbar ist. Weil das USB-Konsortium mit jeder Vorstellung einer neuen Variante von USB 3 zuletzt die alten Generationen umbenannt hat, existieren zurzeit alternative Bezeichnungen für das, was landläufig schlicht USB 3.0, 3.1 und 3.2 genannt wird. Die folgende Tabelle liefert einen Überblick.

Landläufig hieß mal heißt heute Marketing Stecker
USB 4.0 USB 4.0 USB4 20Gbps oder USB4 40Gbps Typ C
USB 3.2 USB 3.2 Gen 2x2 SuperSpeed USB 20Gbps Typ C
USB 3.1 USB 3.1 Gen 2 USB 3.2 Gen 2 SuperSpeed USB 10Gbps Typ A & C
USB 3.0 USB 3.1 Gen 1 USB 3.2 Gen 1 SuperSpeed USB Typ A & C

In Zeiten, in denen externe SSDs intern bereits auf PCIe x2 oder – wie auch die WD Black P50 – gar x4 setzen, verspricht USB 3.2 Gen 2x2 noch höhere (sequentielle) Transferraten im Praxiseinsatz, immer vorausgesetzt, der Controller wird nicht zum Flaschenhals. Ein Nachteil ist der zurzeit noch sehr geringe Verbreitungsgrad: Bei den Mainboards bieten im Februar 2020 nur ausgewählte TRX40-Platinen für AMD Ryzen Threadripper 3000 sowie die aktuellsten X299-Mainboards für Intel Core X diese Schnittstelle auf Basis des ASM3242 von ASMedia. Der Vorteil von USB 3.2 Gen 2x2: Es ist auch zu USB 3.1, 3.0 und 2.0 kompatibel, dann auch über USB Typ A – kann also quasi überall angeschlossen werden, solange die Stromversorgung am Port ausreicht. Thunderbolt-3-Laufwerke treffen hingegen mittlerweile zwar auf viele Systeme, die den Standard bieten, funktionieren aber auch ausschließlich dort und nicht an einem reinen USB-Typ-C-Port.

Im weiteren Verlauf steht im Zweifelsfall USB 3.2 für USB 3.2 Gen 2x2, USB 3.1 für USB 3.2 Gen 2 (USB 3.1 Gen 2) und USB 3.0 für USB 3.1 Gen 1 (USB 3.2 Gen 1).

Ein extra Testsystem

Das aktuelle SSD-Testsystem setzt auf den Ryzen 7 3800X und das Gigabyte Aorus X570 Master, bietet also kein USB 3.2 Gen 2x2. Für diesen Test musste also ein Plattformwechsel vollzogen werden. Zum Einsatz kam das MSI Creator TRX40 mit dem Ryzen Threadripper 3960X. Die schnellere CPU kann einen Einfluss auf die Ergebnisse haben, in Anbetracht des weiteren Testverlaufs war das aber nicht von Relevanz.

In CrystalDiskMark ist alles paletti

Der erste Blick auf ein Laufwerk im Test erfolgt auch in der Redaktion über CrystalDiskMark und in diesem synthetischen Test erreicht das Laufwerk Leistungswerte, die zu erwarten waren. Beim sequentiellen Lesen und Schreiben kann die WD Black P50 den Schnittstellenvorteil ausnutzen und sich von den schnellsten USB-3.1-Laufwerken absetzen, die Samsung Portable SSD X5 mit Thunderbolt 3 wird hingegen nicht erreicht.

Auch ein zweiter Test liefert erst einmal keine gravierenden Auffälligkeiten. ComputerBase ermittelt die sequentielle Schreib- und Leseleistung über einen Zeitraum von 5 Minuten über das Tool Diskspeed von Microsoft und protokolliert dabei auch die Temperaturentwicklung über Hard Disk Sentinel.

