Intel Core i7-10875H im Test: Schneller, aber in Multi-Threading-Apps hinter AMD

Jan-Frederik Timm
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Intel Core i7-10875H im Test: Schneller, aber in Multi-Threading-Apps hinter AMD

tl;dr: Intels neue Core-CPUs der 45-Watt-Klasse sind schneller als die Vorgänger. Bei Multi-Core und Effizienz bleibt AMD Renoir aber vorne. Der neue Achtkern-Prozessor Core i7-10875H kann im Test im Gigabyte Aero 15 OLED den Single-Core-Parcours für sich entscheiden, kommt ansonsten aber nicht an den AMD Ryzen 4000H(S) heran.

Zur Vorstellung der neuen CPUs vor zwei Wochen versprach Intel abermals die „schnellsten Notebook-Prozessoren“. Um einen absoluten Leistungssprung wie bei AMD Renoir aka Ryzen 4000U/H(S) (Test) kann es sich dabei allerdings nicht handeln, denn die Neuerungen der zehnten Generation mobiler Core-CPUs in der H-Klasse sind nicht nur auf den ersten Blick klein: Es gibt wie zuvor mit Core i9-9880H und Core i9-9880HK weiterhin maximal acht Skylake-Kerne auf Basis der 14-nm-Fertigung für die 45-Watt-Klasse.

Das ist neu in der 10. Generation H-CPUs

Abermals angehoben hat Intel hingegen die CPU- und RAM-Taktraten. Und weil ein Achtkern-Modell ab sofort ein Core i7 ist, dürfte es für einige Notebook-Serien einen relativ großen Sprung geben: Das für diesen ersten Test verwendete Gigabyte Aero 15 OLED (Produktseite) nutzte bisher beispielsweise maximal den Sechskern-Prozessor Core i7-9750H, ab sofort kommt der Core i7-10875H mit acht Kernen zum Einsatz.

Das Gigabte Aero 15 OLED mit Intel Comet Lake-H
Das Gigabte Aero 15 OLED mit Intel Comet Lake-H (Bild: Gigabyte)

Gar keine oder nur eine Anpassung um 100 MHz hat der offizielle Basis-Takt der CPUs erfahren, also der Takt, der unter einer von Intel definierten Last bei einem Verbrauch anliegt, der der TDP von 45 Watt entspricht. Gelesen werden kann das auch so: Die Fortschritte in der weiterhin verwendeten 14-nm-Fertigungstechnologie sind klein ausgefallen, der höhere Turbo dürfte also durch einen höheren Verbrauch erkauft werden. Ob das wirklich so ist?

Ein Indiz darauf liefert Intel offenbar selbst: Die neuen Comet-Lake-H-CPUs sind die ersten mobilen Intel-Prozessoren, deren TDP (Verbrauch unter Dauerlast) OEMs nicht nur nach unten, sondern auch nach oben anpassen können – und zwar auf 65 Watt. Schon bisher haben Hersteller Intels H-CPUs in potent gekühlten High-End-Notebooks dauerhaft deutlich mehr Leistung aufnehmen lassen, als es Intel vorsieht. Jetzt sieht der Prozessorgigant selbst diesen Fall in den Spezifikationen vor.

Drei Turbos für den höchsten Takt

Damit die CPU ihr Potential jederzeit bestmöglich nutzt, hat Intel auch am Turbo-Verhalten noch einmal gedreht. Drei Stufen bieten alle neuen CPUs:

  1. Den klassischen Turbo-2.0-Modus für alle Kerne, mit den jeweiligen Abstufungen, je nachdem wie viele Kerne ausgelastet werden.
  2. Den Turbo 3.0, vor allem bekannt aus der Core-X-Serie, der für die zwei schnellsten Kerne oberhalb des Turbo 2.0 ansetzt.
  3. Den „Thermal Velocity Boost“ (TVB), der im Notebook vor zwei Jahren eingeführt wurde und in strengen Temperaturgrenzen einen höheren Takt freigibt.

Basis für alle Modelle ist nach wie vor der Turbo 2.0. Dieser gilt für alle Kerne in gewissen Abstufungen, je nachdem wie viele belastet werden. Beim Flaggschiff Core i9-10980HK ist der maximal mögliche All-Core-Turbo beispielsweise mit 4,4 GHz spezifiziert. Auf den Turbo 2.0 setzt der „Turbo Boost Max 3.0“ auf, der nur für zwei Kerne gilt. Er hebt die Taktfrequenz weiter an. Um wie viel MHz genau, ist je nach Modell unterschiedlich. Vermutlich sind es bis zu 200 MHz, so wie zuletzt in der X-Serie. Laut Intel benötigt der Turbo 3.0 nun keinen Treiber mehr – das war in der X-Serie mitunter noch nötig.