In der Praxis nichts als Probleme

Dateitransfers über USB 3.2 schlagen fehl
Dateitransfers über USB 3.2 schlagen fehl

ComputerBase testet aber nicht nur mit Benchmark-Tools, sondern zieht auch praxisrelevante Szenarien heran. Sie dienen auch dem Zweck, nicht nur die kurzfristige Leistungsspitzen, sondern die Dauerleistung hinter eventuell vorhandenen Pseudo-SLC-Caches abzubilden – gerade bei externen Laufwerken können hier gravierende Unterschiede zu Tage treten.

Einer dieser Tests umfasst das Kopieren eines Steamordners mit insgesamt 395 GB Kapazität. Und zur großen Überraschung schlug der Transfer schon nach wenigen Sekunden mit einer Fehlermeldung fehl. Sie deutet auf Probleme mit dem Laufwerk hin. Das nachfolgende Video zeigt unkommentiert den fehlerhaften Dateitransfer (gleich zu Anfang), dass daraufhin CrystalDiskMark dennoch problemlos läuft (bis 5:15) und im Nachgang derselbe Transfer (5:30) sowie ein weiterer (5:40) erneut fehlschlägt.

Nicht nur auf dem System mit MSI Creator TRX40, sondern auch auf einem zweiten Threadripper-Rechner mit Asus Zenith II Extreme und anderer Windows-10-Installation war dieses Verhalten zu beobachten. Die Fehlersuche begann und lieferte eine Reihe an Erkenntnisse:

  1. Wird die WD Black P50 über USB 3.1 Gen 2 (USB 3.2 Gen 2) betrieben, gibt es die Fehlermeldung nicht.
  2. Die Fehlermeldung tritt auf beiden Systemen immer bei derselben 1,3 GB großen Datei (imagefile1.pak) auf. Wird sie gelöscht, werden die restlichen 394 GB übertragen.
  3. An der Datei liegt es allerdings nicht, denn über USB 3.1 geht es, nicht nur mit der WD Black P50, sondern auch zwei anderen Laufwerken.
  4. Auch das Kopieren des Testparcours für CPU-Tests führt zu einer Fehlermeldung, in dem Fall sorgt eine andere Datei für das Problem.
  5. Tritt der Fehler auf, bleibt das Laufwerk am System angemeldet – ein Problem mit der Stromversorgung, die zum Herunterfahren führt, ist nicht zu erkennen.

Alle diese Test wurden durchgeführt, während das Laufwerk noch mit der von Windows gewählten Standardeinstellung „Sicherer Betrieb“ betrieben wurde. D.h. der Schreib-Cache in Windows war nicht aktiviert. Das stellt sicher, dass dem Nutzer keine Daten verloren gehen, wenn er das Laufwerk nach einem Transfer – ohne es korrekt abzumelden – entfernt. Schneller ist der Modus „Bessere Leistung“ mit Schreib-Cache. Und siehe da: Wurde die SSD in diesen Modus versetzt, trat die Fehlermeldung nicht mehr auf. Doch die Probleme blieben.

Steam-Ordner schreiben (390 GB)
Einheit: Minuten, Sekunden
  • 390 GB von Samsung PM981 auf externes Laufwerk:
    • WD Black P50 2 TB USB 3.2 Gen 2
      7:34
    • Samsung Portable X5 1 TB
      7:41
    • SanDisk Extreme Pro Portable 1 TB
      8:09
    • Samsung Portable T5 1 TB
      17:24
    • Samsung Portable T7 Touch 1 TB
      20:02
    • Crucial X8 Portable 1 TB
      41:00
    • WD Black P50 2 TB USB 3.2 Gen 2x2
      51:40

Die schnellsten Laufwerke im Test der Redaktion haben den 395-GB-Schreibtest zuletzt in unter 10 Minuten absolviert. Die WD Black P50 braucht über 50 Minuten. Ursache ist, dass das Laufwerk die Daten laut Windows Explorer immer wieder mit bis zu 1 GB schreibt, bevor es eine Pause einlegt – die Transferrate fällt auf 0 Bytes/s. Je weiter fortgeschritten der Transfer ist, desto langsamer geht es voran. Das nachfolgende Video verdeutlicht das Problem.