Bei vier von sechs neuen CPUs (Core i9 und Core i7) kommt dann noch der „Thermal Velocity Boost“ (TVB) zum Zuge. Dieser darf bis zu einer Temperatur von 65 Grad Celsius 200 MHz, bis 85 Grad Celsius 100 MHz zusätzlich bereitstellen – darüber arbeitet er nicht mehr. Beim Flaggschiff bedeutet dies 5,3 GHz bis 65 Grad Celsius, 5,2 GHz bei 85 Grad Celsius und bei bis zu 100 Grad Celsius die 5,1 GHz Takt. Letztere fallen aber bereits in den Bereich des Turbo 3.0; der Turbo 2.0 dürfte vermutlich bei 4,9 GHz liegen und wäre damit nur 100 MHz höher getaktet als beim Vorgänger. Kleinere Core i7 bieten aber nur einen TVB von 100 MHz, was die Sache weiter verkompliziert.

Alte und neue Modelle im Vergleich

Intel Comet Lake-H
Kerne/Threads Basistakt max. Turbo TVB L3-Cache Speicher TDP TDPup
Core i9-10980HK* 8/16 2,4 GHz 5,3 GHz Ja 16 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i9-9980HK* 8/16 2,4 GHz 5,0 GHz Ja 16 MB DDR4-2666 45 W
Core i9-9880H 8/16 2,3 GHz 4,8 GHz Ja 16 MB DDR4-2666 45 W
Core i7-10875H 8/16 2,3 GHz 5,1 GHz Ja 16 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i7-10850H** 6/12 2,7 GHz 5,1 GHz Ja 12 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i7-9850H** 6/12 2,6 GHz 4,6 GHz Nein 12 MB DDR4-2666 45 W
Core i7-10750H 6/12 2,6 GHz 5,0 GHz Ja 12 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i7-9750H 6/12 2,6 GHz 4,5 GHz Nein 12 MB DDR4-2666 45 W
Core i5-10400H 4/8 2,6 GHz 4,6 GHz Nein 8 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i5-9400H 4/8 2,5 GHz 4,3 GHz Nein 8 MB DDR4-2666 45 W
Core i5-10300H 4/8 2,5 GHz 4,5 GHz Nein 8 MB DDR4-2933 45 W 65 W
Core i5-9300H 4/8 2,4 GHz 4,1 GHz Nein 8 MB DDR4-2666 45 W
* unlocked
** teilweise unlocked (4 Multiplikatorstufen + RAM)

Das Gigabyte Aero 15 OLED im Test

Getestet hat ComputerBase zum Fall des NDAs für Comet Lake-H den Core i7-10875H im neuen Gigabyte Aero 15 OLED. Besonders hervor hebt Gigabyte bei diesem schlanken Notebook die Ultra-HD-Auflösung auf einem OLED-Panel, das eine DisplayHDR-400-Zertifizierung der Vesa trägt. Alternativ steht ein günstigerer Full-HD-Bildschirm mit 144 Hz statt 60 Hz zur Auswahl. Gigabyte kalibriert die Bildschirme in Kooperation mit X-Rite Pantone mit einer angegebenen Abweichung der Farbtreue von Delta E <1.

Intel Comet Lake-H und neue Turing-GPUs sind ein häufiges Paar
Intel Comet Lake-H und neue Turing-GPUs sind ein häufiges Paar

Bei der Hardware vertraut Gigabyte auf die Kombination aus Intel Comet Lake-H bis hoch zum Core i9 sowie einer Nvidia GeForce RTX Super. Für die Grafikkarten installiert Gigabyte Nvidias Studio-Treiber zur Optimierung professioneller Bearbeitungsprogramme wie Adobe Premiere Pro, Autodesk Arnold, DaVinci Resolve, Adobe Lightroom oder Redcine-X Pro.

Neun Anschlüsse, darunter Thunderbolt 3, HDMI 2.0 und ein UHS-II-SD-Kartenleser, stehen zur Auswahl. Der Akku soll „einen ganzen Arbeitstag“ durchhalten. Ein Test des Notebooks wird in naher Zukunft auf ComputerBase erscheinen. Vorerst geht es ausschließlich um die CPU.

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