Ebenfalls interessant: Windows ließ nach dem Wechsel auf „Bessere Leistung“ keinen Wechsel zurück auf „Sicherer Betrieb“ mehr zu. Das Laufwerk böte diesen Modus nicht.

Ursache unbekannt

ComputerBase hat WD über die Probleme ausführlich in Kenntnis gesetzt, eine Lösung hatte der Hersteller bisher nicht parat. Dass das Problem am eigenen Laufwerk liegt, schließt WD offensichtlich nicht gänzlich aus, denn einen Verweis auf ASMedia gibt es als Antwort nicht. Dabei ist nicht ausgeschlossen, dass der Controller auf dem Mainboard oder der in Windows 10 verwendete Treiber, der von Microsoft kommt, die Probleme verursacht.

Der ASM3242 ist der zurzeit einzige USB-3.2-Gen-2x2-Controller, der auf TRX40- und X299-Mainboards zum Einsatz kommt. Auch PCIe-Adapter-Karten setzen darauf. Beim Hersteller selber ist er nicht einmal gelistet. Weder ASMedia noch die Mainboardhersteller bieten zurzeit dedizierte Treiber an, Windows 10 nutzt einen Treiber von Microsoft.

Bereits im Netz verfügbare Tests zur WD Black P50 lieferten bis zum 17. Februar keine weiteren Erkenntnisse, zu Problemen kam es dort nie. Allerdings wurde das Laufwerk auch nur an USB 3.1 oder ausschließlich in Tests wie CrystalDiskMark getestet. Am 18. Februar haben dann wiederum HardwareCanucks aus Kanada ihren Test veröffentlicht und die Ergebnisse decken sich 1:1 – nur den Wechsel auf den Modus „Bessere Leistung“ haben Sie nicht vollzogen. Eine Erklärung oder gar einen Lösungsansatz konnte den Kollegen auch WD USA nicht liefern.

Fazit

Das auch von WD in den Fokus gerückte Aushängeschild des WD Black P50 Game Drive ist der neue Schnittstellenstandard USB 3.2 Gen 2x2, der das Laufwerk schon für zukünftige Gaming-Systeme fit macht und deshalb muss sich die SSD auch daran messen lassen. Auch wenn derzeit kaum ein Spieler auf eines der Threadripper-3000- oder Core-X-Mainboards mit USB 3.2 Gen 2x2 setzen wird.

Das Fazit fällt aktuell allerdings ernüchternd aus: Nur wer das Laufwerk über USB 3.2 Gen 2x2 ausschließlich in den bekannten synthetischen Tests betreibt, erhält das, was das Datenblatt verspricht. Wer das Laufwerk hingegen im Alltag einsetzt, der wird keine Freude daran haben.

Woran es aktuell genau liegt, dass das Laufwerk an zwei verschiedenen TRX40-Mainboards mit aktuellsten Treibern, BIOS-Versionen und Windows 10 Version 1909 nur Fehler (Modus „Sicherer Betrieb“) oder desolate Transferraten (Modus „Bessere Leistung“) liefert, ist zwar noch offen. Am Ergebnis ändert das allerdings nichts: USB 3.2 Gen 2x2 ist aktuell keine Option.

ComputerBase wird dem Problem zusammen mit WD und ASMedia weiter auf den Grund gehen und über aktuelle Entwicklungen im Rahmen dieses Tests berichten. Bis nicht feststeht, dass die Probleme tatsächlich auch in Software behoben werden können, sollte USB 3.2 Gen 2x2 nicht als Kaufargument für die WD Black P50 herhalten. Welche Alternativen es am klassischen USB-3.1-Gen-2-Port mit 10 Gibt/s (auch USB 3.2 Gen 2) gibt, wird ComputerBase in Kürze beleuchten. Dann auch mit den Ergebnissen der WD Black P50 am USB-3.1-Port.

Externe Laufwerke mit USB 3.2, 3.1 und TB3
Externe Laufwerke mit USB 3.2, 3.1 und TB3

ComputerBase hat die WD Black P50 leihweise von Westen Digital zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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